Vor der Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel Blick in die Ortsgemeinden (X): Welche Ortsbürgermeister machen weiter?

Das große Thema: Wie kann es gelingen, mit hohen Rädern und flachen PV-Modulen Geld in leere Gemeindekassen zu spülen?
Das große Thema: Wie kann es gelingen, mit hohen Rädern und flachen PV-Modulen Geld in leere Gemeindekassen zu spülen?

Am 9. Juni werden die kommunalen Parlamente neu zusammengesetzt, wird über ehrenamtliche Ortsbürgermeister abgestimmt. Bis dahin wird die RHEINPFALZ in alle 98 Gemeinden des Landkreises schauen. Welche Amtsinhaber kandidieren noch einmal? Was lief gut – und was gilt es voranzutreiben?

Niederstaufenbach. Eine weitere Amtsperiode als Ortsbürgermeister von Niederstaufenbach strebt Karl Hahnenberger an. Der 62-Jährige steht seit zehn Jahren an der Spitze der Ortsgemeinde, kann auf eine 25-jährige Laufbahn im Gemeinderat zurückblicken. Die meisten Ratsmitglieder wollten ebenfalls weitermachen, sagt Hahnenberger. Was den Ortschef, der sich die Entscheidung um eine erneute Kandidatur nicht leicht gemacht hat, besonders umtreibt: die Finanzen. Beim Thema Windräder und Photovoltaik-Anlagen als mögliche Einnahmequellen sei die Gemeinde mit vergleichsweise kleiner Gemarkung außen vor. „Die meisten Flächen fallen ins Naturschutzgebiet rein“, sagt der Niederstaufenbacher. „Wo sollen wir also Geld herkriegen?“ Stolz sei er auf die „saugute Vereinsgemeinschaft“. Viele Feste gebe es in der knapp 270 Einwohner zählenden Gemeinde, die von vielen helfenden Händen realisiert würden. So habe etwa der Stammtisch ein Oktoberfest ins Leben gerufen, der Dorfverein einen Dorfflohmarkt auf die Beine gestellt. Bei der Kerwe muss im Prinzip das ganze Dorf mitanpacken, erzählt der Ortschef. Seit neuestem gebe es nun auch einen neu gegründeten Landfrauenverein in Niederstaufenbach.

Karl Hahnenberger
Karl Hahnenberger

Buborn. Wenn nur nicht einiges so zäh verliefe ... Philipp Kreischer aber kann für sich eine positive Bilanz seiner ersten Amtsperiode als Ortsbürgermeister von Buborn ziehen. Nicht zuletzt dies mag ihn bewogen haben, nun erneut zu kandidieren. Damit, sein Ja in die Öffentlichkeit dringen zu lassen, hatte sich Kreischer der RHEINPFALZ gegenüber bewusst Zeit bis zum Ende der Bewerbungsfrist gelassen, wie er früh schon mitgeteilt hatte. Inzwischen steht fest, dass er einziger Bewerber ist – und sich wohl auch auf bewährte Mitstreiter verlassen kann: Auf die Frage, ob sich die aktuellen Ratsmitglieder zur Wiederwahl stellen, antwortete Kreischer: „Abgelehnt hat es mal keiner.“ Zehn Jahre lang hatte Kreischer als Mandatsträger Erfahrung in der Kommunalpolitik gesammelt, ehe er nach zwei Wahlperioden im Rat im Jahr 2019 auf dem Sessel des Ortsbürgermeisters Platz nahm. Zudem gehört Kreischer dem Verbandsgemeinderat an. Was ihn freut, wenn er auf seine erste Legislaturperiode zurückblickt: „Der Glasfaserausbau ist abgeschlossen – was aber nicht unbedingt alleine mein Verdienst ist“, wie er wohl augenzwinkernd anmerkt: „Wir hatten Glück, dass Pfalzconnect das doch recht zügig gemacht hat.“ Was ab und an weniger erfreulich gewesen sei: „Manche Dinge laufen eben durch unsere Bürokratie und Verwaltungsaufwand echt zäh“, hat auch Kreischer erfahren müssen. In Buborn gibt es am 9. Juni wie gewohnt eine Personenwahl.

Philipp Kreischer
Philipp Kreischer

„Wir sind ein kleines Dorf – da muss man ja schon mit Kleinigkeiten zufrieden sein“: Michael Hildebrand klingt im Rückblick auf seine zehn Jahre währende Amtszeit als Ortsbürgermeister von Nerzweiler nicht allzu enthusiastisch – angesichts der Tatsache, dass die Ortsgemeinde keinerlei Geld mehr übrig habe. „Wir tätigen ja schon länger keine Investitionen mehr“, sagte er, gleichwohl hatten die rund 100 Bürger Nerzweilers vor zwei Jahren den höchsten Hebesteuersatz bei der Grundsteuer B verkraften müssen und sich mit einer weiteren Anhebung entsprechend schwergetan. Hildebrand war vor zehn Jahren urgewählt worden, vor fünf Jahren nicht mehr, da hatte ihn der Ortsgemeinderat in seinem Amt bestätigt. Allzu viel habe er nicht anpacken können: „Bei uns läuft alles sehr langsam“, sagt er mit Blick auf das Dilemma, das sich etwa beim Bürgerhaus offenbart: Da ist es mangels finanzieller Mittel für eine Sanierung zu spät. Das Haus ist alt, hat keine Heizung. Mithin fehlt auch ein Treffpunkt in der kleinen Gemeinde. Hildebrand hat sich längst entschieden, nicht noch einmal zu kandidieren. Ein Nachfolger scheint nicht in Sicht, zumindest eine Urwahl wird es nicht geben.

Michael Hildebrand
Michael Hildebrand

Hinzweiler. „Tja, wenn sich nur ein Investor finden würde. Er könnte sofort loslegen ...“: Ortsbürgermeister Gunter Suffel fehlt etwas zum Glück, obwohl seine Heimatgemeinde etwas fast schon Exklusives vorzuweisen hat: ein bereits genehmigtes Neubaugebiet. Doch ist es eben auch ein nicht gerade kleiner Wermutstropfen, dass die Ortsgemeinde Hinzweiler selbst nicht in der Lage ist, die Verwirklichung selbst zu stemmen. Immerhin: Zeigt sich andernorts, dass im Zuge des Flächennutzungsplanverfahrens künftig sogar Bauland fehlt, sind immerhin die Voraussetzungen da. Und die Hoffnung, dass ein privater Entwickler einsteigt, kann Suffel in seiner nächsten Amtsperiode hegen. Die ist greifbar, tritt doch Hinzweilers Ortsbürgermeister am 9. Juni erneut an. Er ist einziger Bewerber, würde im Falle seine Wahl die dritte Amtszeit antreten. Zuvor hat Suffel, der auch dem Verbandsgemeinderat angehört, bereits binnen zweier Legislaturperioden Erfahrung im Gemeinderat gesammelt. „Wir sind eben finanziell nicht auf Rosen gebettet“, gibt Suffel zu bedenken – doch umso weitläufiger schweift der Blick, was trotzdem gelungen ist. Etwa der Anbau an der „Villa Winzig“: Die Kindertagesstätte zu vergrößern, war ein Kraftakt, mit 350.000 Euro schlägt die Erweiterung um einen Grupperaum zu Buche. „Aber das war wichtig“, sagt Suffel. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt, die Runderneuerung einiger Ortsstraßen, zudem die Verbesserungen auf dem Friedhof: In Sachen dörflicher Infrastruktur sei einiges getan worden. Dazu zählt ein weiteres Projekt, das der Dorfgemeinschaft zugute kommt: Die Königslandhalle bietet nach umfassender Sanierung Gemeinde und ansässigen Vereinen eine noch einladendere Heimstatt. Zur Urwahl tritt Suffel in seiner Heimatgemeinde als Einzelbewerber an. Der Kreis seiner potenziellen Mitstreiter wird sich indes verändern: Vier von acht Ratsmitgliedern trügen sich mit konkreten Rückzugsgedanken.

Gunter Suffel
Gunter Suffel

Rutsweiler an der Lauter. Den Impuls geliefert hatte eine lapidare Bemerkung am Rande – nebensächlich eigentlich. Da habe doch tatsächlich eine Mitbürgerin kundgetan, sie wolle am zweiten Oktober-Wochenende die Kerwe in einem Nachbarort aufsuchen – just zu jenem Termin also, da auch in Rutsweiler an der Lauter „Kerb“ gefeiert wird. Dass Dirk Landfried von diesen Plänen einer Mitbürgerin Wind bekam, hatte Folgen: Seither ist die „Rutswiller Kerb“ mit einem Gütesiegel versehen. Mehr Programm geht in einem Dorf gar nicht. Da ist was los, da wird etwas geboten: Dies ist so ganz nach dem Geschmack des „alten“ und mutmaßlich auch neuen Ortsbürgermeisters. Landfried wird sich nach zwei Amtsperioden erneut dem Votum aller Rutsweilerer stellen. Deren Gemeinschaftssinn ist es, der den zuvor schon 20 Jahre dem Rat angehörenden Wahl-Rutsweilerer mit Wolfsteiner Wurzeln ins Schwärmen geraten lässt. Wenn sich bei der Um- und Neugestaltung des Bürgerhauses letztlich ein gut und gerne sechsstelliger Betrag hat einsparen lassen, so sei dies immenser Eigenleistung zu verdanken. Die zeige sich auch im Areal rund um den Treffpunkt, das ansprechend angelegt wird. Der Ortsbürgermeister verweist in seiner Zwischenbilanz auf den hohen Wohnwert, der der Gemeinde beigemessen werde: Rutsweiler sei offenkundig sehr begehrt, erfahre eine Aufwertung durch die schnelle Datennetz-Verbindung.

Apropos Verbindung: Die Zuwegung zum Lammelbacherhof zählt, wie die Anlage von Gehwegen innerorts, zu den merklichen Verbesserungen, die realisiert worden seien. Viel sei indes noch zu tun – Landfried will es gerne anpacken. Für die Wahl des neuen Ortsgremiums präsentiert seine Partei, die SPD, eine umfangreiche Wahlliste. Im Grunde sei im Ort das meiste im Lot. Was Landfried als Fraktionssprecher im Verbandsgemeinderat aber auch offen kritisiert hat: Dass die VG den Ortsgemeinden bei der Festsetzung der Umlage nicht mal um einen halben Prozentpunkt habe entgegenkommen wollen.

Dirk Landfried
Dirk Landfried
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