Kusel Wie steht es um die Wirtschaft im Kreis Kusel?
Kusel: Etwa drei Fünftel der Werktätigen aus dem Landkreis Kusel pendeln über seine Grenzen hinaus, um Arbeit zu finden. Grund ist die Strukturschwäche der Region. Doch wie schaut es tatsächlich mit der Wirtschaft im Kreis Kusel? Ein RHEINPFALZ-Report prüft die Standorte.
Über Jahrhunderte war der Landkreis Kusel benachteiligt. Zunächst galt er – wie die gesamte Westpfalz – als Aufmarschgebiet für Kriege mit dem ehemaligen Erzfeind Frankreich, nach 1945 war er Zonenrandgebiet und daher für Investoren nicht sonderlich interessant. Und über nennenswerte Bodenschätze verfügt er ebenfalls nicht. Daher ist es kein Wunder, dass sich die heimische Wirtschaft nicht entwickeln konnte und die Menschen in der Region sich früh in Bewegung setzten, setzen mussten, um Lohn und Brot zu finden. Die Wandermusikanten sind hier das beste Beispiel für die Mobilität der Bewohner des Nordpfälzer Berglands; und für ihre existenziellen Nöte. Heute sieht vieles anders aus. Durch die Aussöhnung mit Frankreich und den europäischen Vereinigungsprozess liegt der Landkreis Kusel nicht mehr am Rande eines weitgehend auf sich selbst beschränkten deutschen Wirtschaftsgebietes, sondern (fast) im Herzen des freundschaftlich verbundenen Mittel- und Westeuropas. Alles also besser als in der Vergangenheit? Jein. Ja, denn die einst von hoher Arbeitslosigkeit geplagte Region schreibt nahezu monatlich neue Tiefstwerte in Sachen Arbeitslosenquote. Auf nur noch 4,3 Prozent belief sie sich im Juni – selbst wenn man die diversen Maßnahmen des Arbeitsministeriums außer Acht lässt, die der Statistik am Arbeitsmarkt zugute kommen, ist das ein überragender Wert. Und nein. Die Region selbst kann dazu bisher nicht sehr viel beitragen. 19.000 Beschäftigte fahren täglich zu ihren Arbeitgebern über die Kreisgrenze. Zum Vergleich: Im Kreisgebiet selbst gibt es nur rund 12.000 sozialversicherungspflichtige Jobs. Der Arbeitsmarkt des Kreises hängt am Tropf seines Umlands. Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer im Kreis. Karl Otto Braun in Wolfstein hat sich stabilisiert, IGM in Medard floriert ebenso wie Minitec in Schönenberg-Kübelberg. Die Gewerbeflächen in Waldmohr sind fast komplett belegt, der Mehlpfuhl bei Schönenberg-Kübelberg gilt als Synonym für wirtschaftliches Wachstum auch im strukturschwachen Landkreis. Dazu gibt es jede Menge Handwerksbetriebe und Dienstleister. Mancherorts wird bereits nach weiteren Gewerbeflächen gerufen. Beispiel Kusel – obwohl dort das Industriegebiet Erlenhöhe noch nicht ausgelastet ist und auch für das geplante Gewerbegebiet auf dem Windhof Investoren nicht gerade Schlange stehen. Die RHEINPFALZ-Redaktion hat sich daher auf den Weg gemacht und die sechs Verbandsgemeinden in ihrer Funktion als Wirtschaftsstandorte unter die Lupe genommen. RHEINPFALZ-Autoren haben Daten zur jeweiligen Wirtschaftsstruktur gesammelt, sich in jeder Verbandsgemeinde mit politisch Verantwortlichen und mit Unternehmern unterhalten, sich in Betriebe begeben und mit externen Fachleuten gesprochen, um herauszufinden, wie es um die Wirtschaft im Kreis bestellt ist; wo es gute Ansätze gibt, aber auch woran es krankt. Sechs Tage lang lesen Sie die Ergebnisse im RHEINPFALZ-Report „Wirtschaftsstandorte“. Der Report Jedes Jahr aufs Neue stellt die Redaktion der Westricher Rundschau im Sommer eine Woche lang ein Thema in den Mittelpunkt ihrer Veröffentlichungen. In früheren Jahren waren es unter anderem die Demografie, die ärztliche Versorgung, der Tourismus und die Infrastruktur. Vielfach haben diese Reporte lebhafte Diskussionen ausgelöst – und zuweilen sogar Konsequenzen. In diesem Jahr hat sich die Redaktion auf das Thema Wirtschaftsstandorte konzentriert und dafür den Landkreis durchkämmt. Vom 8. bis zum 13. August wird täglich die Titelseite der Westricher Rundschau der Wirtschaft in einer der (noch) sechs Verbandsgemeinden gewidmet – in alphabetischer Reihenfolge. Dabei geht es nicht nur um das, was bereits besteht, sondern auch um Prognosen und Perspektiven. Doch auch die Hindernisse für mehr wirtschaftliche Entwicklung werden dargestellt. |wop