Reichweiler
Ein Haufen, der zusammenhält: Wie sich die „Dorfgemeinschaft Reichweiler“ für den Ort einsetzt
Die Temperaturen liegen unterhalb des Gefrierpunkts. Das verraten die sichtbaren Atemwolken der Anwesenden. Vor dem Feuerwehrgerätehaus in Reichweiler haben sich am frühen Sonntagmorgen einige Menschen zusammengefunden. Es sind Mitglieder des Vereins „Dorfgemeinschaft Reichweiler“ sowie Thomas Schmitt, Dennis Klein und Björn Schirmer, die die Jugendfeuerwehr des Ortes betreuen. Als wenig später alle angekündigten Mitglieder der Jugendfeuerwehr da sind, wird die 800-Euro-Spende der Dorfgemeinschaft überreicht. Das Geld kam bei der Adventsfenster-Aktion des Vereins zusammen. „Wir wollten mit der Spende vor Ort etwas bewirken“, sagt die Vorsitzende Susanne Becker. „Die Spende unterstützt uns dabei, die Jugendarbeit aufrechterhalten zu können“, freut sich Wehrleiter Thomas Schmitt.
Einladung per Gedicht
Seit seiner Gründung 2012 hat der Verein mehrere solcher Aktionen abgeschlossen. Schon einige Jahre bevor die „Dorfgemeinschaft Reichweiler“ gegründet wurde, wurde der Wunsch nach einem „Familienverein“ laut. Die „Weihnachtsbaumverschönerungstruppe“, ein Team aus Eltern und Kindern, die den Baum am Dorfbrunnen mit selbstgebastelten Ornamenten schmückt, wollte noch weitere Aktivitäten für die Familie anbieten.
Ein erster Grundstein war ein Gedicht, das sich an die Bürger richtete. „Wanted“, also gesucht, ziert das Blatt in Großbuchstaben, das Susanne Becker bis heute aufgehoben hat. Schon die ersten Zeilen verraten, worum es gehen sollte: „Überleg nicht lange hin und her, mach es dir doch nicht so schwer. Wir sind ein lockerer Verein, das könnte auch für dich was sein!“ Dieser Einladung folgten so viele, dass 2012 der Verein aus der Taufe gehoben wurde. Mittlerweile hat die „Dorfgemeinschaft Reichweiler“ 93 Mitstreiter, wobei die Altersspanne von Neugeborenen bis zu rund 80-Jährigen reicht.
Seit der Gründung bemühen sich die Mitglieder, regelmäßig ein breites Spektrum an Aktionen anzubieten. „Oft sitzen wir beisammen und uns kommen Ideen, oder Einwohner des Orts kommen direkt auf uns zu“, berichtet Stefan Gehrke, Kassenwart des Vereins. So fanden beispielsweise eine Alpakawanderung, ein Waldtag, ein Lagerfeuer, eine Pyjama-Party und ein Frauenfrühstück statt. Beliebte Veranstaltungen wurden wiederholt. „Das zweite Frauenfrühstück am 8. März ist schon fast ausgebucht“, berichtet Nina Herrmanny, Schriftführerin des Vereins.
Gegen Einsamkeit – für mehr Miteinander
Wie viele Vereine musste die Dorfgemeinschaft während der Corona-Pandemie Wege finden, dass Vereinsleben nicht einschlafen zu lassen. So konnten Familien während der Osterzeit Bastelsets abholen, zu Hause kreativ werden, und sie fertiggestellt abgeben. Die Kunstwerke zierten dann den Dorfbrunnen. Die Vernetzung untereinander wurde ebenfalls sichergestellt. Jonas Gehrke, zweiter Vorsitzender und als Susanne Beckers „Digitalassistent“ aktiv, kümmert sich beispielsweise darum, dass wichtige Infos im Whatsapp-Kanal der Gemeinde und in der Vereinsgruppe zu sehen sind. „Wir wollen jeden erreichen. Egal ob im Verein oder nicht – hier wird jeder gerne gesehen und respektiert“, ergänzt Vorstandsmitglied Celina Becker. „Unser Ziel ist es, in einem kleinen Dorf Menschen generationenübergreifend zu verbinden. So wirken wir der Vereinsamung der Menschen entgegen. Wir arbeiten mit anderen Vereinen zusammen. Wir sind ein bunter Haufen, der sich aufeinander verlassen kann“, sagt die Vorsitzende.