Wandertipp RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Tour für sportliche Wanderer: Unterwegs auf dem Preußensteig bei Kusel

Los geht’s an der Burg Lichtenberg.
Los geht’s an der Burg Lichtenberg.

Auf 28 Kilometern geht es auf dem Preußensteig durch das Kuseler Land - vorbei an uralten Zeitzeugen, Blumenwiesen und der Burg Lichtenberg.

Wandern – Das ist doch nur was für alte Leute. So oder so ähnlich dürfte die Einstellung vieler junger Menschen sein, meine eingeschlossen. Aber ist Wandern durch die Natur tatsächlich so langweilig? Um das herauszufinden, wage ich ein begehbares Experiment und wandere auf den schönsten Wegen im Kuseler Land.

Meine Reise rund um Kusel beginnt mit dem Preußensteig, der härtesten Tour im Umkreis, wie die vielen Höhenmeter vermuten lassen. Ein wenig mulmig ist mir schon, als ich den langen Weg von der Burg Lichtenberg hinab ins Kuseler Tal antrete, hinab nach Diedelkopf, ins einzige Stückchen Zivilisation, das mir in den nächsten Stunden auf den vor mir liegenden 28 Kilometern begegnen wird. Ich weiß genau, dass jeder einzelne Meter, jeder Zentimeter, den ich nun tiefer ins Tal schreite, beim Aufstieg in doppelter Härte auf mich warten wird. An die bevorstehenden Preußischen Berge will ich noch gar nicht denken.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Outdooractive

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Zur Serie "Mit Michelle unterwegs"

Dieser Text erschien im Rahmen der Wanderserie "Mit Michelle unterwegs". Unsere RHEINPFALZ-Redakteurin Michelle Pfeifer war in ihrer Heimat unterwegs und hat sich die schönsten Wege im Kuseler Land angeschaut.

Steinerne Zeitzeugen

Immer weiter dem schwarzen P mit geschwungener Kurve folgend, treffe ich im nahe gelegenen Holzbachtal schließlich auf die ersten Grenzsteine. Die Beschriftung der uralten Zeitzeugen verdeutlicht, welche Grenze markiert wurde. KP steht für das Königreich Preußen, KB für das Königreich Bayern. Von Wanderführerin Petra Rübel lasse ich mir später ganz genau erklären, wie diese Grenze entstand. Demnach erhielt der Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Ernst I., zum Lohn für seine Dienste während den Kämpfen gegen Napoleon den Landstrich um St. Wendel und Baumholder, der 1819 in „Fürstentum Lichtenberg“ umbenannt wurde. Im Jahr 1834 verkaufte der Herzog das Gebiet an die Preußen, die daraufhin jene Grenzsteine errichteten, denen ich nun begegne. Einige liegen ein bisschen versteckt abseits des Weges, andere ragen geradezu aus dem dicht bewachsenen Waldstück heraus, alle gut erhalten mit fortlaufenden Nummern.

Historischer Grenzverlauf

Zwischen den Steinen und einem niedergetrampelten Zaun, leitet mich ein schmaler, steiler Waldpfad entlang des historischen Grenzverlaufs. Ich stelle mir vor, wie es damals gewesen sein muss, wie es hier aussah. Damals, als die steinerne Grenze die ehemaligen preußischen Gemeinden Reichweiler, Pfeffelbach, Ruthweiler und Thallichtenberg vom Rest der heutigen Verbandsgemeinde Kusel auf bayerischer Seite trennte. „Das war ein mächtiger Einschnitt für die Leute“, bestätigt Petra Rübel. „Plötzlich gab es da diese Grenze.“

Bucklige Landschaft

Die Streckenführung macht dem buckligen Kuseler Land alle Ehre. Immer wieder geht es hoch und runter, über schmale, wurzelige Waldpfade, über kurvige Feldwege und breite, schöne Wiesen. Ich kann den Frühling förmlich riechen. Das gemähte Gras. Die vielen leuchtenden Butterblumen, die den Weg gelb färben. Der duftende Raps, der sich im Winde wiegt.

Kurz hinter Pfeffelbach erreiche ich schließlich ein weites, kesselförmiges Wiesental. Umgeben von dichten Bäumen und Wäldern, ist weit und breit nichts als kilometerweite Blumenwiese zu sehen. Diese herrliche Ruhe. Diese Unberührtheit. Unvorstellbar, dass ich mich zwischen zwei Ortschaften befinde und die Zivilisation eigentlich gar nicht so weit weg ist.

Als ich das zauberhafte Wiesental verlasse und den Fritz-Wunderlich-Weg kreuze, türmen sich allmählich die Preußischen Berge vor mir auf. 585 Meter ist er hoch, der Herzerberg. Und damit die höchste Erhebung der gesamten Umgebung.

Während des Aufstiegs bleibe ich immer wieder stehen, um den herrlichen Ausblick hinab ins Tal zu genießen. Friedlich schlummert das Dorf Pfeffelbach am Fuße der Preußischen Berge. Im vergangenen Jahr besuchte die Herzogin von York, Sarah Ferguson, die Gemeinde, um die ehemalige Grabstätte der Herzogin Luise von Sachsen-Coburg-Saalfeld aufzusuchen, die Urmutter der britischen Königsfamilie.

Atemberaubender Blick

Majestätisch baut sich schließlich auch die atemberaubende Landschaft des Kuseler Landes vor mir auf, als ich den Gipfel und somit die Drachenflugrampe des Herzerbergs endlich erreiche. Sogleich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Warum bin ich noch nie hier gewesen? Wie ein verschlafenes Märchenschloss wacht zur Linken die größte von Wald umgebene Burganlage der Pfalz, die Burg Lichtenberg, über die im Tal liegenden Ortschaften. Gewaltig erscheint auch der Pfeffelbacher Steinbruch, der sich quer über die gesamte Bildfläche erstreckt. Beinahe kann ich die gesamte zurückgelegte Strecke überblicken. Wahnsinn, dass ich schon so weit gelaufen bin.

Berg für Drachenflieger

Ich hätte nicht gedacht, dass mir auf dem Gipfel des Herzerbergs der einzige Mensch auf meiner Wanderung begegnet. Michael Demerath aus Hüffler baut gerade seinen großen, grünen Flugdrachen auf, als ich mit ihm ins Gespräch komme. Seit 20 Jahren kommt der Hobby-Drachenflieger vom Drachenflugclub Saar regelmäßig auf den Herzerberg, um sich die Rampe hinunterzustürzen und über das bucklige Musikantenland zu fliegen. „Je nachdem wie die Flugbedingungen sind, bin ich in drei Minuten unten oder stundenlang in der Luft“, erklärt der Flieger, bevor er sich mit dem Ungetüm in Bewegung setzt, auf die hölzerne Rampe zusteuert, losrennt bis er abhebt und ihn die ausladenden Flügel über das herrliche Panorama tragen. Vielleicht kommen wir ja gleichzeitig an, der grüne Drachen und ich.

Mit dem Verlassen des dichten Geästs der Preußischen Berge rückt mein Ziel, die Burg Lichtenberg, langsam näher. Zwar ist vom grünen Drachen nichts zu sehen, aber allein der Fernblick entlohnt für jegliche Mühe. Der Preußensteig lebt von seinen einmaligen, atemberaubenden Ausblicken, von seiner Abgeschiedenheit, seiner Ruhe und Idylle. Aber auch von seiner Historie, den vielen Grenzsteinen, die alle Zeugen einer bewegenden Zeit sind.

Neue Perspektive

Als ich mein steinernes Ziel aus dem 13. Jahrhundert schließlich erreiche und meinen 28 Kilometer langen Grenzgang beende, bin ich fast schon ein wenig wehmütig gestimmt. Es ist Wahnsinn, aus welcher neuen Perspektive ich meine Heimat heute erleben durfte.

Sieben solcher Wanderungen stehen mir noch bevor. Das bedeutet siebenmal viele Kilometer laufen. Aber auch siebenmal entdecken, erkunden und erleben.

Markierungen zeigen den Weg, Orientierung ist aber auch per Smartphone möglich.
Markierungen zeigen den Weg, Orientierung ist aber auch per Smartphone möglich.
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