Kusel Unhandlich, aber wohltuend
Zweibrücken. Eine Konzertharfe, kann – als größte Vertreterin ihrer Art – 40 Kilogramm auf die Waage bringen. Hätte Lou Rottländer ein solches Schwergewicht unter den Zupfinstrumenten im Zimmer stehen, könnte sie es wohl keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Aber die Harfe der elfjährigen Zweibrückerin ist ein relatives Leichtgewicht. Lous Vater stellt sie während des Pressegesprächs schnell mal auf die Waage. „12,5 Kilogramm“, lautet das Ergebnis; das Instrument ist auch für Nichtkraftsportler bewegbar.
Lou Rottländer spielt die ursprünglich aus Irland stammende Hakenharfe. Die ist kleiner als die Version mit Pedalen – die zweipedalige Konzertharfe ist eines der schwersten Orchesterinstrumente – und gilt als ideales Lerninstrument. Wie der Name nahelegt, wird die Tonhöhe mittels Haken verändert, was flinke Hände voraussetzt. Im Gegensatz zur Pedalharfe haben die Füße nichts zu tun. „Ich spiele seit drei Jahren“, erzählt Lou Rottländer, die ihre Musikalität zunächst mal auf dem Klavier ausgelebt hat. Die Sache mit dem Tasteninstrument ist der Wunsch der Mutter gewesen, das Interesse am Harfenspiel erwachte in der Gymnasiastin eher von selbst. „Ich weiß eigentlich nicht, wo das herkommt“, sagt Lou. Einen Vorgänger in der Familie hat sie nicht. Auch im Freundeskreis ist die Harfe ein Alleinstellungsmerkmal. Das aus Kirschholz gefertigte Instrument, das sie aktuell bespielt, ist schon ihr zweites. Mit 2000 bis 3000 Euro Anschaffungspreis müsse man schon rechnen. Allerdings böten viele Musikalienhändler die Möglichkeit, eine Harfe zu mieten. „Das kostet dann 50 oder 60 Euro im Monat, die gezahlte Miete wird angerechnet, wenn man das Instrument später kaufen möchte“, erzählt die Nachwuchsharfenistin. Nach einem musikalischen Vorbild befragt, meint Lou ohne zu überlegen: „Meine Harfenlehrerin!“ Gemeint ist Jennifer Stratmann. Die Harfenistin aus Bexbach hat Musikerziehung studiert, sie ist an der Kreismusikschule Kaiserslautern und an der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken tätig. Auf privater Basis gibt sie seit 2010 Unterricht. „Talent ist nicht mal so ausschlaggebend“, macht die Lehrerin zögerlichen Interessenten Mut. Wichtig seien die motorischen Fähigkeiten. „Ein Kind muss die Finger gut bewegen können.“ Musikalische Vorkenntnisse – etwa auf dem Klavier – seien hilfreich, aber „kein Muss“. „Dafür ist Fleiß wichtig“, sagt Stratmann. Ab sechs Jahren könne man ein Kind mit Erfolgsaussicht an eine Harfe setzen. Auch die Lehrerin betont, dass für Anfänger die Hakenharfe am meisten Sinn macht. „Nicht zuletzt deshalb, weil man bei Pedalharfen bei 10.000 Euro Anschaffungspreis anfängt.“ Jennifer Stratmann selbst musiziert natürlich schon lange auf einer Pedalharfe. Sie liebt den weichen, wohltuenden Klang des Instruments. „Außerdem mag ich, wie sie im Arm liegt. Man hat sie ja an der Schulter, das ist fast eine Umarmung.“ Auch die Herzog-Christian Musikschule in Zweibrücken bietet Harfenunterricht an. Aktuell hat die Einrichtung neun Harfenschüler. „Das ist `ne ganze Menge, es sind auch zwei Jungen dabei. Harfe ist nämlich kein klassisches Mädcheninstrument“, sagt Musikschulleiter Walter Theison. Die Serie In der Reihe „Mit Sang und Klang“ stellen wir in den kommenden Wochen Musikinstrumente vor. Lehrer, Schüler und gestandene Musiker erzählen über Holz- und Blechblasinstrumente, Schlagzeug, Streichinstrumente, das Klavier und die menschliche Stimme.