Konken
Bäckerei Müller unter vorläufiger Insolvenzverwaltung
Die Verwaltung hat die in Mannheim und Kaiserslautern ansässige Kanzlei Rochade Anwälte übernommen. Nach deren Angaben gehört die Bäckereibranche wegen des hohen Bedarfs an Gas und Strom zu jenen, die von der Energie-Krise besonders betroffen sind. Auch der Preisanstieg von Rohstoffen sowie die Anhebung des Mindestlohns habe zu einem unvermeidlichen Anstieg der Lohnkosten geführt. Diese Teuerungen habe die Bäckerei nicht 1:1 an die Kunden weiterreichen können, teilt Rechtsanwalt Michael Wellstein, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, am Freitagnachmittag auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Die Folge: Das Unternehmen von Volker Müller mit 103 Arbeitnehmern befindet sich seit Donnerstag unter vorläufiger Insolvenzverwaltung.
Die Großbäckerei ist vor knapp 27 Jahren gegründet worden, hatte sich ursprünglich aus einer Backstube heraus entwickelt. Bis zu 200 Mitarbeiter waren in den Hochzeiten beschäftigt. Neben den 20 Bäckereifilialen werden auch Großkunden mit Backwaren beliefert.
Für eine Weiterbelieferung sei gesorgt, in den nächsten Tagen stünden weitere Gespräche mit Geschäftspartnern an, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter mit. Er betont, dass sich Müller sehr kooperativ zeige. Die Produktion und der Verkauf in allen Filialen seien unbeeinträchtigt und sollen aufrechterhalten bleiben.
Mitarbeiterversammlung nächste Woche
„Positiv führt das Unternehmen einen Umsatzzuwachs in den letzten Monaten von über zehn Prozent an, ebenso wie kürzlich erteilte Aufträge und weitere Chancen bei Großabnehmern“, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter mit. Die erwartete Umsetzung der Energiepreisbremse ab kommendem Jahr lasse zudem eine Minderung der aktuellen Zusatzkosten für Strom und Gas in der Großbäckerei erwarten. „Die Hausbank ist unterstützend in dieser Situation tätig“, sagte Wellstein.
Er wolle die Belegschaft über die aktuelle Situation, die Löhne und Gehälter sowie das Insolvenzgeld bei einer Mitarbeiterversammlung informieren, die er für nächste Woche plant. Die Mitarbeiter in den Filialen sollen in den nächsten Tagen persönlich darüber informiert werden. Maximal drei Monate sichere die Bundesagentur für Arbeit die Löhne und Gehälter. „An einer baldigen Zahlung arbeiten die Beteiligten mit Hochdruck“, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter mit.
Das Insolvenzverfahren werde voraussichtlich zum 1. Februar eröffnet. Ob der Betrieb über dieses Datum hinaus fortgeführt wird, muss Wellstein in den kommenden Wochen ausloten. Ausschließen möchte der Anwalt nicht, dass Müller den Betrieb weiterführen kann.