Hinzweiler
Eiserne Hochzeit: Beim Kerweauftakt verliebt
„Wir haben uns am Anfang etwas Zeit gelassen, dafür hat’s danach umso länger gehalten“, sagt Hannelore Lang schmunzelnd. Der damals 19-jährige Horst, ein echter „Hinzweiler Bub“, hatte sich beim Kerweauftakt 1953, also vor 69 Jahren, sofort in die damals 17-Jährige „verguckt“, die mit ihrer Mutter und ihren Großeltern erst drei Jahre zuvor nach Hinzweiler ins Tal gezogen war. Vier Jahre später, am 16. November 1957, vor exakt 65 Jahren, heirateten die beiden.
Hannelore, die mit Mädchennamen Nehrig hieß, stammt aus Ostpreußen. Als Neunjährige flüchtete sie mit „Pferd und Wagen“ im Januar 1945 über das zugefrorene Frische Haff zunächst nach Danzig und von dort mit einem der letzten Züge aus der Stadt nach Schleswig-Holstein. 1950 kam sie schließlich mit ihrer Familie in die Pfalz, erinnert sich die Jubilarin an ihre Kindheit zurück.
Nach der Heirat wohnte das Ehepaar zunächst unter anderem in Morlautern, wo Horst Lang als Sattler und Polsterer in einem namhaften Unternehmen der Branche beschäftigt war. Beruflich war Lang sehr erfolgreich, legte seine Meisterprüfung ab und avancierte später sogar zum Betriebsleiter. „Unser Haus in Hinzweiler ist ein echtes Wochenendhaus“, sagt Hannelore Lang in klarem Hochdeutsch mit einem leicht rollenden „R“ und Horst Lang ergänzt auf Pfälzisch, dass man Anfang der 1960er nur an den Wochenenden am eigenen Haus bauen konnte. „Freitags nach Feierabend sind wir nach Hinzweiler zu unserer Baustelle gefahren und sonntags am Abend wieder zurück“, erzählt er. „Mit Hilfe eines Freundes, der sich bei Arbeiten auf dem Bau auskannte, haben wir alles selbst gemacht – angefangen von der Baugrube, die wir mit dem Spaten ausgehoben haben, bis hin zum Decken des Dachs. Nur für das Elektrische haben wir uns einen Fachmann geholt.“
Obstanbau und Musik
Noch bis vor kurzem haben die beiden überaus rüstigen Jubilare den großen Garten hinter dem Haus bewirtschaftet: „Obst, Gemüse, Kartoffeln, alles haben wir angebaut und waren dahingehend Selbstversorger.“ Ohnehin war der Obstanbau eines der Steckenpferde von Horst Lang, er bewirtschaftete auf Hinzweilerer Gemarkung eine Obstanlage, züchtete und veredelte selbst und war jahrelang im Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Hinzweiler tätig.
Sein zweites großes Steckenpferd war und ist der Musikverein des Dorfes, der 1880 gegründet wurde und einer der ältesten Vereine seiner Art in der Nordpfalz ist. Horst Lang war von 1971 bis 1986 erster Vorsitzender des Musikvereins, machte sich vor allem durch die Nachwuchsarbeit einen Namen und wurde dafür sogar vom Landesmusikverband ausgezeichnet. „Ich hab in all den Jahren um die 80 Kinder ausgebildet. Zu Spitzenzeiten hatten wir in Hinzweiler 46 aktive Musiker, die aus dem ganzen Tal und darüber hinaus zu uns kamen“, berichtet Lang nicht ohne Stolz und spricht auch heute noch von „seinem Verein“. Hannelore Lang engagierte sich ebenfalls im Vereinsleben des Dorfes, war für zwei Wahlperioden Vorsitzende der Landfrauen.
Gefeiert wird im Sportheim
Erst in jüngster Zeit treten die beiden etwas kürzer. Wo früher hinterm Haus Kartoffeln wuchsen, ist heute Rasen eingesät. Seine Obstanlage hat er abgegeben und auch Holz macht Horst Lang nicht mehr, dafür kümmern sich die beiden immer noch selbst um ihren Haushalt. Auch sein Auto will Lang nicht verkaufen. Nach dem Rechten schaut Tochter Heike Bollenbach, die im Nachbardorf wohnt. Deren Familie führt übrigens auch die musikalische Tradition fort, Bollenbach selbst ist seit mittlerweile 50 Jahren im Musikverein Hinzweiler aktiv.
Gefeiert wird der 65. Hochzeitstag am Mittwoch im Sportheim gemeinsam mit den vier Kindern, acht Enkeln und fünf Urenkeln, die im gesamten südwestdeutschen Raum verteilt leben. Auch die Nachbarn und Freunde sind zu dem seltenen Jubiläum des Paares eingeladen.