Schönenberg-Kübelberg
„Bible Art Journaling“: Die Bibel als bemaltes Tagebuch
Es ist eine ungewöhnliche, künstlerische Art, sich den Texten der Bibel zu nähern. Aber die Frauen, die sich dem „Bible Art Journaling“ widmen, sind davon angetan. Sie treffen sich zu ihrer Bibelauslegung alle vier Wochen im protestantischen Gemeindehaus in Schönenberg-Kübelberg. Voll beladen betritt Dorothee Hauck mit ihrer Tochter Berenike das Gemeindehaus. Sie tragen zum einen Essen hinein, zum anderen jede Menge Stifte verschiedener Natur, Sticker, Stempel, Fixierspray. Kurz: Vieles, was zum Zeichnen, Malen oder Verzieren von Schriftstücken zu verwenden ist. Was es damit auf sich hat? Dorothee Hauck schmunzelt. „Das meiste davon werden wir nachher brauchen.“
Nach und nach trudeln die anderen sechs Frauen ein. Berenike hat inzwischen Musik aufgelegt. Einige packen ihre Bibeln aus. Es sind keine gewöhnlichen, sondern welche mit dickem Papier und großen Seitenrändern.
Psalm in Videoform
„Wir wollen beginnen“, sagt Dorothee Hauck und spricht ein Gebet. Nun öffnet sie ihre Bibel: „Wir widmen uns heute Psalm 139.“ Der Titel lautet „Gott kennt mich“. Wer kein eigenes Buch hat, nimmt die kopierte Vorlage zur Hand. Ausnahmsweise lässt Hauck ein Video laufen, auf dem der Psalm mit ansprechenden Bildern unterlegt vorgetragen wird. Normalerweise liest die Gruppe lediglich die Bibelstelle vor.
„Es ist ein langer Text, in dem viel drin steckt“, sagt die Leiterin. Die anderen nicken zustimmend, beugen sich über ihr Blatt oder Buch. Jede studiert nochmals die 24 Verse des Psalms. Was ist hängengeblieben, was fällt auf? Schweigen. Deborah ergreift das Wort: „Der Vers 16 hat mich angesprochen. Es beruhigt mich zu wissen, dass Gott mich kennt, sogar besser als ich mich selbst. Denn er ist mein Schöpfer.“ Mona hat „alles gut gefallen“. Als besonders positiv wertet sie, dass „Gott einen Plan hat, dass nichts grundlos passiert“. Er sehe selbst in die Herzen der Menschen. „Dass wir nicht allein sind, selbst wenn wir das denken, wie es in Vers fünf heißt“, findet Jessica tröstlich. „Gott ist immer da, er passt auf uns auf. Das ist doch schön zu wissen.“ Jedes Gruppenmitglied nennt mindestens eine Stelle, die ihr besonders zusagt.
Bibelstellen bildlich umsetzen
Wenn alle ihre Gedanken geäußert haben, schaltet Berenike wieder die Musik ein, während ihre Mutter Stifte und andere Malutensilien auf den Tischen anordnet. Nun heißt es, die Bibelstelle, die besonders angesprochen hat, bildlich umzusetzen. Die meisten überlegen kurz, gehen dann behänd ans Werk.
Dorothee Hauck malt in die linke obere Seite ein großes rotes Herz. Nachher wird sie großflächig Gelb auftragen: „Das ist der Lichtstrahl, der mir sehr nahegeht.“ Die blauen Wellen am Blattende erzeugt sie durch intensives Verwischen der Pastellkreide. Jacqueline befasst sich mit Vers acht. Sie stellt die Hölle in Rot und den Himmel in Hellblau dar. Eine Treppe führt von unten nach oben. Sophia wiederum hat einen Menschen in der Wüste gemalt, der sich selbst im Spiegel sieht und erkennt. Kurz stellen die Frauen ihre Interpretationen, Gedanken und Zeichnungen vor. Es wird noch geplaudert und gelacht und geplant.
Verbindung zwischen Lesen und Malen
Deborah kommt gern her. Sie liest auch zu Hause häufig in der Bibel, unterstreicht dann ihr wichtige Passagen. Spannend findet sie die Verbindung zwischen Lesen und Malen. „Ich konzentriere mich auf einen Aspekt, den ich darstelle.“ Sehr viel gebe ihr der Austausch am Ende.
„Die Idee des Bible Art Journaling ist eine Momentaufnahme. Was geht mir durch den Kopf, welche Bilder entstehen in mir, wenn ich eine bestimmte Passage lese“, erklärt Hauck. Und irgendwann, ist sie sich sicher, „werde ich meine Bibel an dieser Stelle wieder aufschlagen, mir meine Zeichnung und damit meine Gedanken nochmals in Erinnerung rufen“. „Journaling“ stehe nämlich für Tagebuch.
Hauck und Ana Fleischer haben diesen Umgang mit der Bibel bei einer Mutter-Kind-Freizeit kennengelernt. „Wir waren so begeistert, dass wir uns direkt entschlossen haben, einen solchen Bible-Art-Journaling-Treff bei uns einzurichten.“ Corona machte zunächst einen Strich durch die Rechnung. Doch im Februar dieses Jahres „hat es endlich geklappt“. Die Gruppe sei offen für alle, ohne jegliche Verpflichtung, betont Hauck. Getragen wird das Ganze vom CVJM.
Info
Der nächste Abend „Bible Art Journaling“ ist am Donnerstag, 14. Dezember, 17 Uhr, im protestantischen Gemeindehaus Schönenberg. Auskunft erteilt Dorothee Hauck, E-Mail: dorothee.hauck@gmx.net.