Kreis Kusel Dem Klang der Fläche nachspüren

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Die moderne Architektur ist „das neueste Thema“ des Fotokünstlers Norbert Weber. Die Fassaden freilich sind nur ein Vorwand: Der Waldmohrer spürt in seinen Bildern stets dem Klang auf der Fläche nach. Die großformatigen Werke entstehen in mehreren Arbeitsschritten. Webers Atelier liegt hinter der Kamera und vor dem Bildschirm gleichermaßen.

Wenn Norbert Weber, geboren 1939 nahe Annweiler, Abitur in Homburg im Saarland und wohnhaft in Waldmohr, unterwegs ist mit der Kamera, dann beträgt die Ausbeute „höchstens drei Motive“. Im Homburger Uni-Klinikum, am Müllheizkraftwerk in Neunkirchen, vor der Grundschule in Brücken: Überall, wo Webers zunächst autodidaktisch und später, mit Mitte 60 schon, in einem Fernstudium an der freien Kunstschule Wiesbaden geschulter Blick auf Fassaden moderner Architektur trifft, kann er das Bild in Sekunden analysieren. Die zentrale Frage lautet immer: „Kann ich die Schwierigkeiten, die in der Realität vorhanden sind, am Computer ausgleichen?“ Denn die Arbeit am Computer, der zweite Arbeitsschritt vom hochaufgelösten Abbild der realen Architektur zum rhythmisierten Kunstfoto, ergebe nur Sinn, „wenn das Bild in Ordnung ist“, sagt Weber. Die Schwierigkeiten im Atelier der Straße klingen banal: Mal muss Weber sich der Fassade aus der Froschperspektive nähern, mal von der Seite, mal reflektieren Fenster, mal steht eine Straßenlaterne in Aufnahmerichtung. „Fleisch drumherum“ braucht der Fotokünstler für die spätere Konzentration auf die wesentliche Aussage, doch das Umfeld bildet er in keinem seiner in internationalen Fotonetzwerken virtuell und in Ausstellungen real gezeigten Bilder ab. „Direkt zu lokalisieren“ sind die fertigen Werke nie, die Weber selbst bis auf A2-Größe auf mattem Papier ausdruckt und für Ausstellungen in einem spezialisierten Labor in Baden-Württemberg auf Aluminium mit Schutzfolie ziehen lässt, „Höhe bis 1,40 Meter“. Örtlicher Wiedererkennungswert ist nicht gewünscht im Klang der modernen Fassaden, Allgemeingültigkeit der Bildsprache schon. „Es geht mir nicht ums konkrete Sehen, sondern darum, die Beziehung der einzelnen Elemente zueinander zu erfassen“, sagt Weber. Die Komposition ist in der Realität vorhanden; ein, zwei Klicks des Auslösers bannen sie in den digitalen Speicher, doch verbessert werden muss diese Basis am heimischen Computer: „Ich bin Fotograf, nicht Computerfreak“, erläutert der 75-Jährige, der seinen Lebensunterhalt als Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern verdiente, beim Besuch der RHEINPFALZ. „Mein Anliegen ist, in der Realität Bildklänge zu finden. Die müssen natürlich rein dargeboten werden, und deshalb brauche ich den Computer.“ Die Bildbearbeitung mit einem gängigen Programm hat sich Weber wie die Grundlagen seiner Fotografie autodidaktisch beigebracht. Klarheit, Struktur, Kontrast: „Fehler aus der Realität“ eliminiert er am Bildschirm, farbliche Nuancen durch den Sonnenstand zum Aufnahmezeitpunkt egalisiert er ebenso wie er Fassadenschmutz bereinigt und perspektivische Verzerrungen ausgleicht. Weber bringt Schiefe ins Lot und Leuchtkraft in Einklang, immer in kalkulierten Bildausschnitten. Mausklick zur Hilfslinie, Mausklick zum Farbwert: Zehn Minuten kann die Metamorphose vom digitalen Negativ zum fokussierten Kunstwerk dauern, oder eine Stunde oder auch länger: „Manchmal denke ich einen halben Tag über ein Problem nach, um es zu lösen.“ Selten gibt Weber ein Foto ganz auf, dennoch: „Nicht jedes Bild wird ausgedruckt.“ Die Qualität der Arbeit erkennt aber auch Weber nicht am Bildschirm, sondern erst auf dem Papier. „Fehler, die ich übersehen habe, sind dann offensichtlich“, sagt er. Die Farbigkeit sei dabei eher keine Klippe, aber beispielsweise Sensorflecken.

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