Kusel Alles keine Hexerei

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Millionen Franzosen haben mächtig gestaunt über den blonden Saarländer mit der langen Mähne: Stand er nicht eben noch auf der Bühne? Abgetaucht. Nur Sekunden später ist er wieder da – steht allerdings, nur mit einer Badehose bekleidet – unter einer prasselnden Dusche inmitten des Publikums. Jakob Mathias hat das französische Fernsehpublikum in einer renommierten Show verzaubert: „Le plus grand cabaret du monde“ („Das großartigste Cabaret der Welt“) gilt in der Tat als eine der weltweit größten Unterhaltungs-Shows. Einmal im Monat flimmern zur besten Sendezeit am Samstagabend atemberaubende Nummern über die Schirme in französischen Wohnzimmern. Die Produktion für den Sender TF 2 – vergleichbar mit dem deutschen ZDF – war die bislang größte Bühne für den jungen Mann aus dem St. Wendeler Stadtteil Oberlinxweiler. Dass er dabei überhaupt im Rampenlicht stehen durfte, verdankt der 20-Jährige seinem bislang größten Erfolg: Im Juli hat Mathias bei der Weltmeisterschaft der Zauberer im italienischen Rimini den Sprung auf Platz eins in der Sparte „Stage Illusion“ (Bühnen-Magie) geschafft. So etwas erregt in der Fachwelt höchste Aufmerksamkeit: Die WM hat dem Lehramts-Studenten sogar schon einen Auftritt in Moskau beschert. Und der Fernseh-Show wiederum verdankt er, dass er nun ein Engagement für Fernost in der Tasche hat. Im Mai wird Mathias an 21 Abenden in Folge auf einer Bühne im japanischen Osaka zaubern. Und weil er schon mal da ist, darf er nach Tokio weiterreisen und auch dort sechsmal seine „Beach Party“ präsentieren. So heißt die Nummer, mit der der St. Wendeler Illusionist bei der WM brilliert hat. Beruf? „Zauberer“: Diese Antwort würde Jakob Mathias nur zu gerne geben, wenn er nach seiner Profession gefragt wird. Das hat der Saarländer schon vor der WM erklärt, aus seinem „Traumberuf“ kein Hehl gemacht. Aber geht das? „Natürlich geht das“, sagt Georg Lauer voller Überzeugung. „Ich kann allein im Saarland zehn Leute aufzählen, die davon leben – gut leben“, stützt der Event-Manager aus St. Wendel diese These. Lauer managt auch Jakob Mathias, hat seinen Anteil am Aufstieg des jungen Mannes, der seit Jahren als eines der größten deutschen Magier-Talente gilt. Dem Talent-Status ist der sympathische Schlacks mit den langen Jahren allerdings inzwischen entwachsen. Für Jakob – der die Begeisterung fürs Zaubern von seinem Vater Patrick Mathias sozusagen in die Wiege gelegt bekommen hat – ist die Profi-Karriere greifbar nahe. Für die Japan-Tour muss er ein Semester sausen lassen. Fällt ihm nicht schwer. Profi-Ambitionen hat Jörg Gaßner hingegen nie gehegt. Zumindest als Zauberkünstler nicht. Die Welt der Magier aber hat dem Bexbacher eine andere Tür geöffnet: Gaßner betreibt im Stadtteil Frankenholz den „Zauberdrachen“. Zwar ist die Tür des Ladens nicht regelmäßig geöffnet. Doch auf Vereinbarung schließen Gaßner und Ehefrau Petra gerne auf. Der „Zauberdrachen“ ist ein Geschäft, das ursprünglich Zubehör für Illusionisten vertrieben hat. „Gezinkte Karten habe ich nach wie vor im Programm“, sagt Gaßner. Allerdings hat er inzwischen einen etwas anderen Schwerpunkt gesetzt: Der „Zauberdrachen“ führt weiterhin „Werkzeug“ für all die Tricks, die das Publikum zum Staunen bringen. In erster Linie aber vertreibt Gaßner im Laden sowie vor allem per Versandhandel alle Arten von Ballons. Spezialität des „Zauberdrachens“: Mit Helium gefüllte Latex-Ballons, die das Ehepaar Gaßner an Kunden in ganz Deutschland sowie in Österreich verschickt. Und Ballons sind es auch, auf die Gaßner bei seinen eigenen Auftritten setzt. Luftballons sind wichtiges Utensil. Aus ihnen versteht er es, Figuren zu formen. Verschiedene Tiere nehmen unter seinen geschickten Fingern Gestalt an, Gaßner formt Schlümpfe, will jetzt auch die Disney-Figur Dagobert Duck aus luftgefüllten Ballons hervorquietschen lassen. Der 44-Jährige hat seine Liebe zur Zauberei ziemlich spät entdeckt. Erst vor gut zehn Jahren sei er damit in Berührung gekommen. Die ersten Tricks hat er sich selbst angeeignet, ist dann in einen magischen Zirkel in Saarbrücken eingetreten. Dafür sei heute kaum mehr Zeit; überhaupt sei er auch nur noch fünf-, sechsmal im Jahr als Zauberer zu sehen. Dann schlüpft Gaßner in die Rolle der Nonne „Hanuda vom Orden der Nixnutzia“. Auf imaginärer Reise nach Marpingen entführt der Magier sein Publikum in die Welt der Salon-Zauberei. Weitaus mehr gefragt und weniger aufwendig sind seine Auftritte vor Kindern, die sich mit den Luftballons in eine bunte Welt der Fantasie entführen lassen. Auch Veranstaltungs-Agent Georg Lauer greift da immer wieder gern auf den Bexbacher zurück. Übrigens: Gaßner ist berufstätig, sein „Zauberdrachen“ fungiert – wenngleich die einzigartigen flugbereit verpackten Ballons made in Bexbach zunehmend gefragt sind – als zweites Standbein. Jakob Mathias aber ist dabei, die Zauberei zu seinem Broterwerb zu machen. „Man muss aber auch sehr, sehr gut sein, um da bestehen zu können“, weiß Lauer. Mathias gehöre zu den Besten. Und beherrsche alle Spielarten der Kunst. Auch in der Sparte Salon-Magie ist der St. Wendeler spitze. Aktuelles Zugpferd, das er auch bei der WM in Rimini vorführte, ist seine „Cola Show“. Dabei bringt er es fertig, eine Liter-Flasche Cola vor aller Augen und ohne sie eine Sekunde hinter einem Tisch verschwinden zu lassen – in eine Flasche Fanta zu verwandeln. Wie? Das verrät ein „echter“ Magier – zumal ein angehender Profi-Zauberer – natürlich nicht.

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