Kreis Kusel „Da stimmt alles“

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Echtheit, Originalität und schöne Klangfarben der Register: Diese Charakteristika zeichnen historische Orgeln aus, sagt der Kuseler Bezirkskantor Tobias Markutzik. Für die Stumm-Orgel in St. Julian trifft dies unbedingt zu. Sie gehöre von den historischen Orgeln in seinem Beritt sogar zu seinen Lieblingen, verrät Markutzik. „Hätte ich ein großes Wohnzimmer zu Hause, würde ich sie adoptieren“, meint er lachend. Aber dafür bräuchte der Kirchenmusiker tatsächlich ziemlich viel Platz. Denn das Instrument gehört zu den größten historischen Orgeln im Kirchenbezirk Kusel. Wenn es gut gemacht ist, stehen Kirche und Orgel von der Größe her in Relation zueinander, erläutert Markutzik. Und das ist in St. Julian – zwei Manuale, 14 Register – der Fall. Gerade bei Stumm-Orgeln sei die künstlerische Intonation und die Einbindung in den Kirchenraum charakteristisch, betont auch der Orgelbausachverständige der Pfälzischen Landeskirche, Gero Kaleschke: „Da stimmt alles.“ An gleicher Stelle gab es schon im zwölften Jahrhundert eine Kirche, von der nur noch der Turm mit römischen Spolien erhalten ist – einer der wenigen romanischen Kirchtürme im Kreis Kusel. Aus der CD-Serie „Historische Orgeln“ des Organisten Wilhelm Krumbach geht hervor, dass St. Julian bereits zuvor eine Stumm-Orgel besaß. Das Instrument aus dem Jahr 1778 mit einem Manual und 15 Registern sei 1874 aus dem Chor entfernt worden, als dieser abgetragen wurde. 1881 wurde die „neue“ Stumm-Orgel eingeweiht. Eine Restaurierung erfolgte 100 Jahre später durch den Berliner Orgelbauer Schuke. Kurz zuvor wurde auch die Kirche restauriert, erinnert sich Hans Ißle, der mit seiner Frau den Kirchendienst versieht. Die Orgel präsentiert sich gegenüber des Chores auf einer Holzempore. Der mächtige Holzschrein mit den Prospektpfeifen ist dreigliedrig und mit relativ schlichten Verzierungen versehen. Um an den Spieltisch zu kommen, muss man unter dem historischen Blasebalg hindurch. „Achtung, ducken!“, warnt Markutzik. Ißle erinnert sich, dass er als Kind zusammen mit anderen noch den Blasebalg im Gottesdienst getreten hat. Heute ist der Balg elektrisch, kann aber auf Fußbetrieb umgestellt werden. Die kleine Schwester dieser Kegelladenorgel steht in Pfeffelbach, ergänzt der Offenbacher Kreiskantor Roland Lißmann. Das St. Julianer Exemplar sei eine der ersten Kegelladenorgeln aus der Werkstatt Stumm. Markutzik zufolge verfügt die Orgel mit Manual- und Pedalkoppeln zudem über eine auffällig große Anzahl an Grundstimmen. Diese Achtfußregister entsprächen besonders dem romantischen Zeitgeist, erläutert er. Und was lässt sich auf dieser Orgel am besten spielen? „Das ist natürlich zunächst Musik aus der Entstehungszeit der Orgel“, betont Markutzik. Neben romantischer Musik aus dem 19. Jahrhundert eigne sich die Orgel für vieles. Dies machte jüngst auch Gerhard Müller aus Mannheim deutlich. Der Organist interpretierte zeitgenössische Rock- und Popmusik. Hauptorganistin ist in St. Julian Katja Abel, daneben kommen Günter Jammermann und Simon Jagoda zum Einsatz. Mehr als 60 Jahre lang spielte die verstorbene Gisela Huck die Orgel. Für Pfarrerin Bettina Lukasczyk ist Kirchenmusik ein ganz wesentlicher Teil der Gottesdienste. Musik sei eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit des Glaubens, die vor allem auch das Herz anspreche. „Die Orgel kann die verschiedenen Stimmungen der Gottesdienste im Laufe des Kirchenjahres zum Klingen bringen.“

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