Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Brillenstudio Scherer schließt nacht 37 Jahren

Hans-Peter Scherer hört aus Alters- und Gesundheitsgründen auf. In seinem Brillenstudio waren zudem Scherers Frau Bernadette (re
Hans-Peter Scherer hört aus Alters- und Gesundheitsgründen auf. In seinem Brillenstudio waren zudem Scherers Frau Bernadette (rechts) und Angela Klinker beschäftigt.

Nach 37 Jahren ist Schluss. Ende Mai schließt das Brillenstudio Scherer in der Lauterecker Hauptstraße. Dass sich Inhaber Hans-Peter Scherer zurückzieht, sei nicht auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen.

Bunte Schilder zieren die Schaufenster des Brillenstudios Scherer in Lauterecken, machen die Laufkundschaft in der Hauptstraße auf Rabatte und auf vergünstigte Sonderstücke aufmerksam. Die Werbeoffensive von Inhaber Hans-Peter Scherer hat einen Grund. Denn am 31. Mai wird der 66-Jährige sein Geschäft schließen.

Nun, da das Ende des Geschäfts naht, ließen sich noch viele Kunden eine Brille anfertigen, obwohl sie eigentlich noch gar nicht nötig sei. „Wo soll ich jetzt denn hingehen?“ Diese Frage höre Scherer derzeit häufig. Von seinen Kunden erhielten er und seine Angestellten viel Dankbarkeit und Wertschätzung.

Kritik an Vorschriften und Bürokratie

Seit der Eröffnung Anfang Juni 1986 habe der Augenoptikermeister nicht nur den Anspruch an sich selbst gestellt, modische Brillen zu fertigen, sondern den Kunden alles rund ums Auge zu erklären sowie sich regelmäßig fort- und weiterzubilden, sagt er. Es sei ihm darum gegangen, sich beispielsweise viel Zeit bei der Augenglasbestimmung zu nehmen, mehr als dies Augenärzte leisten könnten, sagt Scherer. Auf diese Weise sei das Handwerk, in dem Scherer auch ausbildete, mehr und mehr zum Gesundheitshandwerk geworden.

Der 66-Jährige berichtet leidenschaftlich von seinem Beruf, der Medizin, Handwerk und Verkauf verbindet. Gerne hätte er auch weitergemacht. Doch das tägliche Pensum könne und wolle er ob seiner Gesundheit und seines Alters nicht mehr leisten. Zumal die Arbeit nicht beendet sei, wenn die Ladentüren schließen – pro Woche umfasse die Arbeitszeit mindestens 50 Stunden. Wirtschaftlich stehe das Unternehmen gut da. Die Corona-Zeit sei zwar etwas schwierig gewesen, sei aber gut gemeistert worden. Kritischer sieht Scherer die „wachsende Flut von Vorschriften“ und die Bürokratie, die für viel Zeit am PC sorge, Zeit, die er lieber dem Kunden gewidmet oder in der Werkstatt verbracht hätte.

Noch kein Nachfolger gefunden

Die Suche nach einem Nachfolger laufe seit einiger Zeit und soll noch ausgeweitet werden. Ladeneinrichtung und Werkstatt seien vorhanden, und der Optikermeister würde einem Nachfolger, wenn gewünscht, anfangs auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Neben seiner Frau Bernadette, die im Büro und im Verkauf tätig ist, gibt es noch eine Angestellte, die sich nun beruflich neu orientieren wird. Weiterhin sei es Scherer bisher nicht gelungen, ein anderes Geschäft vor Ort zu finden, dass das entsprechende Platzangebot für das kleine Fotostudio hat.

Über neue und alteingesessene Läden

Dass in Innenstädten weniger los ist, sei kein Lauterecker Problem, sondern eines der gesamten Region, sagen Stefan Jacob und Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis unabhängig voneinander. „Aber im Vergleich zu Wolfstein steht die Stadt gut da“, macht Jacob, dessen Frau Marion das Traditionsgeschäft Kirchner führt, deutlich. Er höre zwar immer wieder, dass in der Veldenz-Stadt das Angebot nicht so groß sei, dem stimme er aber nur teilweise zu: Es gebe schon einiges, betont Jacob.

Dem Standort und speziell der Innenstadt zugewandt ist Lena Weber. Sie ist mit „Lena´s Nähwerkstatt“ zum 1. April einige Häuser weitergezogen und seither unter dem im August 2022 wiedereröffneten City-Sonnenstudio von Gabriele Schuff zu finden. Am neuen Standort hat sie ihr ursprüngliches Sortiment – selbstgenähte Kleidung und Accessoires – um Schmuck erweitert. Der Zuspruch sei ungebrochen, nur habe sich noch nicht überall herumgesprochen, dass sie nun in der Hauptstraße 32 zu finden ist.

„Wir machen weiter – noch etliche Jahre“, zeigt sich Jacob zuversichtlich. Das Traditionsgeschäft Kirchner laufe gut. So lange gesundheitlich alles passe, wird das von seiner Frau Marion geführte Geschäft für Eisenwaren, Hausrat, Werkzeuge und Geschenke in der Hauptstraße weiterbestehen, betont er. Doch schon jetzt sei klar: Einen Nachfolger für das Geschäft wird es wohl nicht geben.

Online-Handel ein Problem

Damit Menschen auf das Angebot in der Stadt aufmerksam werden, besteht seit 33 Jahren die Werbegemeinschaft „Erlebnis Lauterecken“, deren Vorsitz Jacob von Beginn an innehat. Durch die Pandemie sei bei der Werbegemeinschaft aber der Elan etwas verlorengegangen. Er hofft, dass wieder Tempo in die Sache kommt.

Ursachen für die Schwierigkeiten bei inhabergeführten Geschäften sieht Stefan Jacob nicht nur im Fehlen von Nachfolgern, sondern auch im von Großhandel und Industrie forcierten Internethandel. Das erschwere es den kleinen Geschäften vor Ort, ihre Waren an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. In der Pandemie hätten zwar viele jüngere Kunden die Geschäfte für sich entdeckt. Allerdings scheinen auch viele, die mit dem Internet aufgewachsen sind, an den Onlinehandel verloren. sbs

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