Kreis Kusel Einzigartiges Erlebnis für Einheimische wie Gäste

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ALTENGLAN. „Is das schunn fuffzich Johr her?“, fragen nicht wenige alteingesessene Mühlbacher, die am 11. August 1966 – damals wie heute ein Donnerstag – dabei waren, als die japanische Fußballnationalmannschaft auf dem Rasen des TuS Mühlbach gegen eine Kuseler Kreisauswahl antrat. Kein Zweifel: Die 1:9-Niederlage der Einheimischen würde heute als respektables Ergebnis gelten, vor 50 Jahren wurde sie als Unter-die-Räder-Kommen gegen die Fußball-Exoten gewertet.

Von dem einzigartigen Ereignis berichtete die RHEINPFALZ im August 1966 ausführlich in mehreren Ausgaben. Außerdem widmete der damalige Westrichkalender der Partie mehrere Seiten, verfasst vom Mühlbacher Chronisten Rudi Latterner. Ludwig Gabel, der langjährige erste Vorsitzende des TuS Mühlbach, hatte den Coup in die Wege geleitet und organisiert. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Gustav Schäffner und dem Schatzmeister des Leichtathletikverbandes Pfalz, Werner Bach (Diedelkopf), gelang es ihm am 5. August, die in der Sportschule Saarbrücken weilende japanische Fußball-Nationalmannschaft für ein Spiel gegen eine Kuseler Kreisauswahl zur Einweihung des neuen Mühlbacher Rasens zu verpflichten. Nebenbei: Die Betreuung der Japaner in Saarbrücken erfolgte durch den saarländischen Landestrainer Josef „Jupp“ Derwall, der 1978 Bundestrainer wurde. Die sensationelle Neuigkeit verbreitete sich rasch und wurde zunächst skeptisch aufgenommen – denn rund um den Platz war noch einiges zu tun. Kurzfristig wurde beim TuS eine Mitgliederversammlung einberufen, um die letzten Zweifler im Verein zu überzeugen. Es blieb dann nicht mehr viel Zeit für die letzten Arbeiten an Aschenbahn und Umzäunung. Doch es fanden sich ausreichend Freiwillige, um Anlage und Platz auf den Punkt herzurichten: Am Spieltag um 15.40 Uhr war das Werk mit der Platzmarkierung vollendet. Einheimische Jugendliche bereiteten den Gästen aus Fernost bei deren Eintreffen – nach einem Besuch der Burg Lichtenberg – in Spalierform mit 1500 japanisch-deutschen Fähnchen einen begeisternden und herzlichen Empfang. Gegen 17 Uhr, eine Stunde vor Spielbeginn, kamen die ersten Zuschauer, schnell füllten sich alle Haupt- und Nebenstraßen. Höfe und Felder dienten als Parkplätze. Der Altenglaner Polizei, unterstützt durch die Kollegen in Kusel, und der Besonnenheit der Zuschauer war es zu verdanken, dass es nicht zum Chaos kam: Rund 3000 Besucher hatten sich bis zum Anpfiff rund um den Sportplatz am Glan verteilt. Die Partie wurde zur einseitigen Angelegenheit. Die Kreisauswahl unterlag am Ende mit 1:9. Heute würde man vermutlich sagen, die Gastgeber hätten sich gegen den haushohen Favoriten achtbar geschlagen und das Ergebnis im Rahmen gehalten. Vor 50 Jahren fiel die Bewertung anders aus, in der Presse hieß es beispielsweise: „Kreisauswahl wurde überrollt“ und „Gegen diese nahezu perfekten Fußballer wirkte die Auswahl schwerfällig, gehemmt und unfertig“. Der Mühlbacher Dieter Nicklas, einer der beiden Torhüter der Auswahl und damals 19 Jahre alt, erinnert sich: „Wir haben alles gegeben, aber je länger das Spiel dauerte, umso mehr ließen unsere Kräfte nach, und die Überlegenheit wurde noch deutlicher.“ Zur Halbzeit war es Ernst Molter im Kasten der Kreisauswahl zu verdanken, dass nur vier Gegentore gefallen waren. Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang Ludwig Brückner per Kopf der Ehrentreffer zum 1:4. Nach dem Wechsel hatte die Auswahl nach der Hereinnahme von Max Pöllmann starke 20 Minuten, ein weiterer Torerfolg blieb jedoch aus. Erst in der 75. Minute fiel der nächste Treffer der Japaner zum 5:1, danach folgten noch vier weitere. Überragender Spieler auf dem Platz war der 22-jährige Mittelstürmer Kunishige Kamamoto, der viermal traf – später wurde Kamamoto je siebenmal Japans Fußballer des Jahres und Torschützenkönig der Japan Soccer League. Den Kader der Kreisauswahl bildeten Ernst Molter (Gries), Günther Lang (Ohmbach), Karl Englert, Max Pöllmann (beide Waldmohr), Dieter Müller, Helmut Müller (beide Brücken), Karl Arnold, Dieter Nicklas, Herbert Giertzsch (alle Mühlbach), Peter Bottelberger (Kusel), Ludwig Brückner, Heini Höring (beide Rammelsbach), Werner Aulenbacher (Theisbergstegen), Dieter Wolff (Jettenbach), Klaus Leibrock und Ludwig Löhfelm (beide Schönenberg). Betreut wurde das Team vom damaligen Schiedsrichterobmann August Groß (Mühlbach). Zum Abschluss des Tages gab es am Abend ein Festbankett in der gut besuchten Altenglaner Turn- und Festhalle. Die Veranstaltung stand im Zeichen der deutsch-japanischen Freundschaft. Nur wenige Tage nach dem WM-Finale von Wembley, in dem die deutsche Nationalmannschaft mit 2:4 nach Verlängerung gegen England verloren hatte, verursachte der japanischen Delegationsleiters Naganuma bei vielen Gästen in der Altenglaner Halle Gänsehaut, als er sagte: „Am 30. Juli waren wir als Zuschauer in London beim Endspiel um die Weltmeisterschaft dabei und hofften auf einen deutschen Sieg. Unser Wunsch war so stark, wie es nur ein Bruder seinem Bruder wünschen könnte.“ Er zeigte sich begeistert vom herzlichen Empfang in Mühlbach und merkte an, dass sein Team im kleinsten Dorf, in dem es je gespielt habe, mit den meisten Fähnchen überrascht worden sei. Landrat Gustav Adolf Held sprach von einem „Tag der Superlative für die ganze Gemeinde“. In der RHEINPFALZ hieß es damals: „Aus der anfänglichen Sympathie gegenüber den japanischen Gästen, die sich beim Einlaufen gegenüber dem Publikum verbeugten, wurde eine Freundschaft, die sich während des Festbanketts zur Herzlichkeit steigerte.“ Als Erinnerung an das außergewöhnliche Ereignis haben ein großer Wimpel der japanischen Gäste sowie einige Schnappschüsse einen Ehrenplatz im Mühlbacher Sportheim. Dieter Nicklas hat diesen Höhepunkt seiner Karriere nie vergessen – womit er sicherlich nicht der Einzige ist.

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