Konken RHEINPFALZ Plus Artikel „Die ersten Tage waren extrem“: Heizöl-Lieferant blickt auf die aktuelle Preiskrise

Michael Preis ist seit 2020 Geschäftsführer der Firma Preis. Seit 2010 hat das Unternehmen mit der Müllentsorgung neben dem Mine
Michael Preis ist seit 2020 Geschäftsführer der Firma Preis. Seit 2010 hat das Unternehmen mit der Müllentsorgung neben dem Mineralölvetrieb ein zweites Standbein.

Die rasant angestiegenen Preise für Heizöl und Sprit machen sich auch im Landkreis Kusel bemerkbar. Michael Preis, Heizöl-Lieferant aus Konken, erklärt die Auswirkungen.

Selten verlief für Michael Preis ein Arbeitstag so stressig wie der Montag vor gut zwei Wochen. „Gerade die ersten zwei Tage in der Woche waren extrem“, sagt der Geschäftsführer der Firma Preis, die von Konken aus Kunden vom Saarland bis nach Trier mit Heizöl und Diesel beliefert. Wie bei anderen Heizöl-Lieferanten habe das Telefon zu Wochenbeginn kaum still gestanden. „Wir hatten durchgehend über den ganzen Tag hinweg telefoniert“, erinnert sich Preis an den Montag, nachdem Israel und die USA einen gemeinsamen Angriff auf den Iran gestartet hatten.

Während der Heizölpreis für Endverbraucher vor besagtem Angriff noch bei knapp 80 Cent pro Liter gelegen habe, sei er infolge der geopolitischen Entwicklungen schlagartig auf etwa 1,20 Euro pro Liter gestiegen. Die Folge waren Panikkäufe aus Sorge vor einem weiteren Preisanstieg, wie der Geschäftsführer verdeutlicht: Innerhalb von nur zwei Tagen habe das Unternehmen circa so viel Heizöl verkauft wie sonst in drei Wochen.

Nachfrage aktuell verschwindend gering

Inzwischen hat sich die Lage im Büro zwar laut Preis wieder beruhigt, doch der logistische Druck bleibt. Aktuell arbeite die Firma noch die Bestellungen aus dieser Hochphase ab, sodass Kunden nun mit einem Vorlauf von mindestens 14 Tagen bis zu drei Wochen rechnen müssten. Gleichzeitig sei die Neunachfrage nach Heizöl fast zum Erliegen gekommen. „Wer noch etwas in seinem Tank hat, wartet gerade ab, bis das Heizöl wieder günstiger wird“, sagt Preis. Das Preisniveau seit derzeit so hoch wie zuletzt vor vier Jahren nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.

Hier in Konken werden die Lkw mit dem Mineralöl betankt.
Hier in Konken werden die Lkw mit dem Mineralöl betankt.

Wie volatil der Markt aktuell reagiert, verdeutlicht Preis an einem Beispiel: Allein die Aussage von US-Präsident Donald Trump, der Iran-Krieg sei „so gut wie beendet“, habe den Rohölpreis überraschend deutlich nach unten sinken lassen. Demnach lag dieser bei der Nordsee-Rohölsorte Brent am Dienstag bei rund 88 Dollar je Fass, nachdem der Preis nur einen Tag zuvor auf fast 120 Dollar hochgeklettert war. Wie sich der Preis in den nächsten Wochen entwickeln werde, sei nur schwer abschätzbar, meint Preis: „Jede Nachricht über den Krieg im Iran wirkt sich im Moment direkt auf den Rohölpreis aus.“ Der Stand am Donnerstag: rund 115 Euro pro Fass.

Weniger Kunden an Zapfsäulen

Nicht nur der Heizölpreis ist von der Entwicklung betroffen: Die Spritpreise sind seit dem Iran-Krieg ebenfalls deutlich nach oben geklettert. Am Montag wurde die Zwei-Euro-Marke auch für das Superbenzin der Sorte E10 überschritten. Demnach war die Benzinsorte so teuer wie seit Mai 2022 nicht mehr. Auch die Firma Preis betreibt zwei verpachtete Tankstellen – zum einen die Aral-Tankstelle in Lauterecken, zum anderen den 2017 eröffneten Autohof in Konken.

Der Geschäftsführer schätzt, dass der Umsatz an Sprit um etwa zehn bis 15 Prozent rückläufig ist: „Ich denke, dass viele Leute bewusst weniger fahren, Fahrgemeinschaften bilden oder im Ausland tanken.“ Dies führe selbstverständlich auch zu sinkenden Umsätzen in den Tankstellenshops, sagt Preis. Nach Angaben des Tankstellen-Interessenverbands machen diese für Tankstellenpächter 60 Prozent des Gesamtumsatzes aus, während sich der Anteil durch den Verkauf von Benzin und Diesel lediglich auf etwa 20 Prozent beläuft.

Die Zwei-Euro-Marke ist fast überall überschritten: Der Tankstellen-Interessenverband rechnet mit noch höheren Preisen.
Die Zwei-Euro-Marke ist fast überall überschritten: Der Tankstellen-Interessenverband rechnet mit noch höheren Preisen.

Auch das Unternehmen Kurt Preis selbst muss wegen der gestiegenen Spritpreise tiefer in die Tasche greifen: Laut Preis fahren 38 Lkw im Auftrag der Firma, die zusätzlich für den Großteil der Abfallentsorgung im Landkreis Kusel verantwortlich ist. 28 seien für die Sparte Abfall unterwegs, der Rest für den Bereich Heizöl und Diesel. Lediglich zwei Müllfahrzeuge seien mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Alle anderen Fahrzeuge werden laut Preis mit Diesel betrieben, sodass die Preissteigerungen entsprechend ins Gewicht fallen. „Die großen Fahrzeuge, die die Tanklager anfahren, legen schon im Jahr eine Strecke von rund 130.000 Kilometern zurück“, schätzt Preis.

Sofortmaßnahmen gefordert

Um Verbraucher und Unternehmen angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten, hält Preis Sofortmaßnahmen für notwendig. „Ich hätte mir schon in der letzten Woche gewünscht, dass eine Sondersitzung in der Politik einberufen wird“, sagt der Tankstellen-Betreiber. Für sinnvoll erachte er eine begrenzte Aussetzung der CO2- und Energiesteuer. Die CO2-Abgabe mache derzeit bis zu 20 Cent pro Liter Kraftstoff aus, während die Energiesteuer bei Benzin mit 65 Cent, bei Diesel mit 47 Cent und bei Heizöl mit sechs Cent je Liter zu Buche schlage.

Doch auch wenn die Situation angespannt ist: Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt sich Preis vorsichtig optimistisch. Sollte sich die Lage im Iran beruhigen, rechnet er damit, dass sich die Energiepreise wieder dem Preisniveau annähern, das vor dem Kriegsausbruch herrschte. In Bezug auf Öl sei die Situation auf der Straße von Hormus entscheidend: Die Meerenge zwischen Persischem Golf und Indischen Ozean ist eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel – und wird derzeit vom iranischen Regime blockiert.

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