Kreis Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Die Fenster der evangelischen Stadtkirche in Kusel

Jesus gemeinsam mit den Schwestern des Lazarus, Maria und Martha, zeigt dieses Fenster. Foto: m. hoffmann
Jesus gemeinsam mit den Schwestern des Lazarus, Maria und Martha, zeigt dieses Fenster.

Realistische Darstellungen, nüchtern, protestantisch – so lassen sich die acht Fenster in der evangelischen Stadtkirche von Kusel charakterisieren. Alle beschreiben sie Leben und Sterben Jesu, doch in der Reihenfolge gibt es eine Besonderheit.

Beim Bau der Stadtkirche von 1829 bis 1831 waren zunächst keine bemalten Fenster vorgesehen. „Da wäre für die damalige Zeit untypisch gewesen“, erläutert Dekan Lars Stetzenbach. Die von der Mannheimer Glasmalerei Johannes Kriebitzsch geschaffenen bunten Schifffenster kamen erst 1913 bis 1915 hinzu. Sie erzählen die Jesus-Geschichte nach dem Lukas-Evangelium. Fünf Fenster gehen auf Stiftungen von Kuseler Persönlichkeiten zurück.

Auffällig ist, dass Architekt Ferdinand Beyschlag alle acht Fenster durch die Empore unterbrechen ließ. So ist der obere Teil der Fenster von unten nicht zu sehen. Unter der Empore fassen helle Ornamentverglasungen mit gelbem Schmuckrahmen im Jugendstil die einzelnen Bildszenen ein. Zu lesen seien die Fenster vom Altar aus gegen den Uhrzeigersinn, „man kann sie aber auch paarweise direkt gegenüberstellen“, sagt Stetzenbach beim Rundgang.

Erstes Thema: Christi Geburt

Christi Geburt ist das Thema des ersten Fensters vorne links. Neben Maria und Josef sind zwei Hirten, Ochs und Esel zu sehen. „Die Farben dieses Fensters sind besonders kräftig“, erklärt der Dekan mit Blick auf Maria, die in sattem Rot gekleidet ist. Bei der Darstellung gebe es – typisch für die Theologie jener Zeit – nichts Verklärendes, sagt Stetzenbach. Gestiftet wurde dieses Fenster von Carl Cappel.

Von der Familie Julius Zöllner, der in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Kuseler Tuchfabrik betrieb, wurde das folgende Fenster mit dem zwölfjährigen Jesus und drei Schriftgelehrten vor dem Tempel in Jerusalem gestiftet. Insbesondere die Darstellung der jüdischen Gelehrten mit Kopfbedeckungen, Bärten und eindrucksvollen Nasen entspricht Stetzenbach zufolge den Klischees eines theologischen Antijudaismus.

Taufstein würde sich gut machen

Vom Tempel geht es weiter zum Jordan, an dem Johannes der Täufer vor paradiesisch grünem Hintergrund wirkt. Die weiße Taube symbolisiert den Heiligen Geist, die Kreuzesfahne des Johannes verweist auf den Tod wie auch – als Siegeszeichen Christi – auf die Auferstehung, erläutert der Pfarrer. Als weiteres Detail gilt die Jakobsmuschel als Zeichen der Unvergänglichkeit des Lebens. „Ein Taufstein würde sich gerade vor diesem Fenster gut machen“, erwähnt Stetzenbach. Denn es gebe bisher nur ein „mobiles Taufgerät“ in der Stadtkirche.

Mit dem Gleichnis des Jesus als Sämann befasst sich das letzte Fenster in der linken Reihe. Vis-à-vis ist die Geschichte des barmherzigen Samariters dargestellt – und zwar mit exakt dem gleichen Hintergrund wie beim Sämann. Bei der Stiftung der Familie Hermann Meyer handelt es sich übrigens um das einzige der acht Fenster, auf dem Jesus nicht dargestellt ist. Mit den Schwestern des Lazarus, Maria und Martha, ist Jesus in der nächsten Szene abgebildet. Auffallend ist hierbei die moderne Kurzhaarfrisur der Martha, die laut Stetzenbach womöglich an das Aussehen eines der Familienmitglieder der Spenderfamilie Meyer angelehnt ist.

Sehr beeindruckende Fenster

Mit den Kirchenfenstern intensiv befasst hat sich der Speyerer Pfarrer Ulrich Kronenberg, als er von 1992 bis 1995 in Kusel Vikar war. „Die Fenster haben mich damals beeindruckt“, berichtet Kronenberg auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Und sie ließen ihn nicht los: Als er nach seiner Kuseler Zeit seine erste Stelle in Battweiler antrat, habe er dort vom gleichen Glasmaler wieder „sehr beeindruckende Fenster“ vorgefunden.

Wie Kronenberg in seinem Aufsatz schreibt, ist die Darstellung der Fenster wohl durchdacht. Sie folge dem Leben Jesu beginnend mit der Geburt bis zu seinem Tod. Allerdings stimme diese Reihenfolge bei den letzten beiden Fenstern nicht mehr. Der auferstandene Jesus mit Emmaus-Jüngern kommt vor der Szene mit der Kreuzigung – es müsste eigentlich umgekehrt sein.

Den Beschluss für neue Kirchenfenster fasste das Kuseler Presbyterium 1913, wie Kronenberg recherchierte. Die ursprünglichen Fenster seien in einem „Zustand der Verwahrlosung“ gewesen, eine Erneuerung dringend geboten. Zunächst seien vier Fenster angeschafft worden, später kamen weitere vier hinzu. Trotz des Krieges hatte die Gemeinde wohl genügend Rücklagen. Die Fenster symbolisieren laut Kronenberg die drei Standbeine protestantischer Theologie: Diakonie, Sakramente und Wort Gottes. Neben den Kuseler Stiftern wurde die Anschaffung auch von den Pfarrern Ludwig Heinrich Baum und Karl Munzinger unterstützt.

Ein Fenster von Vandalen beschädigt

Im Turm der Kirche zum Marktplatz hin befinden sich seit 1922 vier weitere, kleinere Fenster aus der gleichen Manufaktur. Sie zeigen die Reformatoren Luther, Calvin, Zwingli und Melanchthon. Letzterer wurde zu Beginn des Jahres 2018 offenbar durch Vandalen beschädigt. Teile des Gesichts brachen heraus, im Vorraum fanden die Presbyter eine – wohl durchs Fenster geworfene – Bierflasche. Der Schaden belief sich laut Stetzenbach auf rund 2500 Euro.

Die Serie

Kirche und Kunst: Beides gehört zusammen, wie sich auch an Kirchenfenstern im Kreis Kusel ablesen lässt. So manche Dorfkirche wird durch ihre Fenster zum Schmuckstück. Die RHEINPFALZ hat einige besucht.

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