Altenglan / Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Tierischer Kinostar: Hündin Saru zeigt im Tribute-von-Panem-Film Zähne

Ein eingespieltes Team: Hundetrainerin Lena Zimmer mit ihrer Malinois-Hündin Saru.
Ein eingespieltes Team: Hundetrainerin Lena Zimmer mit ihrer Malinois-Hündin Saru.

Die Malinois-Hündin Saru kann auf Kommando die Zähne fletschen. Dieses Kunststück hat ihr eine Rolle im neuesten Tribute-von-Panem-Film eingebracht: Der Schulhund aus der Westpfalz, der sogar rechnen kann, ist in dem Blockbuster zu sehen – in einem schreckgeladenen Moment.

Wer sich dieser Tage im Kino den Film „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“ anschaut, wird nicht lange auf den ersten echten Jump-Scare warten müssen, wie Cineasten einen heftigen Schreckmoment bezeichnen. Bereits nach wenigen Filmminuten taucht fast aus dem Nichts ein wolfsähnlicher Hund auf, der Zähne fletschend und mit Schaum vorm Maul die Leinwand füllt. Diesen durchaus für ein mehr oder weniger wohliges Schaudern sorgenden Anblick im Sinn, wird man kaum vermuten und noch weniger glauben können, dass es sich bei dem tierischen Hollywood-Star um eine gerade einmal drei Jahre alte, überaus süße und verspielte Hündin handelt. Die sogar „im echten Leben“ als Schulhund an einer Grundschule ABC-Schützen den rechten Umgang mit Haustieren vermittelt. Und noch dazu in der Westpfalz heimisch ist.

Sakari Saru oder kurz Saru ist der Name der Malinois-Hündin. Die Rasse ist eine Varietät des Belgischen Schäferhundes. Ihre Besitzerin ist Lena Zimmer aus Patersbach, in Altenglan bekannt als Vorsitzende des Schäferhunde-Vereins und als Hundetrainerin. Ihre Vierbeiner, neben Saru gehört Border Collie Anni zum tierischen Team der 31-Jährigen, waren schon wiederholt in Promotion-Clips und im Fernsehen zu sehen – allerdings noch nie in einer Produktion, die in Kinos auf der ganzen Welt aufgeführt wird.

Stundenlang in Berlin geprobt

Rund zehn Sekunden dauert die Szene mit Saru in dem Science-Fiction-Film, der am 16. November in die deutschen Kinos kam. Die Dreharbeiten dazu nahmen jedoch fast zwei Tage ein, berichtet Lena Zimmer, die als Lehrerin an einer Grundschule in Annweiler am Trifels arbeitet, wo sie mit ihren Hunden die Woche über auch wohnt.

„Obwohl der Film eine amerikanische Produktion ist, fand ein großer Teil der Dreharbeiten mitten in Berlin statt. Für die Szene mit Saru waren im Oktober vergangenen Jahres zwei Tage eingeplant, von denen wir einen ganzen Tag am Set verbrachten und die Szene gefühlt Stunden lang probten“, erzählt Zimmer. Das Besondere an der Filmszene und der eigentliche Grund, warum die in der Westpfalz aufgewachsene Hündin in „Die Tribute von Panem“ zu sehen ist: Saru kann auf Kommando die Zähne fletschen – dann verwandelt sich die Hündin optisch in ein ziemlich furchteinflößendes Raubtier, dem man nicht zu nahe kommen will.

Trick zufällig beim Föhnen entstanden

Beim Einstudieren dieser Fähigkeit spielte der Zufall eine nicht unerhebliche Rolle, wie Zimmer schmunzelnd berichtet: „Als mir Saru einmal beim Föhnen meiner Haare neugierig zugeschaut hat, habe ich spaßeshalber den Föhn auf sie gerichtet, und da hat sie spielerisch ihre Zähne gezeigt.“ Daraus hat Zimmer über einen kleinen Umweg und mit unendlich viel Geduld eine spezielle Geste entwickelt, auf die die Schäferhündin nun mit Zähnefletschen reagiert.

Es ist eines von zig „Kunststücken“, welche die beiden Vierbeiner der Hundetrainerin auf Kommando beherrschen – neben der „Arbeit“ als Schultherapiehunde. Einige Beispiele: Saru und Anni packen Klamotten und anschließend sich selbst in einen Koffer. Sie hängen Wäsche auf und wieder ab. Die Hunde können alles Erdenkliche apportieren und sogar rechnen: Sie werfen zwei Würfel aus Kunststoff und zählen die Augen zusammen.

Schaum vorm Maul ist vom Computer animiert

Sich auf dem Bauch kriechend anschleichen war die zweite Fähigkeit, die Saru beim Filmdreh auf Kommando zeigen und ungezählte Male wiederholen musste. Nach den Arbeiten am Set wurde Saru im Studio in einem speziellen Raum von mehreren Dutzend Kameras gescannt, um das Tier bei Bedarf computertechnisch animieren zu können. „Das war aber nicht notwendig, da Saru ihre Rolle perfekt gemeistert hat“, berichtet ihre Halterin stolz.

Künstlich animiert wurde lediglich der Speichel, der Saru im Film als Schaum von den Lefzen tropft – denn ihr Zähnefletschen hat ja nichts aggressives. „Das hatten wir zunächst mit Eischnee versucht, aber nach Stunden am Set schließlich aufgegeben“, sagt Zimmer.

Spitzname schon als Welpe: Miss Hollywood

Zu ihrem Auftritt kam Saru übrigens über eine Filmhunde-Agentur. Die vermittelt Hunde mit besonderen Fähigkeiten: der Einsatzbereich reicht von Clips für kurze Werbefilme bis hin zu Fernseh- und Filmaufnahmen – wobei eine Rolle in einem abendfüllenden Kinofilm US-amerikanischer Produktion für eine deutsche Agentur doch etwas besonderes darstellt.

Tierisch stolz auf Saru ist man allerdings nicht nur bei Zimmers in Patersbach und der Agentur in Dortmund, sondern auch beim Malinois-Züchter in Mühlethal in der Schweiz. „Als ich Saru dort als Welpe abgeholt habe, hatte ich davon berichtet, dass ich schon einmal einen Filmhund hatte und Saru je nach Eignung vielleicht auch bei der Agentur anmelde. Daraufhin gab die Züchterin Saru spontan den Spitznamen Miss Hollywood. Was für ein Zufall!“, sagt Lena Zimmer schmunzelnd.

Mit Hündin Saru wird Grundschülern der rechte Umgang mit Haustieren vermittelt. Auf Kommando kann Saru auch ein anderes Gesicht
Mit Hündin Saru wird Grundschülern der rechte Umgang mit Haustieren vermittelt. Auf Kommando kann Saru auch ein anderes Gesicht zeigen, was dem Vierbeiner nun eine Rolle in einem Hollywood-Blockbuster eingebracht hat.
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