Lauterecken / Kusel
Bald Akkuzüge im Lautertal
Leise, umweltfreundlich, komfortabel: In den Wagen der neuesten Schienenfahrzeug-Generation solle das Bahnfahren so richtig Spaß machen. Das versprechen der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz - Süd und die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz. Ab Ende 2026, Anfang 2027 sollen mit elektrischer Energie angetriebene Züge auch zu den Bahnhöfen in Lauterecken und Kusel rollen. Und dies, obgleich bislang weder die Lautertal- noch die Glantalstrecke elektrifiziert sind.
Wie das funktioniert, das haben Michael Heilmann, Geschäftsführer des Nahverkehrs-Zweckbverbands, und Gesamtprojektleiter Manuel Kreuzer von der Deutschen Bahn jetzt den politisch Verantwortlichen in der Kreis- und in der Veldenzstadt präsentiert. Denn an den Bahnhöfen in Kusel und Lauterecken gibt es zusätzlich noch einiges zu tun. Den Fahrplan kennen die jeweiligen Stadträte. Damit verbundene Bauarbeiten aber sollten zu verkraften sein: Immerhin bringe die Bahnhofszukunft hier wie dort Vorteile. Zum Beispiel merklich weniger Lärm. Den Zug werde man fahren hören, jedoch wird er zu den Dieselfahrzeugen beim Stehen lautlos sein. Das Dröhnen warmlaufender Dieselmotoren solle bald der Vergangenheit angehören, versprach Heilmann.
Insgesamt 44 neue Züge
Ohnehin waren Neuanschaffungen fällig, eine Ausschreibung hatte angestanden. Wieder hat die Bahntochter DB Regio als wirtschaftlich günstigster Bieter das Rennen gemacht, wie Heilmann erläuterte. Man habe sich vorab über eine zukunftsfähige Antriebsart Gedanken gemacht und sich – nicht zuletzt gestützt auf Fachgutachten – für Elektroantrieb entschieden. In spätestens dreieinhalb Jahren sollen in der gesamten Pfalz auf insgesamt 240 Kilometern Bahngleisen 44 neue Züge rollen, die umweltfreundlich und in absehbarer Zeit sogar klimaneutral sind. Letzteres verspricht man sich laut Heilmann im Zuge der Möglichkeit, in absehbarer Zeit Ökostrom nutzen zu können.
Die neuen Fahrzeuge sind im Kern Elektrotriebwägen. Damit sie aber auch bis Kusel oder Lauterecken kommen, müssen sie mit zusätzlichen Akkus ausgestattet werden. Die aufladbaren Stromspeicher sollen es erlauben, dass die Züge aus eigener Kraft von Kaiserslautern bis Lauterecken und umgekehrt gelangen. Gleiches gilt für den Endhaltepunkt Kusel, von dem aus die Distanz bis Landstuhl zu überwinden ist. Ab dort ist die Strecke elektrifiziert.
300-Meter-Abschnitte mit Oberleitung
Bis Kusel und Lauterecken aber führen nach wie vor keine Oberleitungen. Die sollen auch nicht gebaut werden, die Teilstrecken seien mit den Akkus zu bewältigen. Allerdings müssen diese an den beiden Stationen wieder aufgeladen werden.
Deshalb gilt es, in der Veldenz- wie in der Kreisstadt sogenannte Oberleitungsinselanlagen zu bauen. Gleisabschnitte von etwas mehr als 300 Metern sollen mit Oberleitungen ausgestattet werden. Die erlauben dann das Aufladen der Akkus. Manuel Kreuzer erklärt, dass die sogenannten Ladeunterwerke wie eine Fertiggarage aussehen. In Lauterecken soll die Anlage im Parkplatzbereich der Firma Cellpack entstehen – der Kauf müsse allerdings noch erfolgen. Die Oberleitung zu beiden Gleisen wird von dort zum Bahnhof führen und rund 5,5 Meter hoch sein. Die Bauarbeiten sollen Anfang bis Mitte 2026 in Lauterecken starten.
Pfalzweit müssen nur fünf der sogenannten Oberleitungsinseln gebaut werden, um das gesamte Netz zu schließen und überall mit Elektroantrieb hin zu gelangen: in Landau, in Winden (Landkreis Germersheim), an der Biebermühle (Bahnhaltepunkt Pirmasens Nord) sowie die beiden im Kreis Kusel.
Taktung bleibt gleich
Der Zweckverbandsgeschäftsführer betonte, dass die neuen Fahrzeuge nur Vorzüge böten. So sollen die neuen Züge barrierefrei sein – durch den ebenerdigen Ein- und Ausstieg sowie eine behindertengerechte Toilette. Der Komfort solle merklich steigen. Neben mehr Sitzplätzen wird es WLan und Echtzeitkundeninformationen geben.
Heilmann bezifferte auch, welche Größenordnung das Projekt bei der Abkehr von fossilen Brennstoffen bringe: DB Regio spare ab der Einführung rund fünf Millionen Liter Diesel pro Jahr.
An der Taktung solle sich auf den Strecken nichts ändern. Jedoch zeigten sich Heilmann und Kreuzer überzeugt, dass durch die höhere Beschleunigung des E-Triebwagens eine Art Pünktlichkeitspuffer herauszufahren sei, sodass die Fahrplanstabilität steigen werde.
Die Gegenwart allerdings sieht noch ganz anders aus: Laut Heilmann fahren derzeit alte Züge, um weitere Ausfälle zu vermeiden. Vor allem auf der Lautertalbahn kommt es seit Herbst immer wieder zu Zugausfällen. Der Zweckverbandsgeschäftsführer nannte die Situation „unbefriedigend“.