Lauterecken
Entwicklungskonzept nimmt mit Bürgerworkshop an Fahrt auf
„Sie sind Experten für ihre Stadt. Wir haben den Blick von außen“, sagte Roland Kettering vom Planungsbüro BBP aus Kaiserslautern. „Wir wollen ihre Empfehlungen und Ideen in einen Plan überführen.“ Er und seine beiden Mitarbeiterinnen Valerie Barchet und Amelie Oberbeckmann hatten den Bürgerworkshop vorbereitet, zu dem etwa 15 Lauterecker am Donnerstagabend ins Veldenzschloss gekommen waren. Auf dem Weg zum Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (Isek) ist mit dieser zweiten Bürgerbeteiligung nach der Postkarten-Frageaktion im Sommer eine wichtige Hürde genommen.
Jetzt soll auf die Tube gedrückt werden, denn durch Corona ging wichtige Zeit verloren. Immerhin können die 4,8 Millionen Euro an Fördermitteln für Lauterecken nur bis 2029 beantragt werden. Im Sanierungsgebiet seien fast 60 Prozent der Gebäude vor 1918 erbaut worden, verdeutlichte Oberbeckmann den Bedarf für den Entwicklungsprozess. 80 Prozent Förderung von Land und Bund gibt es pro Maßnahme.
Wunschkonzert erlaubt
Welche das sein könnten, dazu gab es sowohl am Donnerstagabend an fünf Stationstischen als auch schon vorher via Postkarten einige Ideen: eine Strandbar am Glan, ein Café auf der alten Lautertalbrücke, Zeltmöglichkeit auf einer Wiese am Glan. Ein Mehrgenerationenhaus oder ein Sport- und Seminarzentrum im alten Lony-Gebäude oder eine Messehalle in Leichtbauweise brachte Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis ins Gespräch.
Zu groß gedacht? Her mit den Ideen, forderten die Planer. Alles Weitere sei dann ihr „Problem“. Kettering: „Ein Wunschkonzert gehört dazu.“
Auch Problembereiche
Vor allem die Aufwertung der Roseninsel war immer wieder Thema: etwa als Rückzugsort mit Meditationsecke mit Hängematten einerseits und Tischen zum Picknicken andererseits. Demgegenüber könnte, so einige Vorschläge, ein Aktiv-Erlebnis-Platz bei den Kleingärten für alle Altersgruppen entstehen.
Auch Problembereiche wurden genannt, zum Themenbereich Barrierefreiheit etwa der unbeleuchtete Weg zwischen Wohnmobilplatz und Kik. Sowie die Schwierigkeit, mit Rollator oder Rollstuhl vom Pro Seniore in die Innenstadt zu gelangen. Nicht nur Parkplätze für Behinderte fehlten in der Innenstadt, war der allgemeine Tenor. Vorschlag von Stefan Jacob, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Erlebnis Lauterecken: Wer in der Innenstadt arbeitet, sollte draußen parken, um den Kunden die Flächen für deren Fahrzeuge zur Verfügung stellen zu können.
Ideen der Planer
Auch die Stadtplaner sprachen schon Visionen aus: Barchet kann sich Lauterecken „so autofrei wie möglich“ vorstellen, als Stadt der kurzen Wege für Fußgänger – für die es aber zumindest am Hang Rastmöglichkeiten braucht. Kettering sagte, ihm fehle eine Verbindung vom Bahnhof in die Innenstadt, um Draisinen- oder Radfahrer sowie Wohnmobiltouristen herbeizulocken. Einen Erlebnisparcours durch Lauterecken anzubieten, lautete der Bürgervorschlag dazu.
Klar sei, erklärte der Stadtplaner: „Wir kriegen nicht wieder alle Geschäfte rein.“ Einkaufen mit Erlebnischarakter empfiehlt er den Lautereckern: den Markt weiter entwickeln, vielleicht einmal im Monat eine ganze Meile daraus machen. Der Veldenzplatz könnte auch im Sommer bespielt werden, um die Jugend zu binden, „die sonst wo anders hin fährt“. Und: „Der Tourismus kann für Lauterecken eine Rolle spielen.“
Quantität entscheidend
Viele Anregungen kamen trotz nur 15 Teilnehmern zusammen, die sich immer angeregter unterhielten, je später der Abend wurde. Etwa ein Drittel der Stadtratsmitglieder war gekommen. Steinhauer-Theis: „Es kann keiner meckern, wir hätten nicht gefragt.“ Viele tolle Ideen habe es auch schon bei der Postkartenaktion gegeben – die Qualität sei dabei wichtiger als die Quantität. „Es ist entscheidend, dass was kommt, statt wie viel“, sagt die Stadtbürgermeisterin. Weitere Ideen sollen bei einer Veranstaltung für Kinder- und Jugendliche am Samstag, 9. Oktober, hinzukommen.