Kusel Der nächste Kreistag im Kreis Kusel: Wer die Gewinner und wer die Verlierer sind
38.444 Bürgerinnen und Bürger haben am Wochenende (oder vorab via Briefwahl) über die künftige Zusammensetzung des Kuseler Kreistags entschieden. Der einst tiefrote Landkreis hat die Farbe gewechselt – lange Zeit behaupteten böse Zungen, dass die SPD hier einen Kartoffelsack aufstellen könnte und dieser die Mehrheit bekäme. Dazu kommt’s allerdings nicht, weil die CDU besonders stark zugelegt hat: Die Kuseler Sozialdemokraten haben bei der Kommunalwahl wieder einmal kräftig Federn gelassen.
Jedenfalls bleibt’s laut vorläufigem Wahlergebnis für die CDU bei 10 Sitzen im Kreistag, die SPD kommt auf 8 (-3), die AfD auf 7 (+2) und die FWG auf fünf (unverändert). Die Grünen-Fraktion im Kreistag halbiert sich auf 2 Sitze (-2), ebenso die FDP auf einen Sitz (-1). Neu einziehen wird die Wählergruppe Danneck (WGD) mit fünf Sitzen. Die Linke und Bündnis Sahra Wagenknecht waren auf Kreisebene nicht angetreten.
Wählerliebling Lothschütz
Sortiert man die künftigen Kreistagsmitglieder nach Stimmen, führen AfD-Bewerber diese Aufzählung mit großem Abstand an. So kommt beispielsweise der AfD-Vorsitzende und Spitzenkandidat für den Kreistag, Alwin Zimmer, auf 20.115 Stimmen, so viele wie sonst niemand. Kurz dahinter folgen seine Parteikollegen. Allerdings: Die AfD hat auf ihrer Vorschlagsliste keine 38 Kandidaten nominiert, sondern nur 27. Die ersten fünf sind deshalb dreifach benannt, Platz sechs doppelt. Wer also die AfD-Liste wählt, gibt Zimmer automatisch drei Stimmen, ebenso den nachfolgenden Namen. Diese Mehrfachbenennung (doppelt oder dreifach) haben bei der Kreistagswahl außerdem noch die Grünen genutzt (28 Kandidaten): Christine Fauß, Wolfgang Frey und Katja Daish bekamen bei Listenwahl jeweils drei Stimmen, die Plätze vier bis sieben jeweils zwei.
Die Wahlvorschläge mit Mehrfachbenennung außen vor, führt CDU-Mann Christoph Lothschütz die Liste der Kreistagskandidaten mit den meisten Stimmen an (15.177). Er löst seinen Parteikollegen Stefan Spitzer ab, der 2019 die meisten Stimmen im Kreis bekam. Lothschütz könnte im kommenden Jahr selbstbewusst nach einer neuen Aufgabe greifen. Doch: „Nein. Ich stehe nicht als Landratskandidat zur Verfügung und auch nicht als Kreisbeigeordneter“, sagt der gerade im Amt bestätigte Bürgermeister der Verbandsgemeinde Oberes Glantal auf Anfrage. Wenn die Fraktion das ebenso sehe, wolle er gern wieder deren Vorsitz übernehmen, „und unsere sachliche Arbeit fortsetzen“. Er wolle weiter ohne Polemik Lösungen für die Herausforderungen im Landkreis suchen, kündigt Lothschütz an.
Gewählte Kreistagsmitglieder nach dem vorläufigen Endergebnis (11. Juni, 12:06 Uhr), sortiert nach Partei/Wählergruppe und nach Stimmen. Wer neu oder nach einer Legislaturperiode wieder in den Kreistag eingezogen ist, hat einen entsprechenden Vermerk.
Die Wähler sortieren um: von Platz 6 auf Position 33
Abgesehen von den Grünen und der FDP ziehen in jede Kreistagsfraktion neue Gesichter ein – manche davon sind alte Bekannte, beispielsweise der frühere Bürgermeister der damaligen Verbandsgemeinde Altenglan, Klaus Jung (FWG). Und nach einer „Auszeit“ kehren Inge Lütz und Frank Aulenbacher (beide SPD) wieder zurück. Bis auf Initiator und Namensgeber Thomas Danneck ziehen für die Wählergruppe Danneck (WGD) ebenfalls nur „Neulinge“ ein.
Fünf Sitze, viertstärkste Kraft, „damit hat keiner von uns gerechnet“, sagt Danneck. Was auf VG und Kreisebene passiert sei, ist „ein riesen, riesen, riesen Erfolg“. Jeder sei sich bewusst, dass es eine große Verantwortung ist: „Wir wollen unsere Positionen im Kreistag vertreten“, kündigt Danneck an. Und: „Wir wollen Leute in Bewegung bringen.“
Nur knapp verpasst hat den Einzug in den Kreistag Yvonne Draudt-Awe (WGD) – auf Listenplatz 38 gestartet, haben die Wähler sie auf Platz 6 nach oben geholt. Ein beeindruckender Sprung. Einen ähnlichen Satz nach vorne hat ansonsten nur Philipp Gruber (FWG) gemacht: Ebenfalls auf dem letzten Listenplatz gestartet, erreichte Gruber Platz 7, seine FWG-Kollegin Diana Schmitt ist vom vorletzten auf Platz 10 vorgerückt. Ein weiteres Beispiel: Von 15 auf 2 hat’s Bernhard Bauer (FDP) geschafft.
Höchste Wahlbeteiligung seit zehn Jahren
Es gibt aber auch Absteiger: CDU-Spitzenkandidat Sebastian Borger ist auf dem elften Platz gelandet und damit erster Nachrücker der CDU. Sollte beispielsweise Stefan Spitzer als Kreisbeigeordneter wiedergewählt werden und daraufhin sein Kreistagsmandat abgeben, könnte der CDU-Kreisvorsitzende nachrücken. Zu den Absteigern zählen außerdem unter anderen Jutta Bach-Opp (SPD; von Listenplatz 5 auf Rang 18), Sandra Wagner (CDU; 6 auf 13) und Therese Feuchnter (CDU; 9 auf 16) sowie Elias Lippes (FDP; 2 auf 16). Den tiefsten Fall dürfte Stefan Hoffmann (FWG) erlebt haben: von Platz 6 der Wahlvorschlagsliste auf Position 33.
Für die Kreistagswahl am vergangenen Wochenende ist es den Parteien und Wählergruppen gelungen, besonders viele Menschen an die Wahlurne zu bringen. Nach 2014 (Wahlbeteiligung rund 61 Prozent) und 2019 (65 Prozent), haben diesmal 68,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung des Gremiums entschieden.

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