Kusel Große Hände, kleiner Stein

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Thallichtenberg. Beim Schleifkurs für Turmaline im Geoskop ist Fingerspitzengefühl gefragt. Längst nicht nur Kinder versuchen ihr Geschick, die kleinen Edelsteine zu verfeinern. Ein Erfahrungsbericht.

Sonntag, 13.30 Uhr. Ich mache mich auf den Weg zur Burg Lichtenberg, ins Urweltmuseum Geoskop. Am Eingang entdecke ich ein großes Banner mit der Aufschrift „Kristallmagie – Verborgener Zauber dunkler Turmaline“. Was Turmaline sind, lasse ich mir von Museumspädagogin Monika Kallfelz erklären: „Turmaline gehören alle zu derselben Mineralfamilie, sie sind alle nach dem gleichen komplexen Bauplan gewachsen.“ Sie erklärt mir, dass Turmaline aus einem farblosen, negativ geladenen Gerüst aus Ringsilikat-, Borat- und Hydroxidgruppen sowie aus positiv geladenen, oft färbenden Metallatomen bestehen. Diese Metallatome lagern sich an verschiedenen Stellen des Steines ein und lassen verschiedene Farben entstehen, beispielsweise blau, grün, gelb oder rot. 14 Uhr. Jan Fischer, der die Veranstaltung leitet, begrüßt die 16 Teilnehmer und gibt uns ein paar einleitende Erklärungen rund um die Turmaline. Er berichtet, dass Turmaline auch als Edelsteine des Regenbogens bezeichnet werden und vornehmlich als Schmucksteine dienen. Die Steine seien in der Natur gewachsen, meist in mehreren Kilometern Tiefe, und bestünden aus bis zu 50 verschiedenen Metallen. Allerdings seien Turmaline aus geologischer Sicht nicht sehr alt, sie könnten schon in 100 Jahren eine beachtliche Größe annehmen, erklärt Fischer. Bevor’s in den Seminarraum geht, werden wir in zwei Gruppen eingeteilt: eine Schleif- und eine Bastelgruppe. Ich geselle mich zunächst zur Bastelgruppe, obwohl ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gebastelt habe − und schon damals war ich damit nicht besonders erfolgreich. Wir sollen zunächst Schablonen verschiedener Turmalinarten ausschneiden, die wir anschließend zu einem Modell verkleben. Ich mache mich an die Arbeit, merke aber schnell, dass mir die Begabung abhandengekommen ist. Obwohl ich mir instinktiv das leichteste Modell ausgesucht habe ... „Das hat doch eigentlich ganz gut geklappt“, versucht mich der zwölfjährige Lennart Owen, einer der Teilnehmer meiner Gruppe, aufzumuntern. Nachdem ich den Rückschlag verdaut habe, zeigt mir Monika Kallfelz unter dem Mikroskop verschiedene Stadien des Kristallwachstums anhand von Kochsalzlösung. Ich bin beeindruckt, wie aus einem Tropfen Flüssigkeit so ein facettenreicher Kristall entstehen kann. Nach dem Exkurs erzählt mir das Ehepaar Margit und Werner Klein, dass sie die Ankündigung für den Kurs in der Zeitung gelesen hätten: „Wir dachten, das wäre nur etwas für Kinder. Dann haben wir uns aber trotzdem angemeldet. Jetzt sind wir froh, dass wir nicht die einzigen Erwachsenen hier sind“, sagt Werner Klein schmunzelnd. Margit Klein outet sich als Schmuckliebhaberin – da passe die Veranstaltung ja ganz gut. Der zwölfjährige Lennart Owen und seine achtjährige Schwester Carla waren schon ungezählte Male im Urweltmuseum. „Mir macht Basteln und Handwerken richtig Spaß, ich habe auch gewusst, was Turmaline sind“, berichtet Lennart. Der Dreikäsehoch ist mir um Längen voraus. Endlich geht’s ans Schleifen. Wir bekommen Glasplatten, auf denen wir etwas Schleifpulver mit Wasser vermischen. „Das Schleifpulver braucht man, da der Turmalin härter als Glas ist und man ansonsten die Scheibe schleifen würde“, informiert uns Fischer. Die Turmaline, die wir schleifen sollen, sind kleine schwarze Plättchen, die auf einem weiteren Glasplättchen befestigt sind. Durch das Schleifen sollen die verschiedenen Farbeinschlüsse freigelegt werden. In kreisenden Bewegungen reibe ich für zirka zehn Minuten die beiden Glasplättchen aneinander. Mein Turmalin hat bereits eine schöne gelbe Farbe, allerdings habe ich ungleichmäßig geschliffen. Große Hände, kleiner Stein. Schwierig. Ich versuche nachzubessern, aber als ich mir meine Arbeit betrachten will, ist meine Glasplatte leer und der Turmalin verschwunden. „So etwas hatten wir hier auch noch nicht“, sagt Fischer. Eifrige Kinder helfen mir dabei, meinen Stein zu finden. Leider vergebens – er bleibt verschollen. „Dann starten wir mal einen zweiten Versuch“, ermuntert mich Fischer. Diesmal bin ich vorsichtiger. Ich reibe langsamer über die Glasplatte und vergewissere mich mehrmals, dass ich meinen Stein ja nicht verliere. Der zweite Versuch gelingt. Zwar ist dieser blaue Stein nicht so schön wie sein Vorgänger, aber immerhin habe ich diesmal einen Stein, den ich mit nach Hause nehmen kann. Dennoch gefallen mir die Steine der anderen Teilnehmer besser. Die Geschwister Carla und Lennart Owen zeigen mir ihre blauen und gelben Steine. Sogar Muster lassen sich in ihren Turmalinen erkennen. Neid. Ein Stein sieht fast aus wie ein Windrad, ein anderer wie ein Y. „Eigentlich wollte ich ja ein Superman-Logo schleifen, vielleicht schaffe ich das ja beim nächsten Mal“, meint Lennart. Na, wenigstens ein Trost: Auch mit kleinen, geschickten Fingern hat er sein Ziel nicht ganz erreicht. Seiner Schwester Carla hat der Kurs sehr gut gefallen: „Die Steine sind so schön geworden, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Die Geschwister Emma und Lena Jentsch zeigen sich ebenfalls sehr zufrieden: „Ich habe zwei blaue Steine mit einem Pfeilmuster geschliffen“, erklärt die elfjährige Lena. Gegen 16.30 Uhr ist der Kurs beendet. Ich habe heute zwar nicht den schönsten Stein fertiggebracht, und obwohl mir einer verloren ging und mein gebasteltes Modell wohl kein Kunstwerk war, gehe ich zufrieden nach Hause: Ich habe heute einen Turmalin geschliffen und bin um eine Erfahrung reicher.

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