Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Erich Koch: Stadt würdigt einen ihrer Künstler

Der Roßbacher Künstler Erich Koch hatte einen ganz eigenen Stil entwickelt. Arbeiten aus seiner Werkstatt finden sich auch vielf
Der Roßbacher Künstler Erich Koch hatte einen ganz eigenen Stil entwickelt. Arbeiten aus seiner Werkstatt finden sich auch vielfach im öffentlichen Raum.

Der Bildhauer Erich Koch wurde vor 100 Jahren in Roßbach geboren und starb vor zehn Jahren in München. Das ist der Anlass für das Stadt- und Heimatmuseum Kusel, eine Ausstellung mit Werken Kochs zu zeigen.

Etwa 60 Arbeiten von Erich Koch können in den Räumen im Erdgeschoss des Museums besichtigt werden. Im Eingangsbereich hängt ein großes Foto des Künstlers und daneben nennt eine Informationstafel die wichtigsten Stationen seines Lebens: Meisterschule in Kaiserslautern, Kriegsdienst, Verwundung und neun Jahre russische Kriegsgefangenschaft.

Erst im Alter von 30 Jahren konnte er das Studium an der Akademie der Künste in München beginnen, wo er dann eine eindrucksvolle Karriere vom Hilfslehrer in der Bronzegießerei bis zum Professor machte. Die Auszeichnungen, die Koch für seine Arbeit erhielt, und die Museen, die Werke von ihm ausstellen, runden den Lebenslauf ab.

Thematische Annäherung

Die zwei ersten Ausstellungsräume laden den Besucher ein, die beiden wichtigsten Themen von Kochs Arbeiten kennenzulernen. Dazu gehört der weibliche Körper. Drei Beispiele aus Kochs Werk sind zu sehen. Eines davon ist ein weiblicher Torso, eine Figur, die Koch immer wieder beschäftigt hat. Kopf und Gliedmaßen fehlen, weil bewusst keine Vollendung geplant war. Gerade die Reduktion bietet einen Freiraum für die Fantasie des Betrachters. Das Werk lässt zugleich eine Besonderheit von Kochs Arbeitsweise erkennen. Für die Modelle als Vorstufe des Bronzegusses verwendete er vorgefertigte Gipsschalen, sodass er keine glatte, sondern eine gebrochene Form erzielte.

Frauenporträts beschäftigten den Künstler oft.
Frauenporträts beschäftigten den Künstler oft.

Eine schlanke liegende Frauenfigur stellt eine Allegorie des Winters dar. Von den übrigen Jahreszeiten ist auch der Frühling in der Vitrine im nächsten Raum zu sehen. Sie ist eine grazile Figur, die aus einer Pflanze herauswächst und sich mit beiden Armen nach oben streckt. Diese Darstellung war das Vorbild für die Brunnenfigur der „Ludwina“, eine Allegorie der Stadt Ludwigshafen, die am dortigen Ludwigsplatz steht.

Tiere und ihr Wesen

Der zweite Raum ist den Tieren gewidmet, deren Beobachtung Koch ein Leben lang fasziniert hat. Er skizzierte ihr Aussehen und gestaltete es immer wieder neu. Besonders beliebt waren dabei Vögel wie Krähen oder Eulen. Aber Koch zeigte sie nicht nur als friedliche und idyllische Wesen wie seinen schlafenden Hund Nelli, sondern er machte auch die Aggressivität und Grausamkeit in der Natur sichtbar.

Ein Hahn hat den Kopf angriffslustig ausgestreckt und die überlebensgroße Katze blickt den Betrachter triumphierend an, denn sie hält mit ihrer Pfote einen erbeuteten Vogel fest. Eine Rarität in diesem Raum sind auch die beiden Bände mit Skizzen in der Vitrine. Viele der Zeichnungen entstanden während des Krieges oder in der Gefangenschaft, als Koch jede Möglichkeit nutzte, um seine Eindrücke festzuhalten.

Wiederkehrendes Thema ist das Zerbrochene.
Wiederkehrendes Thema ist das Zerbrochene.

In dem größten Raum steht eine kleine Doppelfigur, die er „Bauernpaar“ genannt hat. Es sind einfache, aber gut gekleidete Leute. Daraus entstand später eine sehr viel größere Darstellung, die heute zu einem Brunnen im schwäbischen Riedlingen gehört. In diesem Raum gibt es ebenfalls eine Vitrine, in der zehn kleine Figuren aufgestellt sind. Auch hier gibt es eine Katze, die einen gefangenen Vogel im Maul hält.

Die übrigen Objekte erinnern an die Persönlichkeit des Künstlers: eine Bronzebüste als Selbstbildnis oder ein Foto aus seinem Atelier, auf dem etwa zwei Dutzend Figuren unterschiedlicher Größe zu erkennen sind. Die Vielseitigkeit Kochs wird in Federzeichnungen und Aquarellen oder in Holzplastiken sichtbar.

Erstes Modell: die Großmutter

Der geschnitzte Kopf seiner Großmutter gehört zu seinen frühesten Werken. Der Raum ist zugleich eine Erinnerung an seine Ehefrau Paulette, mit der er über 50 Jahre verheiratet war und deren Bild er immer wieder mit künstlerischen Mitteln gestaltet hat, als bemalte Holzplastik, als Bronzefigur mit ihrem Hund oder als Aquarell.

Die Ausstellung präsentiert Erich Koch als modernen Künstler, dessen Bedeutung sich nicht auf den Kreis Kusel oder die Pfalz beschränkt. Er hatte als akademischer Lehrer in München viele Schüler wie zum Beispiel Gernot Rumpf, Martin Schöneich oder Bernd Decker, die ebenfalls bedeutende Künstler wurden. In seinen Figuren hatte er einen eigenen Weg gefunden, der sich zwischen konkret-realistischer Darstellung und Abstraktion bewegt und dadurch den Blick auf das Wesentliche des Objektes lenkt.

Weitere wichtige Werke von Erich Koch befinden sich im öffentlichen Raum. Wer sie kennenlernen möchte, sollte eine kleine Reise in die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein machen. In seiner Heimatgemeinde steht sein letztes großes Werk, ein lebensgroßer Wolf als Brunnenfigur. Mit erhobenem Kopf und leicht geöffnetem Maul stellt er ein stattliches Tier dar. Ein Gegenstück dazu ist der „Gestürzte“ im Gelände der Wasserburg Reipoltskirchen.

Nichts Heroisches am Krieg

Koch hat ebenfalls einen Wolf dargestellt, der aber gerade eine Böschung oder einen Abhang hinabstürzt. Durch mehrere Schüsse verwundet, ist er zusammengebrochen. Aus dem stolzen und kraftvollen Tier ist eine sterbende Kreatur geworden.

Von Reipoltskirchen aus sind es nur wenige Kilometer bis zu dem kleinen Dorf Cronenberg. Dort hängt in der Aussegnungshalle am Friedhof ein ungewöhnliches Denkmal für die Opfer des Krieges.

Koch, der den Krieg und seine Folgen selbst erlebt hat, hat eine eindrucksvolle Symbolik gewählt, die auf jede Heroisierung verzichtet. Die Bronzeplatte mit den Namen der Gefallenen ist in drei Stücke zerbrochen. Über sie jagen die vier apokalyptischen Reiter, die Krieg, Gewalt, Hunger und Tod in die Welt bringen. Aber sie sind kein göttliches Strafgericht, sondern die Folgen des menschlichen Handelns.

Termin

Die Ausstellung ist bis 7. April im Stadt- und Heimatmuseum Kusel zu sehen; geöffnet von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.
Das Museum bietet außerdem einen Stadtrundgang durch Kusel an, der auf Werke von Erich Koch aufmerksam macht. Er findet an diesem Samstag, 9. März, statt und beginnt um 14.30 Uhr auf dem Messeplatz (Trierer Straße 61). Anmeldung über das Museum unter Telefon 06381 8222 oder per E-Mail an museum@kusel.de.

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