Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Schlückchen Heimat in der Fremde: Gut geplante Berlinreise mit Kuseler Blickwinkel

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„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, lautet ein berühmtes Zitat. So geht’s auch Redakteur Benjamin Ginkel, der ein paar Tage in Berlin unterwegs war ...

Landrat Otto Rubly wird im Juni nach Berlin reisen, um bei einer Veranstaltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über die Zukunft des früheren Kasernengeländes zu sprechen und für eine Rückkehr der Bundeswehr zu werben. Flankiert wird er dabei - um im Militärjargon zu bleiben - von seinem Kreisbeigeordneten. Denn wie Thomas Danneck verraten hat, wird er ebenfalls im kommenden Monat in der Hauptstadt unterwegs sein und dort auf Einladung vor Vertretern des Bundeswehrverbands die Liegenschaft der früheren Uffz.-Krüger-Kaserne vorstellen. Bundestagsabgeordneter Matthias Mieves ist sowieso regelmäßig in Berlin vor Ort, rührt nach eigenen Angaben ebenfalls kräftig die Werbetrommel. Feuer aus allen Rohren. Ob's hilft? Warten wir es ab!

Jedenfalls konnte ich so guten Gewissens ganz ohne offiziellen Auftrag vergangene Woche die Hauptstadt erkunden. Rein als Tourist. Meine bisherigen Besuche in Berlin waren stets beruflicher Natur und entsprechend eng getaktet. Diesmal also Sightseeing mit meinem Sohn - während Ehefrau und Tochter im Glantal aufs Haus aufgepasst haben. Ich würde es bei Städtetrips mit dem Programm immer übertreiben und sei ein - Zitat - „Sklaventreiber“. Ein mir völlig unverständlicher Vorwurf!

Nicht für „Beweisfotos“ unterwegs

Allerdings bin ich tatsächlich der Meinung, dass es auf der Welt so viele spannende Orte zu entdecken gibt, dass man nicht unbedingt mehrfach in ein und dieselbe Stadt (oder dasselbe Land) reisen muss. Deshalb bin ich bestrebt, die Zeit in der Fremde stets möglichst effektiv zu nutzen. Heißt: Im Vorfeld werden Sehenswürdigkeiten ausgewählt, die es in x Tagen zu erleben gilt. Dabei geht's mir explizit nicht darum, wie das in den sogenannten Sozialen Medien Trend ist, hinzurennen, ein Foto zu machen und weiterzueilen. Für die Besichtigungen wird immer reichlich Zeit eingeplant. Das kann dann schon mal ein halber Tag im Neuen Museum sein. Die aus Geschichtsbüchern bekannte Büste der Nofretete vor sich zu sehen: magisch!

Logisch, dass die Wegezeiten deshalb möglichst kurz ausfallen müssen - um eben mehr Zeit fürs Wesentliche zu haben. Einfach so in ein Café setzen? Sorry - aber der Slot für den Fernsehturm ist doch schon gebucht! Im Hotel ausgiebig frühstücken? Nee - wir sollten schließlich zeitig am Reichstag sein! Als hätte ich im Urlaub Zeit zu verschenken ... Außerdem sitzen wir in der U- oder S-Bahn doch genug herum. Nur weil ich im Urlaub die Zeit gern effizient nutze, bin ich doch kein Sklaventreiber. Unverschämt!

Der Breitenbachplatz hat mit unserem Breitenbach nichts am Hut

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht: Egal, wo du in der Welt unterwegs bist, du triffst entweder jemanden aus dem Kreis Kusel oder zumindest babbelfreudige Saarländer. Letztere tauchen bei Strandurlauben mit erstaunlichem Timing immer dann auf, wenn man ein Nickerchen am Strand machen will ... Doch beim Berlin-Trip sind uns weder Pfälzer noch Saarländer wissentlich begegnet. Dennoch war uns die Heimat an einem Abend ganz nah: Die Vaihinger-Fruchtsäfte in einem Biergarten hatten ungefähr dieselbe Strecke hinter sich wie wir, waren sie doch laut Etikett in Lauterecken hergestellt worden. So ein Stückchen (in diesem Fall ein Schlückchen) Heimat in der Fremde ist ja schon schön.

Enttäuscht bin ich deshalb vom Breitenbach-Platz in Berlin. Dabei hatten wir extra Zeit für einen Zwischenhalt eingeplant: Wie sich völlig überraschend herausgestellt hat, ist die U-Bahn-Station überhaupt nicht nach unserem „Brädebach“ benannt ... Namensgeber ist stattdessen Eisenbahndirektionspräsident Paul Justin von Breitenbach (1850-1930), laut Infotafel ein Pionier des deutschen Eisenbahnwesens.

Für mehr (vermeintliche) Entdeckungen haben die paar Tage nicht gereicht. Keine Zeit. Denn im Computerspielemuseum warteten noch eine Ladung Nostalgie auf den Vater und eine Reise in die digitale Urzeit auf den Sohn. Grüße nach „Brädebach!“

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