Kreis Kusel Eine Staffelei gibt es bei ihm nicht

Einen Einblick in seine künstlerische Arbeit gab Gottfried Bräunling am Wochenende Besuchern in Relsberg. In seinem „offenen Atelier“ erfuhren sie etwas über seine Techniken und die dabei entstandenen Werke. Gleichzeitig fand im Dorfgemeinschaftshaus eine kleine Ausstellung statt.
Seit knapp zwei Jahren wohnt Gottfried Bräunling in Relsberg, wo er das ehemalige Schulhaus gemietet hat. Die drei Räume im Erdgeschoss hat er inzwischen für seine unterschiedlichen Arbeiten eingerichtet. Betritt man das ehemalige Klassenzimmer, einen großen und hellen Saal, erlebt man eine erste Überraschung. Bräunling nennt es sein „Mal-Atelier“, aber es ist gleichzeitig ein kleines Museum. „Der Raum, in dem ich arbeite, muss Atmosphäre haben“, erklärt Bräunling. Deshalb sind hier viele Kunstwerke ausgestellt, die er von seinen Reisen aus Asien mitgebracht hat: zwei überlebensgroße Tempelwächter aus Indonesien, Bronzen, Steinfiguren und Stabpuppen. Eine Staffelei sucht man hier vergeblich. „Diese Art von Malen habe ich von Anfang an gehasst“, sagt der Künstler. Seine Bilder malt er entweder auf dem Boden oder an der Wand. Dabei entstehen viele unterschiedliche Werke, die alle sehr farbenfroh sind und die Fantasie des Betrachters anregen. Die Formate wechseln, neben sehr großen Gemälden gibt es auch kleine aus Tusche und Acrylfarben. Nicht alle Bilder sind viereckig, einige haben auch die Form eines griechischen Kreuzes. Aber nicht die christliche Symbolik war für den Maler wichtig, sondern die vielfältigen Assoziationen zu dem Begriff Kreuz, zum Beispiel der Kreuzweg oder das Kreuz, das jemand tragen muss. Dreht man die Form um 45 Grad, wird es zum Andreaskreuz, ein Zeichen, das Aufmerksamkeit wecken will. Der angrenzende Raum dient als Druckwerkstatt. Hier entstehen Siebdrucke, zum Beispiel eine Serie über die Liebe. Zu den vielfältigen Aspekten dieses Themas gehört nicht nur ein Liebespaar, sondern auch der Voyeur oder der in sein Spiegelbild verliebte Narziss. Ein zweiter Arbeitsplatz ist für Radierungen vorgesehen. Auch in diesem Raum kann man die Exponate aus anderen Kulturen bewundern, zwei große Drachen aus Indonesien oder eine Sammlung afrikanischer Masken. Ein dritter angrenzender Raum soll später als Keramikwerkstatt dienen. Zurzeit werden hier verschiedene Entwürfe wie die Vorarbeiten zu Bronzeskulpturen aufbewahrt. Neben der Tür der Druckwerkstatt steht ein auffälliger Stahlschnitt. Eine waagrechte Stange endet in einem großen eisernen Kreis, der durch einen Stab unterteilt ist. Daran baumelt ein Mensch wie ein Faultier. „So habe ich mir das Leben immer gewünscht“, kommentiert Bräunling dieses Werk. Dass das aber nicht ganz ernst gemeint ist, sieht man an seinen zahlreichen Werken, die er nur zu einem kleinen Teil ausgestellt hat. Einige Stahlschnitte und Skulpturen aus Holz oder Stein stehen in dem großen Hof vor dem Haus. Sie begleiten den Besucher zum gegenüberliegenden Dorfgemeinschaftshaus, wo eine kleine Ausstellung weitere Werke zeigt. Eine Besonderheit sind die Bilder, auf denen Holzstücke verschiedener Größe, Form und Farbe zwischen zwei Metallplatten zusammengefügt sind. Vier kleinere Bronzefiguren verraten den Einfluss der chinesischen Kunst, die Bräunling bei seinen Aufenthalten in China kennengelernt hat. Als „Reiseimpressionen“ bezeichnet er kleinformatige abstrakte und farbenfrohe Bilder. Aber besonders auffallend sind die vier großformatigen Bilder, auf denen stilisierte Körper und Gesichter immer wieder neu arrangiert sind. Pfeile scheinen eine Richtung vorzugeben, doch der dazugehörige Weg ist dem Betrachter überlassen. Ein sehr düsteres Gemälde nennt der Künstler „Hexensabbat“, während ein Bild mit Frauenfiguren auf hellen Hintergrund eine „kleine Liebesgeschichte“ erzählt. Eine hohe und schlanke Holzskulptur fasst viele von Bräunlings Motiven zusammen: stilisierte Gesichter und Körper, die zusammengesetzt sind und dadurch eine Einheit bilden. Bräunling will auch künftig Interessenten durch sein Relsberger Atelier führen. Die nächsten zwei Monate verbringt er in China, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist, aber ab Mitte Juli freut er sich über Besucher.