Hefersweiler
Über die Vorzüge der Nordmann-Tanne
Die Temperaturen liegen im leicht frostigen Bereich, während der Anfahrt fallen sogar einige Flocken vom Himmel. Das Gefühl von Winter und knackiger Kälte wird noch verstärkt durch den Wind, der recht frisch den Westhang des Odenbachtals hoch weht. So scheint es ganz logisch, dass sich die meisten Menschen, die sich an dem kleinen umzäunten Waldstück in der Gewanne mit dem klangvollen Namen „Gutmannseichen“ eingefunden haben und länger bleiben, in der Nähe des Feuers aufhalten, über dem auf einem klassischen Schwenker Wildbratwürste brutzeln und einen verführerisch würzigen Duft verströmen.
Die Nordmann-Tanne zählt seit einigen Jahren neben der edlen Blautanne zu den beliebtesten Christbäumen in Deutschland, und das aus gleich mehreren guten Gründen, wie Gabi Kleinhempel, die Leiterin des Forstamts, zu berichten weiß. „Die Nordmann-Tanne verströmt einen frischen und an Orangen erinnernden Duft, der gerade in der Weihnachtszeit gut ankommt. Außerdem kann man den Baum sicher drei und mehr Wochen auch ohne Wasser in der Wohnung stehen haben, bevor er anfängt, seine Nadeln zu verlieren. Die Nadeln selbst piksen nicht und erleichtern so die Handhabung, bis das Bäumchen an seinem Platz im Wohnzimmer steht und geschmückt ist, und schließlich entspricht das Erscheinungsbild der ursprünglich aus dem Kaukasus stammenden Tannenart der Idealform eines Christbaumes“, berichtet die Chefin des Forstamtes.
Ritzen für den schönen Wuchs
Damit dem wirklich so ist, muss beim Heranwachsen der Bäumchen, die ab einem Alter von sechs bis acht Jahren geschlagen werden können, freilich etwas nachgeholfen werden. Dafür ist bei den künftigen Christbäumchen des Kuseler Forstamtes Yvonne Limpert verantwortlich. Die Forstwirtin, die in Kusel primär für die Umweltbildung tätig ist, schaut mehrmals im Jahr in der Tannenschonung nach dem rechten Wuchs und sorgt dafür, dass die Abstände der einzelnen Quirle, also der Stellen, an denen am Stamm der Tanne die Äste ansetzen, möglichst gleichmäßig ausfallen. „Wenn ich sehe, dass eine der Tannen zu hoch hinaus will, ritze ich mit einem Spezialwerkzeug, dem sogenannten Clipper, die Rinde am Quirl ein. Dadurch wird der Transport der Nährstoffe in der Rinde des Baumes reduziert, mit der Folge, dass sich auch das Höhenwachstum verlangsamt“, beschreibt Limpert für den Laien vereinfacht den Prozess, der jede Menge wissen über die Wachstumsprozesse beim Baum voraussetzt. Allerdings wirkt das Clippen nur bei den Bäumen, die zu hoch aufschießen, so dass nicht alle Nordmann-Tannen wie die Zinnsoldaten einheitlich aussehen.
„Natürlich gibt’s auch Bäume, die nicht unbedingt dem Schönheitsideal entsprechen, klein oder etwas schief wachsen – eben Charakterbäume sind“, meint Gabi Kleinhempel. Diese sind am Samstag in der Fläche mit einem gelben Band gekennzeichnet und werden für die Hälfte des Preises abgegeben. „Das kommt ganz gut an. Viele helfen daheim etwas nach, schneiden einzelne Äste raus und setzen sie an anderer Stelle wieder ein und kommen so mit etwas handwerklichem Geschick sehr günstig an ihr Bäumchen“, berichtet die Forstamtsleiterin.
Fair gehandelt
Allen Bäumen gleich ist indes, dass sie nicht nur zertifiziert sind, also ohne jegliche Düngung heranwuchsen, sondern auch den Fair-Trade-Richtlinien entsprechen. „Das fängt bei den Sammlern der Samen im Kaukasus an, die zu vernünftigen Bedingungen und mit ordentlicher Bezahlung arbeiten, und endet beim Schlagen der Bäume. Außerdem können Sie bei den Nordmann-Tannen aus Hinzweiler sicher sein, dass sie nicht quer durch Europa gekarrt wurden und Wochen im Kühlhaus standen, bevor sie verkauft werden“, betont die Forstamtsleiterin.
Genau das ist einer der Gründe, warum Sascha Klein zusammen mit seinem Freund Lars Schäfer und Söhnchen Rico am Samstag nach Hefersweiler gekommen ist. „Wir kommen seit Jahren zu den Tannenbaumaktionen des Forstamts und schlagen dabei die Bäumchen für unsere ganze Familie. Frischer geht’s doch gar nicht, außerdem macht es jede Menge Spaß“, berichten die beiden, während sich der dreieinhalbjährige Rico mit sichtlichem Genuss die Bratwurst schmecken lässt.
Auch Gabi Kleinhempel, die den ganzen Tag über mit acht Helfern vor Ort ist, ergänzt, dass der Verkauf der Christbäume nur ein Aspekt der Aktion sei: „Der Tag hat schon so etwas wie den Charakter eines kleinen Festes. Wir wollen mit den Menschen aus der Region in Kontakt kommen, was bei einer Bratwurst und einer Tasse Glühwein oder Punsch ganz zwanglos möglich ist.“