Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Der starke Auftakt für Smart-City

Martin Glück holt die erste Smart-City-Bank bei der Kreissparkasse wieder ab.
Martin Glück holt die erste Smart-City-Bank bei der Kreissparkasse wieder ab.

Für fünf Jahre ist der Landkreis Smart-City. Die – natürlich – digitale Auftaktveranstaltung weckte hohe Erwartungen. Die Technik funktionierte über zweieinhalb Stunden. Bürger und Experten machten viele Vorschläge. „Wie wäre es zum Beispiel mit einer Streuobst-App?“

Auf einer i-Bench nahmen sie Platz: Moderator Martin Verlage und der „smarte Landrat“, so die Begrüßung für Otto Rubly. Ort der Handlung: der Veranstaltungsraum der Kreissparkasse Kusel. Die Zuhörer und Zuschauer waren zu Hause oder im Büro vor Bildschirmen: Teilweise 180 Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zu „Land l(i)eben – digital.gemeinsam.vor Ort“ – dem Bundesprojekt, das dem Kreis 16 Millionen Euro für die Digitalisierung beschert.

Für ein Teil des Geldes sollen Ortsgemeinden weitere i-Benchs bekommen – Sitzbänke, die über Sonnenkollektoren gefüttert werden. Ein Handy, das darauf abgelegt wird, lädt sich automatisch auf. Ein E-Bike-Ladeanschluss oder eine Wetterstation können als Extras bestellt werden. Kostenloses W-Lan gibt es ebenfalls. Die Standorte der ersten fünf Bänke: vor der Kreisverwaltung, auf Burg Lichtenberg und in der Nähe der Rathäuser der drei Verbandsgemeinden.

Sponsoren gesucht

Die erste i-Bench war am Dienstag eine Punktlandung. Sie wurde erst wenige Stunden vor der Auftaktveranstaltung geliefert. Martin Glück, Hausmeister der Kreisverwaltung, holte sie am Mittwoch wieder ab. Der genaue Standort unter freiem Himmel in der Trierer Straße ist noch offen.

Für weitere Sammelbestellungen fehlt auch noch das Kleingeld. Eine i-Bench kostet ab 6000 Euro. „Für alle 98 Ortsgemeinden wird der Etat nicht reichen, aber vielleicht finden wir ja Sponsoren“, sagte Kira Keßler, die Smart-City-Projektleiterin beim Kreis.

Von Kaiserslautern profitieren

„Ein solches Projekt hilft auch Verwaltungen, mutiger zu werden“, sagte zum Beispiel Martin Verlage, der es wissen muss. Der Informatiker leitete in Kaiserslautern die Wettbewerbsbewerbung „Digitale Stadt“ und holte 2019 Smart-City in die Westpfalz-Metropole. Jetzt ist er wieder selbstständig und berät andere Kommunen – unter anderem den Landkreis Kusel.

„Ein solches Projekt stößt Dinge an, die vorher nicht möglich schienen“, sagte Otto Rubly und ließ sich ein Versprechen entlocken, an dem er gemessen werden wird: „In zwei Jahren haben wir im Kreis eine flächendeckende Breitbandversorgung.“

24 Stunden geöffnet

Gabi Troeger-Weiß, Professorin für Regionalentwicklung und Raumordnung an der Universität Kaiserslautern, zeigte auf, wohin die Reise im ländlichen Raum hingehen kann. „Ein 24-Stunden-Lebensmittelgeschäft ohne Personal. Was nicht vorrätig ist, wird am nächsten Tag automatisch geliefert“, erläuterte sie ein Modellprojekt aus Bayern. „Die Online-Sprechstunde des Landarztes ist nur noch eine Frage der Zeit“, ergänzte Eberhard Kurz, Professor für Digitalisierung in Tourismus und Verkehr an der Hochschule Worms.

Über eine halbe Stunde konnten sich die Teilnehmer in fünf digitale Arbeitsgruppen aufteilen. Die konkretesten Vorschläge legte danach die Gruppe „Smarte Mobilität“ vor. „Mit einem kurzen Blick aufs Handy erfahren, was eine Fahrkarte von Waldmohr nach Homburg kostet“, berichtete Karl-Heinz Schoon, der Mobilitätsbeauftragte des Kreises, von einem Bürgerwunsch. Smart-City soll auch dazu beitragen, dass die Bürgerbus-Zentralen eine Art Mobilitäts-Alexa bekommen. Nicht mehr der Mensch nimmt Anfragen für Bürgerbus-Fahrten entgegen, sondern die Maschine.

DFKI als Partner

Wie Künstliche Intelligenz helfen kann, Zukunftsprobleme zu lösen, erläuterte Martin Semmel vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, ein weiterer Smart-City-Partner des Landkreises.

Im Bürgerhaus in St. Julian war schon in der Projektbewerbung eine Co-Working-Space geplant. Das ist eine Bürofläche, die von mehreren Personen oder Unternehmen gemeinsam genutzt wird. Praktikumsplätze sollen dort auch angeboten werden. In der Video-Konferenz ließ Marcel Keidel, Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, wissen, dass es solche Pläne auch für Kusel gibt. Näheres wollte er noch nicht verraten.

Auch die kommunale Familie blickt in den smarten Landkreis. Mit Ralf Leßmeister (Kaiserslautern), Udo Recktenwald (St. Wendel) und Susanne Ganster (Südwestpfalz) waren drei Amtskollegen von Rubly Teilnehmer der Videokonferenz.

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