Kusel
Auch wenn es nicht so aussieht: Der Wald bringt viel Geld in den Landkreis Kusel
In diesen Wochen dürfen sich nahezu alle Ortsgemeinderäte im Kreis mit ihrem Forstwirtschaftsplan beschäftigen. Und man erhält den Eindruck, als sei der Wald nahezu überall ein Minusgeschäft für die Gemeinden. Aber erstens stimmt das nicht. Und zweitens bringt er viel Geld in den Landkreis.
60 Euro im Plus hier, 500 Euro im Minus dort – die Forstwirtschaftspläne für den jeweiligen Gemeindewald durchlaufen derzeit wieder die Gremien. Nicht immer zur Erbauung der Gemeindevertreter, die vielfach ein Defizit akzeptieren müssen. Und das mit durchweg leeren Kassen. Ganz anders sieht es aus, wenn man den Wald als Ganzes im Kreis Kusel betrachtet – unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Vom sozialen und vom ökologischen Wert ganz abgesehen.
Der Kreis gilt als arm an Wald
Überraschende Erkenntnis Nummer eins: Auch wenn hier fast überall Bäume stehen, gilt der Landkreis Kusel als waldschwaches Gebiet. Nur 34,6 Prozent seiner Fläche ist mit Wald bedeckt. Die Grenze, ab wann man nicht mehr als waldschwach gilt, liegt bei 35 Prozent, wie Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel erläutert.
Laut Kleinhempel gibt es im Kreis Kusel 16.500 Hektar Wald. Davon sind 3500 Hektar Staatswald, weitere 5000 Hektar sind in Privatbesitz. Das Gros von 8000 Hektar gehört den Ortsgemeinden. Nur vier von ihnen – Ginsweiler, Grumbach, Nerzweiler und Reipoltskirchen – haben laut Kleinhempel keinen eigenen Wald. Dafür kommt der Wasserzweckverband Ohmbachtal als 95. kommunaler Waldbesitzer dazu.
Gar nicht so rote Zahlen
Überraschende Erkenntnis Nummer zwei: So rot sind die Zahlen gar nicht, die der Wald für seine Gemeinden schreibt. In den sechs Wirtschaftsjahren 2013 bis 2018 hat der Gemeindewald im Kreis nur 28.700 Euro Minus gemacht.
Er wäre sogar dick im Plus, wenn nicht die beiden vergangenen Jahre so schlecht gelaufen wären. 2017 verbuchte der Gemeindewald ein Minus von 38.000 Euro, 2018 sogar eines von 41.000 Euro. 2019 wird nach Kleinhempels Einschätzung ähnlich abschließen.
Diese wirtschaftlich schlechten Jahre haben ihre Gründe: 2017 ging die Nachfrage nach Brennholz rapide zurück. Die war seit 2014 stark gestiegen, weil der Ölpreis ungekannte Höhen erreicht hatte und die Verbraucher, auch Firmen, wo möglich auf günstigeres Brennholz ausgewichen waren. Inzwischen hat sich der Ölpreis auf einem deutlich niedrigeren Niveau stabilisiert.
Borkenkäfer verdirbt Preise
Und 2018 war das erste Jahr, in dem das Borkenkäfer-Problem so richtig durchgeschlagen hat. Massenhaft kam billiges Fichtenholz auf den Markt und verdarb die Preise. Das hat auch die Forstwirtschaft im Kreis Kusel nicht unbehelligt gelassen, obwohl Kleinhempel betont, dass „wir hier kein großes Borkenkäfer-Problem haben“.
Inzwischen hat der Borkenkäferbefall in vielen deutschen Waldgebieten noch ein weiteres Loch in die Gemeindekassen gerissen. Denn weil so viel Holz anfällt, kommen die auf die Waldwirtschaft spezialisierten Firmen mit der Arbeit nicht mehr hinterher. „Wir bekommen kaum noch Unternehmen“, klagt Kleinhempel. Mit der Folge, dass zum Teil gar nicht so viel Holz eingeschlagen (und damit verkauft) werden kann, wie das die Gemeinden und das Forstamt vorsehen. Oder halt erst sehr spät im Jahr.
Immer mehr wertvolles Stammholz
Interessant ist auch ein Blick auf das, was im Laufe eines Jahres in den Gemeindewäldern im Landkreis Kusel so geschlagen wird – und hier zeigt sich in den vergangenen Jahren eine positive Tendenz. Denn es wird immer mehr Stammholz geerntet – die Menge stieg von 2015 bis 2017 von 6650 auf 9300 Festmeter. Das ist deshalb gut, weil Stammholz – unter anderem in der Möbelindustrie verwendet – teurer verkauft werden kann. Die Erlöse sind von 586.000 auf 864.000 Euro gestiegen; der Löwenanteil der rund 1,4 Millionen Euro, die für den Holzverkauf aus Gemeindewäldern eingenommen werden.
Auch der Einbruch beim Brennholz ist gut nachvollziehbar. Der Einschlag fiel von 14.550 auf 10.350 Festmeter. Die Erlöse fielen damit um gut 150.000 Euro auf 417.000 Euro 2017. Vergleichsweise stabil sind Einschlag und Erlöse beim Industrieholz, das etwa zur Papierherstellung genutzt wird. Hier liegen die Zahlen zwischen 2000 und 3000 Festmetern, die Erlöse zwischen knapp 100.000 und 130.000 Euro.
2,1 Millionen Euro für Ausgleiche
Aber: Bei all dem fehlt noch ein ganz wichtiger Wirtschaftswert des Waldes. Und zwar Geld beziehungsweise Aufwertungen des Walds im Landkreis, wenn dieser genutzt wird, um Ausgleich für Flächenverbrauche herzustellen. So sind im Kreis in den vergangenen Jahren beispielsweise Aufforstungen erfolgt für Polder, die am Rhein bei Altrip gebaut wurden; oder für Flächen, die für den Bau des US-Hospitals bei Weilerbach und bei Erweiterungen am Flugplatz Ramstein versiegelt worden sind. Dazu gehören aber auch Ausgleichsflächen, wenn im Kreis Kusel Firmen oder Baugebiete erweitert werden.
All das hat binnen elf Jahren nicht weniger als 2,1 Millionen Euro in die Wälder des Kreises Kusel gebracht – inklusive der Kalkung vor zwei Jahren rund um den Potzberg, die den Waldboden langfristig deutlich verbessert hat. Mit diesem Geld sind entweder zusätzliche Flächen bepflanzt worden. Oder bestehende Wälder aufgewertet.
Kleinhempel will natürlich nicht die Ökonomie zu stark bewertet wissen. Forstwirtschaft spiele sich in einem Dreieck zwischen der wirtschaftlichen, der ökologischen und der sozialen Bedeutung des Waldes (vor allem als Erholungsgebiet) ab, bei dem man nie einen Punkt zu sehr bevorzugen dürfe, weil „man sonst aus dem Gleichgewicht kommt und hinfällt“. Aber interessant ist der Blick auf den Wald als Wirtschaftsbetrieb allemal.