Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Buchhändlerin Beate Meyer: Bücher sind im Onlinehandel nicht günstiger

Beate Meyer sortiert Zeitschriften ein – auch die gehören zu ihrem Angebot.
Beate Meyer sortiert Zeitschriften ein – auch die gehören zu ihrem Angebot.

Inhabergeführt: Bücher gehörten zu den ersten Waren, die der Onlinehandel für sich entdeckte. Auch mehr als zwei Jahrzehnte später finden inhabergeführte Buchläden nach wie vor ihre Kunden. Dank Buchpreisbindung sind die Produkte ohnehin nicht teurer als im Internet, und die Beratung gibt’s quasi zum Nulltarif dazu.

Steigt man in der Lauterecker Hauptstraße die wenigen Stufen zur Buchhandlung Meyer hoch, wird man bereits erwartet: In einem Drehregal auf der rechten Seite schaut Perry Rhodan kritisch auf die Straße und auf die Besucher, die da kommen. Seit den frühen 1960er Jahren ist es der Titelheld der Groschenroman-Serie gewohnt, alles unter Kontrolle zu haben und Woche für Woche galaktische Abenteuer im „Solaren Imperium“ zu bestehen. Gleich neben ihm im Regal hat sich der Romanheld John Sinclair niedergelassen und wacht als Geisterjäger darüber, dass sich keine Geister oder Vampire unbemerkt in den Laden schleichen. Beide Romanhelden haben bei ihren Lesern ebenso Kultstatus erreicht wie die Figuren der Arzt- und Heimatromane, die sich ebenfalls in dem Drehregal befinden.

Begonnen hat alles 1953 mit einer Großhandlung für Tabakwaren und Tabakwaren-Zubehör, die Egon Meyer (geboren 1921 in Kaiserslautern) gründete und in einem kleinen Raum ohne Schaufenster in der Lautertalstraße betrieb. Als er seine Frau Ruth heiratete, erweiterte er sein Abgebot um Schreibwaren und bezog neue Geschäftsräume in der Hauptstraße 19.

Nach 35 Jahren Umzug an den heutigen Standort

In Lauterecken bezeichnete man Egon Meyer gerne als „Vereinsmeyer“ – was durchaus respektvoll gemeint war. Er war nicht nur Mitglied in vielen örtlichen Vereinen, sondern auch Vorsitzender des Südwestdeutschen Boxverbands. Gemeinsam mit Günter Wiewecke, seinem Freund aus Lauterer Tagen, gründete er auch die Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern, dessen Ehrenmitglied er war. Egon Meyer sind auch die Boxabende zu verdanken, die bis Anfang der 1990er Jahre ein beliebter Bestandteil beim Lauterecker Heimatfest waren. Im Gedächtnis vieler Lauterecker sind auch noch Länderkämpfe – beispielsweise gegen Österreich, wie sein Sohn Wolfgang erinnert.

1988 übernahm dessen Ehefrau, Beate Meyer, das Geschäft. Da die beiden das Haus in der Hauptstraße 24 gekauft hatten, bot es sich an, den Laden auch dorthin zu verlagern. Auf der 100 Quadratmeter großen Verkaufsfläche im Erdgeschoss war es nun möglich, die Waren großzügiger zu präsentieren und auch die Buchabteilung auszubauen. Die gelernte Industriekauffrau erhielt dabei weiterhin die Unterstützung der Schwiegereltern, die im Laden weiter mitarbeiteten.

Nur an zwei Werktagen in 36 Jahren geschlossen

Sie kenne die Vorlieben vieler ihrer Kunden und richte ihr Büchersortiment daran aus, sagt Beate Meyer. Die Kunden der Buchhandlung kämen auch, nachdem sie in Zeitschriften oder in der RHEINPFALZ Rezensionen gelesen hätten, um diese Bücher zu bestellen. Bei mehr als 70.000 Neuerscheinungen pro Jahr seien diese Rezensionen eine wertvolle Hilfe, befindet Meyer. Sie selbst liest gerne – wenn sie die Zeit dazu findet. Bücher von Charlotte Link und der schottischen Schriftstellerin Jenny Colgan gehören zu ihrer bevorzugten Lektüre. Thriller lese sie keine mehr. „Die Spannung dieser Bücher verleitet dazu, immer noch ein weiteres Kapitel zu lesen, da man wissen will, was weiter passiert.“ Da verliere man schnell die Zeit aus dem Blick.

In den 36 Jahren, seit Beate Meyer das Geschäft übernommen hat, kam es nur an zwei Tagen vor, dass es geschlossen war. „Wir haben Zeitungen und Zeitschriften hier, und unsere Kunden verlassen sich darauf, täglich ihre Zeitung bei uns kaufen zu können“, sagt Meyer. Diese Zuverlässigkeit sei ein wichtiger Aspekt, damit Läden auch in kleineren Städten und Orten bestehenbleiben. Wenn es viele Leerstände gibt, wirkt sich dies auf die Lebensqualität in einer Gemeinde aus. Deshalb sei es wichtig, den lokalen Einzelhandel in einem Ort zu stärken. Sie findet auch, dass in den Schulen stärker darauf hingewiesen werden könnte, dass es vor Ort eine Buchhandlung gebe. Zumal Bücher in Buchhandlungen den gleichen Preis hätten wie im Onlinehandel – dank der Buchpreisbindung.

Nur noch wenige Spielwaren

Hilfestellungen, auch in kleinen Dingen, gepaart mit einer guten Beratung sind laut Beate Meyer Grundlage für zufriedene Kunden. „Wir schicken schon mal ein Fax für einen Kunden weg oder stellen Fotokopien her. Es macht Spaß zu sehen, wenn ein Kunde das Gewünschte gefunden hat und zufrieden den Laden verlässt.“

Das Angebot des Ladens wird durch eine Lotto-Annahmestelle, einen RHEINPFALZ-Servicepunkt sowie eine GLS- und UPS-Annahmestelle ergänzt. Spielwaren führt die Buchhandlung Meyer nicht mehr als großes Sortiment. Puzzles, Spielkarten und kleinere Spiele, die gerne als Mitbringsel für einen Kindergeburtstag gekauft würden, finden sich jedoch immer noch in den Regalen des Geschäfts.

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