Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel „30, 35 Essen mehr müssten es sein“ – Die erste Mittagspause nach Wiedereröffnung bei Da Pino

Giuseppe Azzariti (mit Maske) ist froh, weider Gäste bewirten zu dürfen – auch wenn es sich finanziell derzeit noch nicht wirkli
Giuseppe Azzariti (mit Maske) ist froh, weider Gäste bewirten zu dürfen – auch wenn es sich finanziell derzeit noch nicht wirklich lohnt.

Seit Mittwoch dürfen Gastronomen unter Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften ihr Lokal wieder öffnen. Giuseppe Azzariti, Inhaber des Ristorante Da Pino in Kusel, musste nicht lange überlegen, ob er sein Lokal gleich wieder aufmacht. „Wir dürfen, also öffnen wir“, sagt er bestimmt. Ob es sich aber auch rechnet, das weiß er noch nicht.

Es ist schon ein seltsames Gefühl, vor dem Betreten eines Restaurants erst einmal eine Schutzmaske aufsetzen zu müssen und sie erst am Tisch wieder absetzen zu dürfen. Und auch sonst ist alles derzeit etwas anders als gewohnt.

Wer das Ristorante Da Pino in Kusel betritt, wird entsprechend der Auflagen vom Personal in Empfang genommen und zum Tisch gebracht. Das freundliche Lächeln muss sich der Gast allerdings vorstellen, denn selbstverständlich trägt auch das Personal Schutzmasken.

Die Atmosphäre leidet

Und auch im Gastraum ist so einiges anders als gewohnt. Und das nicht nur, weil gerade zur Mittagszeit, in der üblicherweise viele Berufstätige ihre Mittagspause in dem Lokal verbringen, weit weniger Gäste zu sehen sind. Es gibt keine Tischdeko, keine Salz- und Pfefferstreuer, manche Tische sind mit Plexiglas vom Nachbartisch getrennt, und die Speisekarten werden nach jedem Gebrauch desinfiziert.

„Die Atmosphäre ist natürlich nicht so schön wie sonst“, bedauert Azzariti. „Aber die Leute akzeptieren das. Beschwert hat sich noch niemand. Die Gäste sind geduldig, halten Abstand und sind sehr umsichtig“, berichtet der Gastronom. „Vielen geht es ja nicht alleine um das Essen an sich. Die Leute wollen wieder ein Stück mehr Normalität und freuen sich, wieder unter Menschen zu kommen.“

Das habe er auch gemerkt, weil er in der Stadt immer wieder angesprochen worden sei. „Die Leute haben mir gesagt, wie schade es ist, dass wir nicht öffnen könnten, und haben mir zugesichert, sofort einen Tisch zu reservieren, wenn wir wieder arbeiten dürfen.“

Noch nicht ausreichend

Rund 120 Gäste könnte Azzariti eigentlich in seinen beiden Gasträumen bewirten – die Terrasse nicht mitgerechnet. Momentan aber sei das auf etwa 60 Personen begrenzt. Die Resonanz sei am ersten Tag nach Wiedereröffnung zwar gut gewesen, müsse aber noch etwas besser werden. Zur Mittagszeit habe er am Mittwoch rund 25 bis 30 Gäste begrüßen dürfen, schätzt Azzariti. „Dazu kommen noch einmal etwa 30 bis 35 Essen, die zum Abholen bestellt wurden.“

Für den Abend hatte er am frühen Nachmittag bereits sechs, sieben Reservierungen. Damit es sich aber wirklich lohne, müssten doch noch ein paar Gäste pro Tag mehr kommen. „So 30 bis 35 Essen müssten es täglich schon noch mehr sein, damit es sich wirklich rechnet“, erklärt der Gastronom.

Fixkosten drücken

Obgleich ein eher langsamer Anlauf absehbar war, habe er im Grund je gar keine Alternative gehabt. „Alleine wegen der Fixkosten musste ich schon aufmachen“, sagt Azzariti. „Wäre das Haus kleiner, würde ich wahrscheinlich auch weiterhin zunächst nur Außer-Haus-Service anbieten. Aber ich will mein Stammpersonal unbedingt halten, und deshalb haben wir beschlossen, schon jetzt zu öffnen, um zumindest die laufenden Kosten decken zu können.“

Bis auf zwei Angestellte, die noch in Kurzarbeit seien, sei das Personal daher nun wieder im Einsatz. „Durch die Auflagen, wie zum Beispiel das Abholen an der Tür, brauchen wir momentan auch immer eine Bedienung mehr, als für die Anzahl der Gäste eigentlich notwendig wäre“, berichtet Azzariti.

Angst vor zweiter Welle

Wenn der Gastronom dieser Tage die Demonstrationen gegen die Beschränkungen im Fernsehen sieht, bekommt er es doch ein wenig mit der Angst zu tun. „Wir sind gerade auf einem guten Weg zurück Richtung Normalität. Wenn ich aber sehe, wie sich viele mittlerweile verhalten, bekomme ich Angst vor einer zweiten Welle; und davor, dass wir unser Lokal wieder schließen müssen – und das vielleicht sogar noch länger als beim ersten Mal.“

Doch Azzariti versucht, auch das Positive zu sehen: „Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit in einem solchen Städtchen wie Kusel wohne. Hier kann man wenigstens noch vor die Tür gehen. In größeren Städten, wie Mannheim oder Ludwigshafen zum Beispiel, würde ich gerade nicht gerne wohnen wollen“, sagt der Gastronom, der sich seinen Humor bewahrt hat, mit einem Schmunzeln.

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