Hinzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Die ersten Fußballbräute – 100 Jahre SV Hinzweiler

Die Mannschaft des SV Hinzweiler aus dem Jahr 1921 (hintere Reihe von links): Karl Reis, Ludwig Reis, Karl Metzger, Karl Fadel,
Die Mannschaft des SV Hinzweiler aus dem Jahr 1921 (hintere Reihe von links): Karl Reis, Ludwig Reis, Karl Metzger, Karl Fadel, Alfred Kleres, Ludwig Lang, Ludwig Krebs, Lehrer Otto Hermann, Rudolf Grill (erster Vorsitzender, im Mantel); vordere Reihe (von links) Heinrich Christoffel, Karl Schmitt, Willi Cappel.

Im August 2020 jährte sich der Tag der Vereinsgründung des SV Hinzweiler zum 100. Mal. Die geplante Feier musste coronabedingt verschoben werden. Der Nachholtermin für 2021 steht schon.

Aktuell zählt der SV Hinzweiler nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Werner Lang 130 Mitglieder. Gegründet wurde er am 28. August von 13 Männern, die laut der neuen Vereinschronik den Entschluss zur Vereinsgründung „beim allabendlichen Treff auf der Außentreppe des späteren Vereinslokals Cappel“ fassten.

Im September fand das erste offizielle Freundschaftsspiel des neu gegründeten Vereins statt. Gegner auf einer Wiese „Im Brühl“ war die erste Mannschaft aus Lauterecken. Die Fußballer aus Hinzweiler kicken heute als Teil einer Spielgemeinschaft mit dem VfR Hundheim-Offenbach. Neben der Jagd nach dem runden Leder sind Turnen, Karate und Tennis die sportlichen Standbeine des Vereins.

Frauen machen es vor

Beim Durchblättern der Vereinschronik fallen Punkte wie der Sportplatzbau im Jahr 1922, der Bau der Königslandhalle 1976, der Umbau von Garagen zum ersten „Sportlerheim“ oder der Bau der Tennisanlage im Jahr 1995 ins Auge.

Und dann wird da noch von einer netten Anekdote aus dem Jahr 1966 berichtet: Die „vielleicht erste Begegnung zweier Frauen-Fußballmannschaften im Bereich des Südwestdeutschen Fußballverbands“ – über die sogar damals in einer großen überregionalen Tageszeitung mit vier Buchstaben berichtet wurde.

Den Männern Mut verliehen

Dort war zu lesen, dass die „Ehefrauen und Bräute der Fußballspieler von Rothselberg“ es leid waren, dass ihre Männer seinerzeit „das Gespött aller Freunde des runden Leders“ waren, weil sie ausnahmslos jedes Spiel verloren. Also seien die „Fußballbräute“ gegen die Fußballfrauen aus Hinzweiler angetreten. Das Spiel sei zwar 2:2-Unentschieden ausgegangen, doch den Rothselberger Männern habe das offenbar neuen Mut verliehen. „Sie schlugen am nächsten Tag den heißen Favoriten aus Niederkirchen tatsächlich mit 3:1“ heißt es in der Zeitung vom 12. September 1966.

Fußball spielt beim SV Hinzweiler zwar auch heute noch eine Rolle, Lang macht sich aber Sorgen um die Zukunft. „Wir haben seit zehn Jahren niemanden mehr, der den Posten als Nachwuchsübungsleiter übernehmen möchte“, bedauert der Vereinsvorsitzende. Die Nachwuchskicker hätten zwar die Möglichkeit, in einer Jugendspielgemeinschaft mit Offenbach-Hundheim und Glanbrücken zu spielen, allerdings nehme diese Möglichkeit aktuell kein Nachwuchsfußballer aus Hinzweiler wahr.

Kinder gebe es in Hinzweiler zwar genug, aber die mangelnde Förderung vor Ort sei natürlich nicht optimal, sagt Lang. „Wenn sich daran nichts ändert, ist schon jetzt absehbar, dass in wenigen Jahren keine aktiven Fußballer mehr in der Spielgemeinschaft mit Hundheim-Offenbach spielen werden“, bedauert der Vereinsvorsitzende.

Pluspunkt Sportheim

Finanziell gehe es dem Verein aber gut. „Da hat uns auch Corona nichts anhaben können“, sagt Lang. Man sei schuldenfrei und habe ein Sportheim, das sich auch immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt des örtlichen Lebens entwickele. „Das Sportheim hat sich mittlerweile zu einer Art Ersatz für die nicht mehr existierenden Gaststätten im Ort entwickelt“, berichtet Lang. Zweimal pro Woche, immer dienstags und freitags, finde ein Stammtisch statt, der am Freitag nahtlos zum „Dorftreff“ übergehe.

„Da es in vielen Nachbargemeinden auch keine Gaststätten mehr gibt, kommen da auch immer mal Gäste aus den umliegenden Orten zu uns“, berichtet Lang, der sich beim Betrieb des Sportheimes immer auf die tatkräftige Unterstützung von Karl-Heinz Kondratiuk und Erwin Gehres verlassen könne.

Gefeiert wird 2021

Eigentlich hätte das Vereinsjubiläum im August mit einem „Sport- und Spieltag“ mit Frühschoppen gefeiert werden sollen, bei dem sich die einzelnen Abteilungen präsentieren sollten. Eine Woche später wollte man dann einen Kommersabend in der Königslandhalle begehen. „Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir das aber alles absagen“, bedauert Lang. „Aber natürlich holen wir das nach. Der Sport- und Spieltag mit Frühschoppen und Musik soll am 15. August und der Kommersabend in der Königslandhalle am 21. August 2021 stattfinden.“

Und zwischenzeitlich könnten sich Freunde des Vereins ja mit der gerade erschienen Vereinschronik, in die Werner Lang viel Zeit und Mühe investiert hat, auf eine Zeitreise begeben.

Info

Die Vereinschronik umfasst 250 Seiten und enthält 500 Fotos. Zum Preis von 22 Euro kann sie bei Werner Lang, Am Wingertsberg 8 in Hinzweiler, erstanden werden. Kontakt unter Telefon 06304 7036 oder per E-Mail an lang-hinzweiler@web.de

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