Burg Lichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Beim Uhu-Singe-Camp träumen die Männer „einen Traum von Amoooohr“

Die Coaches – vorne Johannes Rutz und im Hintergrund Martina Veit – hören bei den Proben genau hin.
Die Coaches – vorne Johannes Rutz und im Hintergrund Martina Veit – hören bei den Proben genau hin.

Gemeinsam singen, Spaß haben und dabei noch ein bisschen über Gott und die Welt philosophieren: Das bieten die Organisatoren des Uhu-Singe-Camps auf Burg Lichtenberg.

Mit rhythmischem Klatschen und Fußstampfen schlagen die 35 Sängerinnen und Sänger auffordernd den Takt an. Nach der Kaffeepause am Vormittag sind sie wieder bereit für mehr. Matthias Stoffel versteht das Signal, eilt zum Keyboard und spielt ein paar Takte zur Einstimmung. Und schon tönt der Chor „Sag mir quando, quando, quando ...“.

Das Uhu-Singe-Camp in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg ist nicht etwa etwas für Vogelstimmen-Kundler. Seit vielen Jahren schon vom Kreischorverband Nordwestpfalz angeboten, widmet es sich auf Initiative von Angelia Rübel der älteren Generation, genauer, den Unter-Hundertjährigen – scherzhaft Uhus genannt. So richtig unter hundert scheint allerdings keiner der Teilnehmer zu sein. Richtung 90? „Doch“, sagt Musiklehrer Stoffel, das könnte schon sein. Er schätzt das Durchschnittsalter der – übrigens meist weiblichen – Teilnehmer auf 70 plus.

Zwischendurch wird’s gymnastisch

Die Frage nach dem Alter ist nicht leicht, denn alle 35 wirken fit und fröhlich, und die Stimmen sind es sowieso. Das bescheinigt auch Gesangspädagogin Martina Veit auf Anhieb. Die Sängerin aus dem saarländischen Güdesweiler ist neben Matthias Stoffel als Coach dabei. Ebenso wie Johannes Rutz, Chorleiter und Cellist aus Erdesbach und Lehrer an der Kreismusikschule Birkenfeld. Initiatorin und Kreischorleiterin Angelika Rübel hat es wegen einer Verletzung diesmal nicht auf die Burg geschafft, wie sie im Vorfeld bedauerte.

Während Rutz die Herren betreut, achtet Veit darauf, was die Damen singen.
Während Rutz die Herren betreut, achtet Veit darauf, was die Damen singen.

Kurze Unruhe, Notenblättergeraschel. Matthias Stoffel wechselt vom Keyboard in die Mitte, um direkt Anweisungen zu geben. Und die sind durchaus gymnastischer Natur: Er geht in die Knie, streckt sich, beugt sich vor, wieder zurück, noch mal auf die Zehenspitzen. Dazu schnalzt er den Takt mit dem Daumen und singt die Melodie vor. „Bisschen locker, richtig locker“, animiert er die Gruppe der Alt-Sängerinnen, beim „da, da, da, da da“ die Hemmungen einfach fallen zu lassen. „Perfekt, lasst es uns tun“, stimmt er zufrieden ein.

Nicht nur „Wiederholungstäter“ sind dabei

Die Männer sind bei diesem Camp deutlich unterrepräsentiert, dennoch unüberhörbar. Dafür sorgt auch Johannes Rutz, der sich vor allem um die Herren-Stimmen kümmert. Sie haben in den Tonhöhen starke Sprünge zu absolvieren – hoch und runter – und Rutz macht es vor, geht hoch und runter, fast bis auf die Knie. „Lass uns träumen am Meeehhhr, einen Traum von Amoooohr“, singen die Männer, und fast wähnt man sich in einem Romantikstreifen. „Supertoll“, ruft Stoffel, „das lassen wir gerade so.“

Der dritte im Trainer-Bunde: Matthias Stoffel (Mitte).
Der dritte im Trainer-Bunde: Matthias Stoffel (Mitte).

Neben zahlreichen „Wiederholungstätern“, die durchaus auch aus der Ferne erneut zum Singe-Camp gekommen sind und in der Jugendherberge übernachten, ist in diesem Jahr rund ein Drittel der Teilnehmer neu, registriert Stoffel. Drei Themen wurden für das Repertoire unter der Überschrift „Lust auf Leben“ auserwählt: Gemeinschaft, Leben, Träume. „Da geht es auch darum, wovon ich träume. Was kann ich noch, was konnte ich mal, und kann ich nicht alles sowieso, wenn ich träume?“, schildert Chorleiter Stoffel. Der Fokus liegt auf der Freude am gemeinsamen Singen für Leute ab 60. Es sollen Lebensfreude und Fernweh mit Mut und Entdeckerlust kombiniert werden. Ausgesucht wurden für die drei Tage vor allem Schlager mit deutschen Texten unter anderen von Jürgen Marcus und Udo Jürgens, doch auch ein Tango und Kanons sind dabei.

„Sie sind eigentlich zu jung!“

Eine der weitesten Anreisen hatten Sänger dem Rheinland bei Linz. Viele sind aus dem Kreis Kusel dabei, aber auch darüber hinaus ist das gesamte Gebiet des Kreischorverbands Nordwestpfalz vertreten. „Das Niveau ist anspruchsvoll“, sagt ein Teilnehmer zufrieden. „Singen kann man bis ins hohe Alter“, berichtet eine Frau, eine weitere Gruppe aus Kaiserslautern ist nicht zum ersten Mal dabei und hat sichtlich Spaß.

Probe fürs Abschlusskonzert in der Kirche auf Burg Lichtenberg.
Probe fürs Abschlusskonzert in der Kirche auf Burg Lichtenberg.

Sonnenstrahlen scheinen durch die kleinen Fenster der Zehntscheune. Draußen schauen neugierige Touristen vorbei. Die Sänger sitzen in einem großen Rund. Neben der XXL-Kaffeemaschine wartet ein Teller mit akkurat geschnittenen Gurkenscheibchen auf Gemüsefreunde. Auch reichlich Kuchen und Plätzchen stehen zur Stärkung bereit. Kurz vor der Mittagspause geht es noch mal um Rhythmus und die richtige Atemtechnik. „Sie sind eigentlich zu jung!“, Stoffel geht auf eine deutlich von der 100 entfernte Sängerin zu, die direkt antwortet: „Sie auch!“ Die Sängerin hat sich nicht etwa eingeschlichen, sondern hilft bei der Organisation, wie sie der RHEINPFALZ verrät.

Beim nächsten Takt sieht Stoffel noch Luft nach oben: „Der letzte Ton war nix“, meint er. „Lautstärke ist nicht immer der beste Weg“, Hörbarkeit könne auch durch Intensität erreicht werden, empfiehlt er. Anschließend geht es in die kleine Kirche, wo die Gruppe eine Probe absolviert. Das offizielle Abschlusskonzert soll im Herbst stattfinden.

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