Lauterecken
Der Glan bei der „Insel Kreta“ ist umgebaut worden – Vorteile unter anderem für die Fische
Konstantin Kempf ist Bereichsleiter bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd und für die Themen Wasserhaushalt und Gewässerökologie zuständig. Beim Vor-Ort-Termin mit der RHEINPFALZ, direkt hinter dem früheren Wasserhaus beim Bito-Gelände, zeigt er sich äußerst zufrieden: „Wir waren vergangene Woche zum Glück fertig, bevor der Wasserspiegel des Glans nach den Regenfällen so stark angestiegen ist. Nur Pflanz- und Sicherungsmaßnahmen standen noch an.“
Mehrere Wochen lang sind an der Stelle am und im Glan Bagger und Lastwagen im Einsatz gewesen, haben Kies und Felsen hin- und abtransportiert. Notwendig geworden war der Einsatz des schweren Geräts, weil der Glan an dieser Stelle eine Insel umfließt – von den Lautereckern „Kreta“ genannt. Der Fluss teilt sich vor der Insel und prallt gegen die Uferböschung, die dadurch erodiert, also Stück für Stück weggeschwemmt wird. Kolk nennt der Fachmann diese Erosion, die mithilft, ein Gewässer ein bisschen natürlicher fließen zu lassen. „Als für die Gewässerunterhaltung zuständige Behörde haben wir die Entwicklung hier lange Zeit wohlwollend beobachtet“, sagt Kempf.
Doch der Kolk hat sich nicht nur immer weiter in die Wiese eines Landwirts bewegt, sondern auch auf mehrere Kleingärten zu. Mauern und Zäune drohten bald abzurutschen. Da diese Entwicklung letztlich auch der nahen B270-Glanbrücke gefährlich hätte werden können, habe gehandelt werden müssen. Wie schnell sich Kolk entwickeln kann, habe Kempf vor Jahren bei Odenbach erlebt. Innerhalb von nur wenigen Tagen sei das Glanufer auf etlichen Metern abgebrochen: „Dort war das kein Problem und gewollt, aber hier mit Gärten und einer Brücke geht das nicht“, sagt der Fachmann.
Sieben Monate von der Idee bis zur Fertigstellung
Also seien er und seine Kollegen vor sieben Monaten in die Planung eingestiegen: „Von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung ging das also richtig flott.“ Fünf Wochen lang wurde gebaut: Kies aus dem Flussbett geholt und an anderer Stelle wieder eingebaut, Buhnen aufgeschüttet und gesichert sowie Steine als Lebensraum aufeinandergeschichtet. Um die „Insel Kreta“ herum ist der Glan dadurch – so sagt es Kempf – „strukturell aufgewertet“ worden. Das Wasser fließt jetzt links an der Insel schneller vorbei, rechts sind durch die Buhnen weitere Lebensräume geschaffen worden. Buhnen sind Steinschüttungen, die dazu dienen, das Ufer zu schützen und den Flusslauf in einer vorgegebenen Bahn zu halten. Die für den Glan typischen Fischarten Groppe, Barbe und Nase bis hin zur Elritze und anderen finden an der Stelle passende Bedingungen vor: Steinhöhlen hier, Flachwasserbereiche da, Tiefrinnen dort.
Wenn durch die Strömung Kies oder andere extra eingebaute Steine glanabwärts gespült werden, sei das kein Problem: „Die Materialien sind jetzt im System“, sagt Kempf und verdeutlicht es am Beispiel Totholz. Das bewege sich im Gewässer, lagere sich um und schaffe jeweils Lebensräume. Mal für Insekten, mal für Fische. Deshalb wird Kempf nicht müde, für Totholz im Glan zu werben. „Klar, das sieht immer unaufgeräumt aus, wenn da ein Stamm oder eine Baumkrone im Wasser liegen“, versteht er die Ansicht vieler Menschen. „Aber aus ökologischer Sicht ist Totholz sehr wertvoll.“
Baggerfahrer müssen die Strömung lesen
Auf der freien Fließstrecke zwischen Ulmet und St. Julian könne sich der Glan in Sachen Totholz „entwickeln, wie er will“, sagt Kempf. In Dörfern und Städten lasse die SGD Süd als zuständige Behörde von externen Unternehmen vor Brücken Totholz entfernen – als Hochwasservorsorge.
Gut 200.000 Euro haben die Arbeiten am Glan bei Lauterecken gekostet, ausgeführt von einer Fachfirma. „Gewässerbau muss man können“, zollt Kempf vor allem den Baggerfahrern und Bauleitern Respekt: „Die müssen die Strömung lesen können.“ Zwar werde in einem Plan eingezeichnet, wo ein Felsen oder ein Stamm eingebaut werden soll, aber auf der Baustelle liege die Entscheidung, wie das Material im Wasser eingebaut wird, bei den Handelnden vor Ort. Kempf: „So detailliert lässt sich das nicht planen.“ Für die Stelle bei Lauterecken attestiert er ihnen: „Gute Arbeit!“