Kusel Wandern an historischer Stelle

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Nach der offiziellen Prämierung des Preußensteig-Wanderweges durch den Deutschen Wanderverband liefen die ersten Wanderer gestern früh gemeinsam mit Kusels Verbandsbürgermeister Stefan Spitzer, vielen Ortsbürgermeistern aus den anliegenden Gemeinden und Wanderführerin Petra Rübel die rund 27 Kilometer lange Strecke. Entlang der historischen bayerisch-preußischen Grenze wurden mal auf ehemals preußischem, mal auf einst bayerischem Staatsgebiet die Wanderstiefel gesetzt.

„Im Musikantenland beginnt der Tag mit Musik“, sagte Spitzer. Nach einigen Liedern der Schellweiler Bläser hieß es für die geschätzt 100 Wanderer endlich auf „ins Deutsch“, wie Petra Rübel im Wandermusikanten-Jargon als Startschuss ausrief. Der gesamte Rundweg Preußensteig beschreibt die Strecke von Kusel-Diedelkopf, über Ruthweiler, hoch zur Burg Lichtenberg, um Thallichtenberg und Pfeffelbach im Wald oben drumherum, zum höchsten Punkt, dem Herzerberg (585 Meter), zwischen Reichweiler und Pfeffelbach hindurch nach Albessen und von dort zurück nach Diedelkopf. Das Wetter spielte den Kuseler Wanderern gestern Morgen in die Karten. Kein Regen, mild, aber nicht zu warm – ideal für die doch recht fordernde Strecke, wie Lothar Leibrecht weiß: Der Läufer aus Thallichtenberg ist die Strecke bereits mehrmals gerannt. Seine Zeit von dreieinhalb Stunden bildet keinen Maßstab für Wanderer. Die brauchen nämlich rund acht Stunden. Das jedenfalls ist die zeitliche Vorgabe für die Strecke auf den Internetseiten des Pfälzer Berglandes. Einen ganzen Tag hat sich auch Wanderführerin Rübel das erste Mal Zeit gelassen. Ganz so ambitioniert wie die Gruppe der „Silly Walker“ um Lothar Leibrecht scheint das übrige Teilnehmerfeld nicht zu sein. Aber die Wanderer, der sich gestern an Schwimmbad und Straßenmeisterei versammelten, zeigten allein schon durch das sportliche Erscheinungsbild ihre Kondition und Laufbereitschaft. Wer die rund 27 Kilometer lange Strecke mit ihren 800 Höhenmetern vollständig meistern möchte, sollte im Wandern nicht ungeübt sein: Das klang aus den Erläuterungen des Läufers Lothar Leibrecht heraus. Große Steigungen, anspruchsvolle, sehr schöne schmale Pfade im Wald, Teilstrecken über Schotter, Waldboden, Wiese, Asphalt und durch Wasser, so beschrieb Leibrecht einige seiner Lauf-Eindrücke. „Und immer wieder schöne Landschaften wie die Burg Lichtenberg aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Wälder“, erklärte er weiter. Der Bewegungsdrang war ihm anzumerken: Seine Beine wollten nicht stillstehen. Doch für den Augenblick musste sich Leibrecht noch gedulden. Denn für jene Wanderer, die sich nicht bis zur Atemlosigkeit konditionell fordern, bietet die Strecke einiges historisches Material für Unterhaltungen: Nach der Niederlage Napoleons sei die Landkarte beim Wiener Kongress 1815 neu gezeichnet worden, merkte Spitzer an. Die Rheinlande wurden Preußen zugesprochen, die linksrheinische Pfalz fiel an Bayern. Und auf dieser Grenze bewegen sich die wandernden Gäste auf dem neu prämierten Weg „Preußensteig“. Gleich auf den ersten paar 100 Metern zeigten sich am Wegrand massive Steinquader, fast 200 Jahre alt, mit den Initialen „KB“ für das königliche Herrschaftsgebiet Bayerns und „KP“ für das Königreich Preußen. Zu Beginn des Rundweges bewegten sich die Wanderer im ersten Landschaftsschutzgebiet der Strecke, erläutert Rübel im schnelleren Wanderschritt - nach der musikalischen Einlage an der Klarinette mit den Bläsern aus Schellweiler suchte sie den Weg zurück an die Spitze des Feldes. Geschützt seien die Wälder, wie die Auen unten an der Holzbach, ergänzte sie. Selbst von den Steinen auf dem Weg gebe es einiges zu erzählen, merkt die Wanderführerin an – es waren nämlich Steine vom Remigiusberg. Zu Beginn ist der Streckenverlauf des Preußensteigs von einer nur leichten Steigung geprägt. Hoch zur Burg und später hoch auf den Herzerberg wird vermutlich die ein oder andere historische Erzählung der konstanten Atmung untergeordnet. Kein Problem, denn der Weg bietet immer wieder Möglichkeiten für Pausen, um den Puls zu beruhigen und Geschichten zu erzählen. (rma)

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