Kusel Drachen und Engel, Schwerter und Tannenbäume
Es ist immer wieder ein beeindruckendes Bild, wenn ein christliches Fest und eine längst vergangene Epoche sich die Hände reichen: Ein trockener Burgbrunnen wird zum Adventskranz umfunktioniert, und der Christstollen kann bei einer heißen Tasse Met genossen werden. Der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf Burg Lichtenberg ging am vergangenen Wochenende in seine 14. Runde. Nach der Eröffnung am Samstagnachmittag schwärmten wieder Tausende von Besuchern zwischen den alten Mauern umher und erfreuten sich am vielfältigen Angebot.
Unter den Klängen von Pauken und Dudelsäcken marschierte zur Eröffnung ein kostümierter Trupp aus Rittern, Edelleuten und Musikern in die Burg ein, sämtliche Organisatoren, Helfer und Ehrengäste im Gefolge. Unter ihnen der als „Burgvogt“ betitelte Ehrenfried Matthis vom Förderverein der TSG Burglichtenberg, der alle miteinander begrüßte und auch die nachfolgenden Redner vorstellte – darunter Oliver Kusch, Schirmherr der Veranstaltung. „Im Frühling, Sommer und Herbst besuchen wir alle gerne Burg Lichtenberg“, sagte Kusch. „Doch der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist noch mal ein echter Höhepunkt zum allmählichen Ausklang des Jahres.“ Und für genau diesen Höhepunkt hatten sich etwa 50 Standbetreiber gerüstet, um den vorbeischlendernden Gästen neben Glühwein, Waffeln und Nussknackern auch Tierfelle, bemalte Holzwappen oder eine deftige Ritter-Pfanne anzubieten. „Vom Burgtor bis zur Kirche verläuft der Weihnachtsmarkt, dahinter wird es dann eher mittelalterlich“, erläuterte Matthis die Aufteilung. Dennoch verläuft die Grenze zwischen den beiden Themen an jeder Ecke fließend. Wer in der Händlergasse unterwegs war, um für seine Lieben Weihnachtsgeschenke zu kaufen, fand vom Armschmuck über Honigseife bis hin zu dicken Wintersocken alles. Bei einem Wollverkäufer konnte man sich dank gekonnter Vorführung an einem Spinnrad gleich auch noch mit ansehen, wie die Wolle hergestellt wird. Und für die Kinder kam nicht nur am Sonntagnachmittag der Nikolaus vorbei: Die konnten sich auch im Geoskop austoben und Fossilien freikratzen oder an einer Spielstation das Bogen- und Armbrustschießen üben, für das ein paar hölzerne Waldtiere als Ziele herhalten mussten. „Wir haben dieses Jahr echtes Glück mit dem Wetter“, freute sich Organisatorin Barbara Klein, die nach mehreren Monaten Planung und Vorbereitung weiß, welch große Arbeit hinter diesem Markt steckt: „Deshalb ist es immer wieder eine Freude zu sehen, wie gut die Veranstaltung von den Leuten angenommen wird.“ Alle Einrichtungen innerhalb der Burg hätten gut zusammengearbeitet, um das große Projekt mal wieder auf die Beine zu stellen. „Ein jeder hat seinen Part. Und die vielen ehrenamtlichen Helfer von der TSG sind Gold wert“, lobte Klein. „Außerdem haben wir durch eine Patenschaft zwischen der Gemeinde Thallichtenberg und einem Bataillon aus Idar-Oberstein auch noch Soldaten zur Unterstützung für unser Fest gewinnen können.“ Rafael Bischoff als Vertreter des Bataillons ließ in seiner Begrüßungsrede verlauten, dass das Weihnachtsfest auch bei der Bundeswehr nicht mehr wegzudenken sei. „Auch in die Kasernen gehören geschmückte Bäume“, sagte er lächelnd. Wer auch am Abend noch in der Burg flanierte, musste nur der leuchtenden Lichterkette folgen, um von einer Station zur nächsten zu kommen. Diese wies auch den Weg in die Unterburg, wo sich am Samstagabend Musikantenlandpreisträger Martin Folz im Licht der Fackeln die Ehre gab und mit Liedblättern und seinem Akkordeon die Marktbesucher zum Adventssingen einlud. Zusätzlich zu Klassikern wie „Alle Jahre wieder“ oder „In der Weihnachtsbäckerei“ wurde auf Wunsch seiner Kinder auch das Lied „Dicke rote Kerzen“ mit ins Programm aufgenommen. Neben Musik gab es auch Tanz der Gruppe „Shabanna Atesh“, die über das Weihnachtsmarkt-Wochenende mehrmals auftrat. Die Parkplätze rund um die Burg platzten schon am Samstag aus allen Nähten. Zusätzlich zum Burgenbus wurde auch noch ein Shuttlebus eingerichtet. Als am Sonntagabend der Markt schließlich zu Ende ging und die letzten Gäste Burg Lichtenberg verließen, strahlte noch immer der helle Weihnachtsstern aus einem Fenster des Bergfrieds.