Oberes Glantal RHEINPFALZ Plus Artikel Die Macher der Sellemols-Bände über die Detektivarbeit bei alten Bildern

Rund 17.000 Fotos und historische Dokumente aus allen vier Ortsteilen Schönenberg-Kübelbergs lagert Stefan Bauer (links) bei sic
Rund 17.000 Fotos und historische Dokumente aus allen vier Ortsteilen Schönenberg-Kübelbergs lagert Stefan Bauer (links) bei sich zuhause in seinem Privat-Archiv. Zusammen mit Sohn Philipp gibt er die »Sellemols«-Bildbände heraus.

Stefan Bauer ist ein leidenschaftlicher Sammler historischer Bilder aus seinem Heimatort Schönenberg-Kübelberg. In vielen Fotobüchern– darunter auch inzwischen 25 „Sellemols“-Bände – teilt er seine Schätze mit der Öffentlichkeit. Bei vielen Aufnahmen ist zunächst eine gründliche Detektivarbeit erforderlich.

„Wir sind das Gedächtnis der Gemeinde“, sagt Stefan Bauer stolz, der zusammen mit seinem Sohn Philipp seit 2010 die „Sellemols“-Bildbände herausgibt. Rund 17.000 Fotos und Originalpostkarten von den vier Ortsteilen Schönenberg-Kübelbergs, Akten, Bücher und andere historische Dokumente wie alte Meisterbriefe und Beschlussbücher von Vereinen lagert Bauer in seinem Archiv bei sich Zuhause in Dunzweiler. „Ich habe vor mehr als 40 Jahren hobbymäßig angefangen, Bilder zu sammeln“, erzählt der 62-Jährige. „Ich bin von Haus zu Haus gegangen und habe die Leute gefragt, ob sie alte Bilder haben, die ich verwenden darf.“ Auch im Wochenblatt habe er inseriert. Schließlich haben ihm Bürger Bilder von allen möglichen Jubiläen, Vereinen, Schulen, kirchlichen Veranstaltungen und besonderen Anlässen zukommen lassen. „Sogar einige Originalaufnahmen aus dem Dritten Reich waren dabei.“

Anwohner bringen Bilder

Zu Beginn habe er einen Fotografen mitgenommen, der die Originale bei den Bürgern daheim abfotografierte, erzählt Bauer. Später habe er sich in einem Fotogeschäft Kopien von den Bildern machen lassen. „Beides hat mich damals mehrere Tausend Mark gekostet.“

1987 veröffentlichte Bauer sein erstes Werk mit seinen gesammelten Schätzen zum 1050. Jubiläum von Kübelberg. Es folgten weitere Bildbände zu den Jubiläen der Ortsteile Schmittweiler (1988), Sand (1989) und Schönenberg (1994). Die Nachfrage nach Fotobüchern und das Bildangebot rissen nicht ab. „Es verging keine Woche, in der nicht Leute Sachen abgegeben haben.“ Also folgten weitere Bildbände.

Verzeichnisse und Archive

Ende der 1990er holte er seinen damals zehnjährigen Sohn Philipp mit ins Boot. Für den Auftrag habe sich dieser eine professionelle Fotokamera von seinem Opa geliehen, erinnert sich Stefan Bauer. Heute betreibt Philipp Bauer eine Firma für Film- und Fototechnik in Kübelberg. „Ich scanne die Bilder ein, digitalisiere sie, bearbeite sie nach und setze sie zusammen. Außerdem kümmere ich mich um Druck und Verkauf der Bildbände“, sagt der 34-Jährige.

Doch was macht man mit einem uralten Bild, wenn der Eigentümer nicht weiß, wo es aufgenommen wurde und wer oder was darauf abgebildet ist? „Ich suche dazu Quellen in Kirchenbüchern und Standesamtunterlagen, Kopien von allen historische Verzeichnissen oder greife auf das Archiv der Verbandsgemeinde zu“, erläutert Stefan Bauer seine Recherche. Schließlich habe er als Leiter der Bauabteilung der Verbandsgemeinde von jedem Haus ein Foto aus „alten Zeiten“ und könne auch in Archiven auf Bauunterlagen zurückgreifen. „So finde ich heraus, wer die Personen auf einem Foto sind oder wann ein Bild ungefähr entstanden ist.“

Bilder und Emotionen

Dabei habe ihm auch sein gutes Gesichtsgedächtnis geholfen. So erkenne er bedeutsame Personen, die häufiger abgelichtet wurden – wie Bürgermeister, Lehrer oder Kaufleute – schnell wieder und könne die Aufnahme zeitlich und geografisch einordnen.

Bei seinen Recherchen kommt es auch zu emotionalen Momenten. „In der Nähe des Bahnhofs in Schönenberg waren nach dem Krieg mehrere Häuser durch Bombenangriffe zerstört. Als diese Bilder in einem ,Sellemols’-Band veröffentlicht wurden, hat eine Frau ihr zertrümmertes Elternhaus wiedererkannt. Das hat sie sehr mitgenommen“, erinnert sich der Fotosammler. Die Frau hatte ihn für weitere Informationen zu dem Foto kontaktiert.

Objekte aus Ausgrabungen

„Ach gugge mol, des is jo....“ – diese Worte hört Bauer noch heute sehr häufig, wenn Passanten auf Weihnachtsmärkten an Ständen seine „Sellemols“-Bände durchblättern. Die zwei aktuellsten sind vor Weihnachten erschienen. Die Ausgaben befassen sich entweder mit den vier Ortsteilen oder – falls sie anlässlich eines Jubiläums bestellt wurden – mit Vereinen oder Institutionen wie Kindergärten oder Schulen. „Im kommenden Jahr wird es wieder zwei Bände geben. Darin werden sich Fotos von allen vier Ortsteilen finden“, stellt Stefan Bauer in Aussicht. Die „Sellemols“-Bände können unter 06373 40824045 bestellt werden.

Bauer sammelt übrigens nicht nur Zeitzeugen auf Papier. Auch antike Gefäße oder andere Gegenstände, die bei Ausgrabungen entdeckt worden sind, gehören zu seinem Fundus. Diese werden im Kulturhaus in Schönenberg-Kübelberg ausgestellt.

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