Ulmet
Auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum
Auch wenn das nasskalte Wetter alles andere als angenehm ist, hält es am Samstag Dutzende Baumsuchende nicht davon ab, ihre ideale Tanne in einer Schonung des Forstamtes zwischen Ulmet und Mayweilerhof selbst zu schlagen. „Wir rechnen so mit 80 bis 100 verkauften Bäumen. Vielleicht auch ein paar mehr“, erklärt Gaby Kleinhempel, die Leiterin des Forstamtes, am Morgen. In diesem Jahr sei man zum ersten Mal auf dieser Fläche, da die Bäume in anderen Schonungen teilweise zu groß geworden seien.
Die Tannen, allesamt Nordmanntannen, zwischen denen man vor Ort frei wählen kann, sind zwischen fünf und zehn Jahren alt. Sie sind im Vergleich zu gleichaltrigen Bäumen vom Großhändler jedoch tendenziell etwas kleiner. Dies hängt mit den Regeln der verschiedenen Siegel zusammen, mit denen die Schonung ausgezeichnet ist.
Fair ist Trumpf
Dazu zählt das „Fair Trees“-Siegel. Das besagt, dass die Bäume nachhaltig bewirtschaftet und weder gedüngt noch mit anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind. „Ohne Dünger wachsen sie zwar langsamer, aber so kann man sie sich guten Gewissens ins Wohnzimmer stellen und braucht keine Angst vor Ausdünstungen haben“, sagt Kleinhempel. Ihr Amt lege großen Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit allen Beteiligten. So würden auch die Arbeiter in Rumänien, die die Samen aufbereiten, fair entlohnt werden.
In der Schonung zwischen Ulmet und Mayweilerhof stehen schätzungsweise etwa 1000 Pflanzen, die alle darauf warten, festlich geschmückt zum Fest in einem Wohnzimmer zu stehen. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Zunächst muss man unter den etlichen Bäumen den richtige finden. Die Expertin empfiehlt, einfach durch die Reihen zu laufen und Ausschau zu halten. Die eigenen Gegebenheiten zu Hause, wie etwa Schrägen oder Ecken, in denen der Baum stehen soll, kenne man selbst am besten.
Von fast Gelb bis tief Grün
Sie rät jedoch, aufmerksam auf die Unterschiede zu achten. Einige der Bäume haben zum Beispiel unterschiedlich lange Nadeln oder heben sich in der Farbe deutlich ab. Und tatsächlich gibt es von fast schon gelben bis hin zu tiefgrünen Tannen nahezu alles auf der Fläche. Diese Ungleichheit erklärt Kleinhempel mit den unterschiedlichen Wachstumsbedingungen. „Selbst ein paar Meter weiter ist es ein bisschen feuchter oder gibt mehr Nährstoffe. Da haben wir keinen Einfluss und das ist gut so“, konstatiert sie.
Für jeden sei ein Baum dabei, egal ob groß oder klein. Doch mit der Auswahl allein, ist es noch nicht geschafft. Der wirklich anstrengende Teil folgt erst mit der Fällung. Ausgestattet mit Säge und Handschuhen erfordert es Geschick und idealerweise Erfahrung. Ansonsten hilft nur Üben und Ausprobieren. Es sei nämlich wichtig, den Baum so tief und gerade wie möglich abzuschneiden, wie Kleinhempel sagt. Ein Unterfangen, dass bei eingeschränkter Sicht durch herunterhängende Äste, wenig Bewegungsradius wegen anderer Tannen und nassem Boden für Anfänger sehr herausfordernd ist. Aber Hilfe ist nicht weit entfernt. Sowohl Angestellte des Forstamtes als auch andere „Selbstfäller“ stehen mit Rat und Tat zur Seite, falls etwas trotz der Tipps nicht klappt.
Familie Reiß schlägt zu
So auch Familie Reiß aus Nanzdietschweiler. Die fünfköpfige Truppe fällt ihren Baum unter Anleitung von Papa Christian jedes Jahr selbst. „Weil uns die Nachhaltigkeit der Bäume wichtig ist, bisher immer im Raum Kaiserslautern. Dass es so ein Angebot auch lokal gibt, ist super“, berichtet er. Und damit liegt er teilweise richtig. Auch wenn die Bäume zwar schon länger die Standards der Siegel erfüllen, sei die Auszeichnung erst im vergangenen Jahr einführt worden, erklärt die Forstamtsleitung. Familie Reiß entscheidet sich letztendlich neben einer deckenhohen Tanne noch für ein kleines Bäumchen, das Tochter Marlene mit Papas Hilfe fällt.
Die geschlagenen Bäume können auf Wunsch noch ökologisch mit einem Baumwohlnetz verpackt werden. Für die Zertifizierungen wurde dieses als Ersatz für Plastik eingeführt, und das mit Erfolg. Die nachhaltigen Netze seinen qualitativ hochwertiger und würden mehr aushalten. Daneben sei auch das Einnetzen leichter.
Den fertig verpackten Baum kann man für 28 Euro aus der Schonung mitnehmen. „Natürlich ist das unter Umständen ein bisschen teurer als der aus dem Baumarkt. Dort werden aber auch ganz andere Mengen geordert“, gibt Kleinhempel zu. Das Erlebnis spiele eine Rolle. Der selbst geschlagene Weihnachtsbaum mache stolz. In Zeiten vor der Pandemie werde mit Glühwein, Kinderpunsch und Würstchen außerdem ein kleines Fest gefeiert, das sorge für die richtige Stimmung.
„Meiner!“
Der selbstgeschlagene Baum wird, gerne auch mit Hilfe, ins Auto oder auf den Hänger manövriert. Aber auch für die Pflege zu Hause hat Kleinhempel noch einige Tipps. „Den Baum erstmal zwei Tage in die Garage stellen, damit er sich akklimatisieren kann. Sonst ist der Temperaturschock zu groß. Außerdem unbedingt viel Wasser zur Verfügung stellen. So zehn Liter können das schon mal sein“, gibt die Forstamtsleiterin den stolzen Besitzern mit auf dem Heimweg.
Und so warten nun zahlreiche Bäume in Garagen oder Kellern auf das Schmücken, die Kerzen und die besinnliche Weihnachtszeit. Auch mein erster selbst geschlagener.