Vor der Wahl RHEINPFALZ Plus Artikel AfD-Kandidat Marco Staudt: Weniger Brachialredner, mehr Kumpel

Marco Staudt.
Marco Staudt.

Dass Marco Staudt für die AfD ins Rennen um das Direktmandat geht, war eher eine Bauchentscheidung. „Ich wollte nicht, dass Sven Simer alleine auf der Bühne steht. Auswahl ist wichtig.“ Also warf der 48-jährige Stuckateurmeister aus Altenglan-Mühlbach kurzfristig seinen Hut in den Ring – und gewann die Kampfkandidatur gegen das Kaiserslauterer Stadtratsmitglied, das sich schon sicher war.

Die Episode ist bezeichnend für Staudt, der Politik weder allzu strategisch noch betont ideologisch betreibt. Christlicher Pfadfinder war er lange, stolz ist er darauf noch heute. Geblieben aus dieser Zeit sind ihm zwei Dinge: das Wandern – meist allein, ab und an mit seiner Frau und seinem 14-jährigen Sohn, und seine Heimatverbundenheit. Bei einem Nordsee-Urlaub habe er schon nach drei Tagen Heimweh bekommen, weil es dort keine Hügel gebe, hat er in einem früheren Gespräch erzählt. Und dass er jedes Mal aufblühe, wenn er nach einer Abwesenheit den Potzberg und den Remigiusberg sehe. „Dann weiß ich, dass ich wieder daheim bin.“

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Zur Politik kam er auch eher zufällig: Als die damalige AfD-Chefin Frauke Petry 2017 einen Auftritt in seiner Wohngemeinde Altenglan gehabt habe, sei er aus Interesse hingegangen. Ihm gefiel, was er hörte, besuchte zwei weitere AfD-Veranstaltungen und wurde Mitglied. Im kleinen Kuseler Kreisverband stieg er schnell nach oben auf, wurde bereits 2018 Kreisvorsitzender – ein Amt, das er gut ein Jahr später wieder aufgab –, zog über die Liste in den Kreistag und in den Verbandsgemeinderat ein. In beiden Gremien präsentiert er sich nur selten als Brachialredner, sondern eher als Kumpel von nebenan. Dass er zu den Gemäßigten gehöre und ihm Extremismus auch in der eigenen Partei missfällt, betont er gerne.

Viele Parteistimmen gewinnen

Daher lehnt er sich auch bei politischen Positionen nicht allzu weit aus dem Fenster: Ja, es gebe einen Klimawandel, anerkennt er beispielsweise. Nur wie viel Prozent davon durch den Menschen entstehe, das sei die Frage. Oder: Er sei für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Allerdings müsse die traditionelle Familie unter einem besonderen Schutz stehen. Selbst beim Thema Impfen ist er freimütig. Nein, er sei noch nicht geimpft. Doch er denke jetzt ernsthaft darüber nach, sagt er. „Ich werde im Wahlkampf mit so vielen Menschen zusammenkommen. Da wäre es vielleicht besser“, sagt er.

Allzu viel Wahlkampf will er aber auch nicht machen. „Ich habe einen eigenen Betrieb. Ich kann mich nicht, wie andere Kandidaten, freistellen lassen, um in jeden Ort zu reisen und Hände zu schütteln.“ Zudem weiß er, „dass es ein Wunder wäre, wenn ich den Wahlkreis direkt gewinnen würde. Das zu glauben, so verrückt bin ich nicht“. Für einen AfD-Direktkandidaten in Westdeutschland gehe es in erster Linie darum, möglichst viele Stimmen für die Partei zu gewinnen. „Ich hoffe, dass wir dann wieder drei Abgeordnete aus Rheinland-Pfalz reinkriegen.“

Er selbst wird keinesfalls dazugehören. Denn die AfD hat ihre Landesliste bereits Ende vergangenen Jahres zusammengestellt. Lange vor der Nominierung der Direktkandidaten. Staudt, der schon im Frühjahr zum Landtag kandidierte, war da nicht dabei. Dabei fände er, dass ihn gerade sein Beruf dazu prädestiniere: „Es sind zu wenig Handwerksmeister im Bundestag.“

Drei Themen

  • Wirtschaftspolitik: Der ländliche Raum muss wirtschaftlich und finanziell gestärkt werden.
  • Klimapolitik: Die Klimaziele dürfen nicht zulasten von Familien, Rentnern, Pendlern und Geringverdienern gehen.
  • Familienpolitik: Für die klassische Familien muss es Steuerentlastungen geben.
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