Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: Der Landkreis steht auf Dunkel-Orange

Der Bürgerbus Kusel-Altenglan steht wegen Corona wieder still, die anderen im Kreis fahren noch.
Der Bürgerbus Kusel-Altenglan steht wegen Corona wieder still, die anderen im Kreis fahren noch.

Für zwei Stunden stand der Kreis am Freitag auf Rot. Dann leichte Entwarnung. Weil einige der Neuinfizierten nicht im Kreis wohnen, bleibt es bei Warnstufe Orange. Knapp. Konsequenzen hat die Entwicklung dennoch bereits.

Am Vormittag hieß es aus der Kreisverwaltung: Wir steigen auf Rot. Es wäre der dritte Farbwechsel binnen dreier Tage gewesen – vom unauffälligen Weiß zur höchsten Stufe. Doch dann stellte sich heraus, dass einige der neu positiv Getesteten nicht dem Kreis zuzuordnen sind. Am Ende waren es zehn Neuinfektionen – sechs im Oberen Glantal, drei in Kusel-Altenglan und eine in Lauterecken-Wolfstein. Der Inzidenzwert blieb mit 48,5 knapp unter der Rot-Marke von 50. Der Inzidenzwert berechnet die Anzahl der Neuinfizierten binnen sieben Tage, gerechnet auf 100.000 Einwohner.

Landrat Otto Rubly und seine Mitstreiter appellierten daher nochmals deutlich, es solle doch bitte möglichst jeder die Corona-Hygieneregeln einhalten. Denn sollte die Alarmstufe Rot erreicht werden und fünf Tage bleiben, müsste der Kreis weitere Einschränkungen vornehmen. Um mögliche Reaktionen auf den Anstieg zu besprechen, trifft sich am Samstag die Corona-Task-Force zu einer Telefonkonferenz.

Bundeswehr hilft

Größtes Problem derzeit für die Verantwortlichen: die Kontaktverfolgung. Die sei deshalb besonders schwierig, weil es keine Corona-Hotspots gebe, sondern eine Vielzahl von Einzelfällen. Zum Teil sei auch der Weg der Infektion gar nicht mehr nachvollziehbar. Die Kreisverwaltung hat daher um Unterstützung bei der Bundeswehr nachgesucht. Voraussichtlich acht Mitarbeiter sollen das Gesundheitsamt bei der Ermittlung und Information von Kontaktpersonen unterstützen.

Erste Konsequenzen hat der rapide Anstieg in den vergangenen Tagen – 34 Neuinfektionen binnen einer Woche, davon das Gros in den vergangenen drei Tagen – bereits. So hat das Westpfalz-Klinikum für alle seine Standorte ein Besuchsverbot verhängt. Ausnahmen seien in Absprache mit dem medizinischen Personal etwa bei der Begleitung von Schwerkranken oder Sterbenden sowie bei Geburten möglich. Bislang nur am Standort Kaiserslautern werden nun auch alle nicht notwendigen Operationen verschoben. Dort befinden sich 16 Beschäftigte nach positiven Tests in Quarantäne.

Bürgerbus stoppt

Der Bürgerbus Kusel-Altenglan stellt derweil seinen Betrieb wegen der steigenden Infektionszahlen ein. Die Bürgerbusse im Oberen Glantal und in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein fahren einstweilen weiter, beobachten die Situation aber ganz genau.

Robert Drumm, Koordinator des Bürgerbusses Kusel-Altenglan, sagte am Freitag, wenn man den Inzidenzwert nur für die Verbandsgemeinde berechne, stehe hier die Corona-Ampel bereits deutlich auf Rot. „Und dieses Gebiet müssen wir betrachten, denn hier fahren wir mit unseren beiden Bussen. Wir müssen sowohl unsere Fahrgäste als auch die ehrenamtlichen Fahrer schützen – denn viele von ihnen gehören zur Risikogruppe.“

Kusel-Altenglan hatte als einziger der drei Bürgerbusse im Kreis vor wenigen Wochen seinen Betrieb wieder ausgeweitet und auch Fahrten wieder übernommen, die nicht nur medizinischen Zwecken wie Arztbesuchen dienen. Die beiden anderen Bürgerbusse hingegen waren bei ihrem Fahrtkonzept nach dem Lockdown geblieben und hatten nur Fahrten zu medizinischen Zwecken durchgeführt. Daran wollen sie einstweilen festhalten, zumal sie ein funktionierendes Hygienekonzept haben. Die Entwicklung werde aber genau beobachtet und gegebenenfalls reagiert.

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