Kusel Bahnhof Kusel: Anwohner klagen über Lärm und Umweltverschmutzung
«Kusel.» An warmen Sommerabenden draußen auf der Terrasse ihres Hauses in der Kuseler Bahnhofstraße 76 sitzen, ein kühles Getränk vor sich – und dann kommt ein Zug und läuft eineinhalb Stunden, ehe er wieder wegfährt. Das ärgert Margot und Kurt Caspary nicht nur wegen der Lärmbelästigung, es stinkt ihnen auch – im wahrsten Sinne des Wortes.
„Wir wissen, dass wir hier am Bahnhof leben, ich bin hier großgeworden. Aber das müsste doch nicht sein“, sagt Margot Caspary. Seit etwa drei Jahren liegen sie und ihr Mann ebenso wie weitere Anwohner der Kuseler Bahnhofstraße im Clinch mit der Bahn. Grund: Der Zug, der beispielsweise um 17.35 Uhr in Kusel eintrifft, läuft eine Stunde lang. Der Zugführer fährt dann in dem Endbahnhof auf ein anderes Gleis, um ihn umzusetzen, steht dann noch einmal eine halbe Stunde, ehe er wieder losfährt – und während der ganzen Zeit läuft der Motor genau vor ihrem Haus. Nicht immer, aber oft. Vor allem im Sommer.
Mit Zugführern gesprochen
Kurt Caspary schildert: „Anfangs haben wir versucht, mit den Zugführern zu sprechen. Manchmal waren die auch ganz freundlich, andere hingegen arrogant und ignorant.“ Man habe ihnen gesagt, wenn man die Züge abstelle, würden sie anschließend nicht mehr anspringen. Deswegen wandte sich das Ehepaar auch an die DB Regio in Kaiserslautern. In einem persönlichen Gespräch versicherte man ihnen, man werde das Fahrpersonal sensibilisieren. Anweisungen zum Abstellen von Motoren und die generelle Sensibilisierung für Lärm- und Schadstoffreduzierung seien Bestandteil der regelmäßigen Fortbildungen und Begleitfahrten der Mitarbeiter, schrieb ihnen der Leiter des Kundendialogs DB Regio Mitte. Doch getan, so klagen die Casparys, habe sich nichts. „Es geht nicht nur um Umweltverschmutzung, sondern auch um Energieverschwendung. Da dürfen Dieselautos nicht mehr in Städte hineinfahren und hier laufen Dieselloks stundenlang“, klagt das Ehepaar.
Problem sind Klimaanlage und Heizung
Die Deutsche Bahn AG schrieb auf Anfrage der RHEINPFALZ, seit Einführung neuer Nahverkehrszüge der Baureihen VT 642 und VT 643 in der Pfalz gebe es immer wieder Beschwerden wegen laufender Dieselmotoren auf Abstellgleisen. Das Problem sei, dass bei sehr hohen und sehr niedrigen Temperaturen die Dieselmotoren zum Betrieb der Klimaanlagen beziehungsweise der Heizung benötigt würden. „Um eine Überhitzung der Fahrzeugelektronik in diesen Fällen zu vermeiden, ist ein gänzliches Abstellen der Motoren am Bahnsteig oder auf Abstellgleisen absolut nicht möglich“, argumentiert die Pressestelle der DB. Nach deren Angaben kann der Zug auch nicht an eine Fremdstromversorgung angeschlossen werden, die lediglich zur Spannungserhaltung des Bordnetzes sowie zum Weiterbetrieb der Heizung ausgelegt sei. Der Weiterbetrieb einer Klimaanlage bei abgeschalteten Motoren sei nicht möglich.
Startschwierigkeiten
Bei „normalen“ Temperaturen hingegen sind die Fahrer der Triebfahrzeuge laut Bahnsprecher angewiesen, die Motoren abzuschalten, wenn die Züge abgestellt sind. Bei längeren Stillständen in den Abstellanlagen sollen sie an die Fremdstromversorgung angeschlossen werden. „Es hat sich jedoch gezeigt, dass es nach Abstellen der Motoren immer wieder zu anschließenden Startschwierigkeiten kommt.“ Deswegen verzichteten die Lokführer vorsorglich auf das Abschalten, um Zugverspätungen oder Zugausfälle zu vermeiden. Mit dem zusätzlichen Einbau von Kondensatoren arbeite die Deutsche Bahn an der Behebung des Problems. Zur Situation in Kusel schreibt die Pressestelle der DB, wie in anderen Anfangs- oder Endbahnhöfen sei es hier so, dass Gleise zur temporären Abstellung von Triebwagen genutzt werden müssten. „Würden die Züge an den Bahnsteiggleisen verbleiben, würde dies Überholungen und Zugdurchfahrten in alle Richtungen ausschließen.“