Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Emma Wagner: Der Weg zur Nationalspielerin

Emma Wagner (vorne) hat die ersten Schritte bei DFB-Lehrgängen im Nationaltrikot gemacht. Jetzt soll die Länderspiel-Premiere fo
Emma Wagner (vorne) hat die ersten Schritte bei DFB-Lehrgängen im Nationaltrikot gemacht. Jetzt soll die Länderspiel-Premiere folgen.

Einmal das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen, die Nationalhymne kurz vor dem Spiel genießen: Ein Traum, den viele Nachwuchsfußballer träumen. Für Emma Wagner geht er in wenigen Tagen in Erfüllung. Dann steht sie gegen Dänemark zum ersten Mal für die deutsche U16-Nationalelf auf dem Platz.

Dieses Mal klappt es, ganz sicher. Daran zweifelt Emma Wagner keine Sekunde. Am 9. und 11. November stehen zwei Spiele gegen die dänische U16 auf dem Programm und sie ist nominiert. Eigentlich hätte sie ihr erstes Juniorinnen-Länderspiel schon vor gut einem Jahr gegen Belgien bestreiten sollen. Doch wegen Corona fiel das Spiel aus. Ihre Premiere im Nationaltrikot musste die Schülerin aus Schönenberg-Kübelberg erstmal aufschieben.

Jetzt langsam kommt das Kribbeln, spürt sie die Besonderheit der anstehenden Reise. Am Samstag geht es los. Mit dem Zug fährt die 15-Jährige einmal quer durch Deutschland nach Hamburg, dann weiter mit dem DFB-Tross im Bus nach Sønderborg, Dänemark. Eine Kleinstadt im Südosten des Landes. Alles für das große Ziel.

„Mutig sein und zeigen, was ich kann“

Ein bisschen aufgeregt ist Emma schon, gesteht sie. Aufgeschlossen, freundlich, aber zurückhaltend und bescheiden berichtet sie über ihren bisherigen Weg, ihre Ziele so kurz vor dem nächsten großen Schritt: „Ich will einfach mutig sein, nicht zu aufgeregt und im Spiel zeigen, was ich kann.“ Vier Kaderlehrgänge hat sie mit ihren Mitspielerinnen in diesem Jahr bereits absolviert, ihre Teamkolleginnen kennt sie teils schon lange, „alle sind sehr nett“. Mit manchen gibt es Freundschaften, „auch wenn sie ziemlich weit weg wohnen, zwei in Hamburg und eine Mitspielerin in Magdeburg“.

Vor zwei Jahren wurde sie, damals im Länderpokal für die Saarland-Auswahl spielend, zum ersten Mal von DFB-Scouts gesichtet. „Unsere Trainerin Margret Kratz hat mir dann davon erzählt. Das war das erste Mal, dass ich mich mit der Nationalmannschaft auseinandergesetzt habe“, berichtet Wagner. „Ich habe ja erstmal mit Fußball angefangen, weil es mir einfach Spaß gemacht hat.“ Acht Jahre alt war sie da, und musste ihre Eltern begleiten, wenn die ihren kleinen Bruder zum Training brachten. Bis sie sich schließlich selbst den Ball schnappte und von da an nicht mehr vom Sport wegzukriegen war. Gedanken an eine Fußballkarriere, die gab es da noch lange nicht. „Im Winter bin ich nach Homburg gewechselt, spiele jetzt dort in der C-Jugend mit den Jungs zusammen“, erzählt sie. Das mache Spaß, klappe richtig gut. Das Spielen in Jungenmannschaften kennt sie von klein auf. „Die Regionalliga ist die höchste Liga dieser Altersklasse“, erzählt Papa Thorsten Wagner stolz. Da werde auf hohem Niveau gespielt, Gegner sind auch die Teams des 1. FC Kaiserslautern oder von Mainz 05.

Voll akzeptiert in Jungenmannschaft

Blöde Sprüche, weil sie nur eines von zwei Mädchen im Team ist? Fehlanzeige. „Die gab es bisher nirgends, egal wo ich gespielt habe.“ Und auch Thorsten Wagner bestätigt, dass „sie die Mädchen, egal in welchem Verein wir bisher waren, unterstützt und gefördert haben, sie sind voll akzeptiert und gewollt“. Über den TuS Schönenberg führte Emmas Weg zum FV Kusel, nach Elversberg und zur TSG Kaiserslautern, wo sie auch die Sportklasse des Heinrich-Heine-Gymnasiums besucht. Jetzt also Regionalliga mit dem FC 08 Homburg.

Fußball bestimmt ihren Tagesablauf, ihren Kalender: „Ich stehe um 6 Uhr auf, komme abends zwischen 18.30 und 20 Uhr vom Training nach Hause, viermal in der Woche im Verein, zweimal in der Schule und dazu kommen die Lehrgänge.“ Der Aufwand und die Doppelbelastung machen ihr nichts aus. Die Noten sind „sehr gut“, erzählt der Papa.

Der Traum von Barcelona

Emma Wagner denkt Schritt für Schritt, weiß aber schon genau, was sie nach der Schule will: ein Medizinstudium, „am liebsten Orthopädie“, soll es werden. Aber erst einmal ist Fußball angesagt. Eine Karriere in der Frauen-Bundesliga, gar im Ausland, „ja, da habe ich schon mal dran gedacht“, erzählt die Stürmerin – und lächelt verschmitzt. „Wenn es mal so sein sollte, würde ich gerne bei Bayern spielen oder wenn sogar international bei Chelsea oder Barcelona. Da geht es ja auch um die Champions League.“ Das diesjährige Finale hat sie angeschaut, richtig guter Fußball sei da gespielt worden.

Überhaupt ist sie immer informiert, beispielsweise über ihre Lieblingsspielerin Giulia Gwinn. Die 22-jährige Bayernspielerin ist stark auf Instagram vertreten, Emma Wagner verfolgt ihren Weg. „Wie sie immer alles gibt, ihre Duelle gewinnt und jetzt auch nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückgekommen ist, das finde ich toll“, erzählt die Nachwuchsspielerin. Schnelligkeit, das offensive Eins-gegen-Eins sind Stärken, die Wagner auch an sich sieht. „Die Ballannahme unter Gegnerdruck muss ich noch verbessern.“ Sie nimmt dafür regelmäßig Extraschichten in Kauf, wie sie ohnehin keine Mehrarbeit scheut, auch ihre Physis zusätzlich zum Vereinstraining mit speziellen Übungen und Trainingsplänen verbessert, um sich den Wunsch nach einer Karriere als Fußballerin zu erfüllen. Dass sich das auszahlt, will sie bei den Länderspielen in wenigen Tagen beweisen.

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