Kusel „Zu Wort melden ist wichtig“

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Christoph Krauth ist der neue Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Schönenberg-Kübelberg. Der 28-Jährige bloggt im Internet über seinen Beruf, führt eine Art Tagebuch. Angefangen hat das alles mit einer Indonesienreise im vergangenen Dezember. Im Interview mit Tim Altschuck hat er erklärt, warum er seinen Blog schreibt.

Herr Krauth, wie kamen Sie dazu, einen Blog für die evangelische Kirche zu schreiben?

Los ging es damit, dass ich die Partnergemeinde von Essingen – meiner vorherigen Vikariatsstelle – in Indonesien besuchen wollte. Die Idee war dann, eine Art Reisetagebuch zu führen und der Pressereferent der evangelischen Kirche, Wolfgang Schumacher, hielt das Ganze für eine gute Idee. Da ich in der Weihnachtszeit dort war, war es natürlich auch schön, durch den Blog den Kontakt nach Deutschland aufrecht zu erhalten und dazu bekam ich jede Menge Weihnachtsgrüße. Danach überlegte ich mir, den Blog in meiner neuen Gemeinde einfach fortzusetzen. Über was schreiben sie seitdem?
Das sind hauptsächlich Erfahrungen hier an meiner neuen Wirkungsstätte. Alle fünf Wochen gibt es dann Erlebnisse und Neuigkeiten zu lesen. Aber da muss man natürlich aufpassen, was man schreibt, um niemanden auf den Schlips zu treten. Bei ihrer Ankunft waren sie ja etwas enttäuscht, hatten sich eine schmucke, alte Kirche erwartet und keinen Betonbau. Wie hat sich ihre Meinung geändert?
Absolut zum Gegenteil! Wir haben eine Kirche, die innen hell und schön ist und in der Gemeinde fühle ich mich auch sehr wohl. Wir haben viele junge Menschen und Familien dabei, das macht manches einfacher. Wie sieht’s denn mit der Resonanz auf ihren Blog aus?
Unsere Jugendreferentin findet den Blog gut, in der Gemeinde wissen es aber noch nicht so viele, dass ich alle fünf Wochen einen Beitrag veröffentliche. Von den Kollegen finden sich manche auch in meinen Erzählungen wieder. (lacht) Ihr Indonesien-Blog hatte zum Beispiel zwischen 140 und 200 Zugriffe – war abzusehen, dass so viele sich dafür interessieren?
Nein, ganz und gar nicht. Gerade das Feedback aus Essingen war immer wieder überwältigend. Für meine Familie war das auch klasse: So bestand immer ein Kontakt und sie konnten noch mehr verfolgen, was ich dort so machte. Mittlerweile lesen sie meinen Blog auch nicht mehr, ich bin ja wieder zurück. Denken sie, wenn die Kirche in den sozialen Medien mehr Präsenz zeigen würde, steigt das Interesse?
Ich will in meinem Blog vor allem ein Hemmschwellenbrecher sein, der die Leute darauf aufmerksam macht, dass Pfarrersein jede Menge mehr ist als nur der Gottesdienst am Sonntag. Mir geht es darum, Menschen einen neuen, ungewohnten Zugang zum Glauben und zur Kirche zu ermöglichen. Klar hat der Blog einen Verkündungsauftrag, aber deswegen schreibe ich nicht gleich eine Predigt rein. Der Papst hat mittlerweile sogar einen eigenen Twitter-Account. Wenn es auch nicht ihre Konfession ist – wie stehen sie dazu?
Wenn ich sehe, wie viel Müll jeden Tag in Facebook gepostet wird, dann finde ich es wichtig, dass sich die Kirche mit ihren Ansichten zu Wort meldet. Grundsätzlich sehe ich kein Problem, diese neue Kommunikationsform zu nutzen. Ob twittern in 144 Zeichen oder 20 Minuten predigen. Interessant finde ich da einen neuen Trend: den Twittergottesdienst. Daraus resultieren viele Dialoge, Diskussionen und vor allem ist es direktes Feedback. Am Anfang war ich skeptisch, mittlerweile finde ich den Gedanken nicht uninteressant. (uck)

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