Waldmohr RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Bücherei zieht um

Helene Lustig (links) und Regina Neuheisel-Enders in der freundlich gestalteten Sitzecke.
Helene Lustig (links) und Regina Neuheisel-Enders in der freundlich gestalteten Sitzecke.

Helene Lustig und Regina Neuheisel-Enders wuppen den Umzug der Waldmohrer Bücherei vom Bürgerhaus ins W4. Dabei stoßen sie auf so einige Leichen und kommen bald ganz modern daher: Ausgeliehen werden kann künftig am Selbstbedienungsterminal.

Schon drücken sich Menschen die Nase an den Fensterscheiben platt – doch bis die neue Bücherei im W4 eröffnet, wird es noch eine Weile dauern. Frühestens im Dezember. Schließlich ist viel zu tun.

Jeden der 12.000 Artikel, die in der alten Bücherei im Bürgerhaus standen, nehmen Helen Lustig und Regine Neuheisel-Enders in die Hand. Obwohl seit Jahren der Bestand digital erfasst wird, sind den beiden bei der Sichtung beziehungsweise dem Ausmisten einige verborgene Schmöker unter gekommen. „Es gab sehr viel zu lachen für uns, es gab tolle Sachen, von denen wir überrascht wurden“, berichten die beiden quasi gleichzeitig – und lachen direkt wieder los. Bei so manchem dubiosen Kochbuch sei ihr ein „Donnerknispel, wo kommst Du denn her, Dich hab ich ja noch nie gesehen“ entfahren, berichtet Regina Neuheisel-Enders. Immerhin arbeitet sie seit 2004 in der Waldmohrer Bücherei.

Bestand aktualisiert

Wie es sich in einer Bibliothek gehört, wird beim Umzug nach Genre und Alphabet vorgegangen: In Etappen werden die literarischen Gegenstände vom alten an den neuen Standort gebracht. „Alles auf einmal geht nicht, da würden wir uns wegen den Kisten hier nicht mehr bewegen können“, erklärt Helene Lustig. Die 34-Jährige lebt in Dunzweiler und leitet seit 2014 die Bücherei. Nach Genre und dann nach alphabetischer Reihenfolge werden die Bücher sicher in Transportkisten gepackt. Mitarbeiter des Bauhofs haben sie ins W4 gebracht. Dort räumen die beiden Fachkräfte neu ein – nicht alles. „Wir haben den Bestand von 12.000 auf 8.500 Artikeln aktualisiert“, sagt Lustig. „Nicht unbedingt verkleinert“, betont sie.

Dreißig Jahre war die Bücherei im Bürgerhaus untergebracht – zwar kam immer wieder neue Lektüre hinzu, doch hatte sich sonst kaum etwas verändert. „Ach, hier sieht es ja noch immer so aus, wie ich es von meiner Kindheit her kenne. Jetzt komme ich mit meinen Kindern und hier hat sich nichts verändert“, habe so manche Kundin gesagt, berichten die beiden.

Regale zum Rollen

Nun wird alles neu: Die gemütliche Ecke lockt mit den beiden hellblauen Ohrensesseln. In diesen sitzend haben Lustig und Neuheisel-Enders schon so manchen Blick über ihr neues Reich schweifen lassen – und sich Gedanken übers weitere Vorgehen gemacht. „Das ist schon sehr, sehr schön hier und was ganz anderes als bisher“, sagt Helene Lustig. „Das Gesamtpaket hier passt, darauf freuen wir uns generell, es kann sich endlich mal jemand hier aufhalten und verweilen.“ Zentral in der Stadt verwurzelt könne die Bücherei auch noch mehr wahrgenommen werden.

Erste Bücherei mit Selbstbedienungsterminal.
Erste Bücherei mit Selbstbedienungsterminal.

Die Einrichtung ist modern und die Regale sind mit einer besonderen Funktion ausgestattet: Sie können gerollt werden, um beispielsweise Platz zu schaffen für eine Veranstaltung. „So können wir mal eine kleine Lesung mit Bestuhlung oder ähnliches anbieten und die Sicht ist nicht versperrt“, erklärt Helene Lustig.

Mit Diebstahlsicherung

Das ganz besondere ist jedoch das Selbstbedienungsterminal zur Bücherausleihe: Die Gemeindebibliothek wird die erste in der Region sein, die das anbietet und dadurch auch erweiterte Öffnungszeiten anbieten kann. Jedes Buch, jede CD, und jedes Magazin und Gesellschaftsspiel, das ausgeliehen werden kann, wird mit speziellen Transponder-Etiketten ausgestattet, in denen auch eine Diebstahlsicherung integriert ist. Ähnlich wie im Kaufhaus löst diese aus, sobald jemand ohne korrekte Verbuchung durch die Durchgangsleser läuft.

Jedes Buch bekommt ein Transponder-Etikett für das Selbstbedienungsterminal, das Regina Neuheisel-Enders hier zeigt.
Jedes Buch bekommt ein Transponder-Etikett für das Selbstbedienungsterminal, das Regina Neuheisel-Enders hier zeigt.

An den Ausleihpreisen wird sich erst mal nichts ändern. Die Jahresgebühr beträgt sechs Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sind befreit. Bücher und elektronische Medien können jeweils für drei Wochen ausgeliehen werden. Auch gibt es ein Online-Angebot mit E-Books, Computerspielen und Hörbüchern.

Auf Leserwünsche reagieren

Was letztlich in den Bestand kommt, darüber haben Lustig und ihre 65-jährige Kollegin die alleinige Entscheidungsherrschaft, wobei sie sich an Bestsellerlisten orientieren und bestehende Buchreihen fortsetzen. Natürlich entspreche nicht alles ihrem eigenen Geschmack, aber sehr vieles haben sie privat gelesen und sprechen gerne Empfehlungen aus. „Ich bin die Mord- und Totschlag-Gruppe“, sagt Neuheisel-Enders lachend, „wobei ich auch mal eine Schnulze zum Runterkommen brauche.“ Von ihrer Chefin kommen derzeit mehr die Kinderbücher. Und auf Leserwünsche werde selbstverständlich auch reagiert.

Bei der Bestellung neuer Bücher geht Büchereileiterin Helene Lustig auch auf Leserwünsche ein.
Bei der Bestellung neuer Bücher geht Büchereileiterin Helene Lustig auch auf Leserwünsche ein.
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