Lauterecken Ältester Verein der Stadt aufgelöst
Dem Männergesangverein (MGV) Lauterecken ging es wie vielen anderen Vereinen im Kreis. Es fehlten die Mitglieder. „Das Küken ist 58 Jahre alt, dann geht es ab Mitte 70 aufwärts weiter, und wir sind nur noch zehn Sänger“, sagt Dieter Kasper, langjähriger Vorsitzender des MGV. Das sei auch der Hauptgrund gewesen, warum der Verein letztlich aufgelöst werden musste. Schon vor Jahren starteten Bemühungen, Sänger für den ältesten Verein Lautereckens anzuwerben – im direkten Kontakt, über Aushänge, Flyer und selbstgestaltete Grußkarten. Der Erfolg sei allerdings ausgeblieben. Zwischen 1976 und 1980 habe es sogar mal einen Kinderchor gegeben, um frühzeitig die Freude am gemeinsamen Singen zu wecken. „Richtig mitgezogen haben die Eltern damals nicht“, berichtet Kasper, der dem MGV Lauterecken seit 1966 angehört hatte.
Am Ende seien noch zehn Aktive und 41 Mitglieder geblieben. Da laut Satzung die Mitglieder nach 40 Jahren Vereinstreue beitragsfrei zu stellen waren, fehlten zudem die Einnahmen. Die Kosten für Mitgliedschaften in Verbänden liefen aber weiter. Die Auflösung sei letztlich unausweichlich gewesen. Kasper, der im August 80 Jahre alt wird und seit 1983 an der Spitze des Vereins stand, sowie das Vorstandsteam hätten die Verantwortung gerne weiter übernommen, doch ohne Nachwuchs habe das keinen Sinn ergeben.
Von Prunksitzungen und vielen Konzerten
Es war im Jahr 1860, als neun Männer den Gesangverein „Liedertafel“ gründeten, sieben Jahre später, 1867, wurde zudem ein Männerchor aus der Taufe gehoben. Die beiden Gruppen vereinten sich 1872. Dieses Jahr galt lange Zeit irrtümlich als das Gründungsjahr des MGV. Allerdgins belegten im Jahr 1957 gefundene Akten die Gründung im Jahr 1860. Der Verein hat während seines Bestehens viel zum kulturellen Leben in der Veldenz-Stadt beigetragen. Von 1965 bis 1989 richtete der MGV die Prunksitzungen im Turnerheim aus, er nahm viele Jahre am Heimatfestumzug teil, fuhr zu Bundessängerfesten – beispielsweise in Stuttgart, Hamburg und Köln. Mehr als zehn Jahre lang sang der MGV zum Totengedenken auf dem Friedhof, wirkte bei einem Benefizkonzert zugunsten der Kinder von Tschernobyl mit.
Besondere Höhepunkte waren das Engagement von den Egerländer Musikanten unter der Leitung von Dirigent Ernst Mosch sowie das Konzert des Saarknappenchores. Noch heute könne Kasper nicht über die Roseninsel laufen, ohne Erinnerungen an gute Zeiten, als der MGV ab 1992 jährlich ein Frühlingssingen veranstaltete und dafür viel Zuspruch erhalten habe. Dazu gestaltete er Gottesdienste und diverse andere Veranstaltungen mit.
Pandemie bedeutet das Ende des Vereins
Dennoch sank der Zuspruch – ähnlich wie bei den Chören in Heinzenhausen und Medard. Da Chorleiter Heinrich Steiner in allen drei Gemeinden tätig war, entstand 1995 eine Chorgemeinschaft, die über etliche Jahre Bestand hatte. Zunächst zogen Medarder sich in ihren Ort zurück, in dem ein gemischter Chor entstand. Die Heinzenhausener hätten 2019 auch nicht mehr so richtig gewollt, dann kam die Corona-Pandemie und so führte das eine zum anderen. Die Geschichte des MGV endete nach 162 Jahren, fasst Kasper die letzten Jahre des Vereins zusammen.
Auch wenn es kein Restvermögen gab, konnten dem städtischen Archiv dennoch einige Dokumente übergeben werden, darunter die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1860, die Vereinsfahne, die Zelter-Plakette, die für 100 Jahre Chorgesang vom Bundespräsidenten verliehen wird, und ein Wappenteller des Landes. Die zehn verbliebenen Sänger treffen sich noch immer monatlich, berichtet Kasper. Sie schwelgen in Erinnerung und halten ihre Gemeinschaft weiterhin zusammen, wenn auch informell.