Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel Windparkpläne im Otterberger Stadtrat präsentiert

Könnten bald Strom für Otterberg liefern: Die Firma Juwi stellte im Stadtrat ein Konzept vor, bei dem Windenergie und Strom und
Könnten bald Strom für Otterberg liefern: Die Firma Juwi stellte im Stadtrat ein Konzept vor, bei dem Windenergie und Strom und Wärme aus einem Blockheizkraftwerk kombiniert werden könnten.

Ein kombiniertes Konzept aus Windkraft, Nahwärmeversorgung sowie einer Speicherlösung stellte die Firma Juwi den Mitgliedern des Otterberger Stadtrats am Dienstagabend vor. Das Tochterunternehmen der MVV-Energie AG aus Mannheim versprach dabei einen Beitrag zur Klimaneutralität, günstige Strompreise sowie eine Beteiligung der Bürger.

„Am Standort Otterberg könnte mehr als sonst üblich gemacht werden“, erklärte Daniel Fromme, der Abteilungsleiter Vertrieb der Firma Juwi. Die Vorschläge des Unternehmens bauten darauf auf, dass die Verbandsgemeinde und die Stadt Otterberg ein Nahwärmenetz planten. Angeschlossen werden sollen daran zunächst kommunale Gebäude, später könnte es aber auch auf die Kirche oder private Haushalte ausgeweitet werden. Das in diesem Zusammenhang als Wärmequelle geplante Blockheizkraftwerk, mit Holzpellets betrieben, könnte mit einer Direktleitung mit den projektierten Windkraftanlagen sowie auch mit einer Speichereinheit verbunden werden. „Auf diese Weise ist es möglich, die kommunal benötigten Wärmegrundlasten in Teilen abzudecken“, so Fromme.

Teilweise autarke Versorgung

Die Firma Juwi übernähme dabei die Kosten für die Einbindung der Windkraft sowie für alle dafür benötigten Anlagen. Die MVV als Betreiber wäre dann in der Lage, am Ende den Strom zum Preis von 17,85 Cent pro Kilowattstunde zu liefern. Das Konzept gewinne auch dadurch an Charme, dass durch die direkte Anbindung an den Windpark und an einen zusätzlichen Speicher Teile des Strombedarfs in der Gemeinde autark zur Verfügung stünden. Fromme wies dabei auf die hohen Energiekosten für die Straßenbeleuchtung, die Pumpen für die Wasserversorgung und das Klärwerk hin. Resümierend sprach der Vertreter des Unternehmens von einem „Pilotprojekt im Bereich erneuerbare Energien in der Region“. Es handele sich um ein innovatives Konzept zur Sektorenkopplung: Direkt erzeugte oder gespeicherte Windenergie werde ergänzt durch Strom und Abwärme, die das Blockheizkraftwerk liefere. So sei zu vielen Zeiten vor Ort produzierte Energie vorhanden, um beispielsweise die Straßenbeleuchtung zu betreiben.

Bis zu 250 Meter hohe Windräder

In Bezug auf den Windpark selbst sagte ein Sprecher des Unternehmens, dass es sich um acht Anlagen handele, die bis zur Spitze der Rotoren eine Höhe von 245 bis 250 Metern erreichten. Den Abstand zur Siedlung gab er mit 1600 Metern an, den zum Außengehöft mit 940 sowie den zum Messerschwanderhof mit 1100 Metern. Die Eingriffe in den Wald und auch Schallentwicklung und Schattenwurf würden im Genehmigungsverfahren mithilfe von externen Gutachten eingearbeitet. Anlagen dieser Größenordnung könne man natürlich nicht verstecken, aber sie seien auch nicht von überall in der Gemeinde sichtbar.

Kostengünstiger Ökostrom für Bürger

Die Vorteile für die Bürger in Otterberg lägen in der Lieferung von kostengünstigem Ökostrom, einem Startguthaben von 200 Euro sowie der Auflage eines Sparbriefes zum Windpark. Dieser sei mit einem festen Zinssatz ausgestattet und werde in Zusammenarbeit mit einer regionalen Bank ausgegeben. Dabei seien Laufzeit und Zeichnungsvolumen individuell verhandelbar. Falls der Stadtrat sich für die Umsetzung des Konzepts entscheiden sollte, seien dann verschiedene Planungsschritte erforderlich. Mit dem Bau der Anlagen könne 2025 begonnen und der Betrieb im folgenden Jahr aufgenommen werden.

Kompromisse erforderlich

In der sich anschließenden Fragerunde hob Klaus-Dieter Fornalski für die SPD-Fraktion hervor, dass der Wald in dem Konzept lediglich als Wirtschaftsgelände gesehen werde. Die Belange der Naherholung, des Tourismus sowie auch der Wert des Eigentums der Bürger werde aus seiner Sicht zu wenig berücksichtigt. „Es ist die Aufgabe des Stadtrates, die Vorteile für die Verbandsgemeinde sowie die monetären Aspekte für die Bürger und die Eingriffe in den Wald gegeneinander abzuwägen“, erklärte der Juwi-Sprecher.

Aus den Reihen der CDU-Fraktion wurde nach den Risiken von Eis- und Feuerwurf gefragt. Das Herunterfallen von Eisbrocken werde durch Sensoren unterbunden, hieß es in der Antwort. Ein Feuer in dieser Höhe müsse kontrolliert abbrennen. Dabei sorge ein Löschwasservorrat vor Ort dafür, dass der Brand nicht auf den Wald übergreife. Auf die Frage von Rupert Schönmehl nach dem Flächenverbrauch im Forst gab es die Auskunft, dass er dauerhaft 0,6 bis 0,8 Hektar betrage. Allerdings müssten für den Bau der Anlage die Forstwege vorübergehend auf viereinhalb bis fünf Meter verbreitert werden. Eine weitere Frage des CDU-Mannes betraf den möglichen Einfluss der Landesregierung auf das auch als Pilotprojekt bezeichnete Vorhaben. „Von der Landesregierung gibt es in dieser Hinsicht keine Anweisungen, aber ein Interesse am Klimaschutz“, stellte der Juwi-Sprecher fest.

Andreas Markus fragte für die Grünen, wie es um den technischen Entwicklungsstand der Blicklichter auf den Anlagen bestellt sei. Bis zum Bau der Anlagen, so die Antwort, sei es sicherlich so weit, dass diese nur bei der Annäherung von Flugobjekten eingeschaltet würden. Die Eingriffe in den Wald müssten nach Markus’ Worten mit dem Blick auf das gesamte Konzept gesehen werden. Kompromisse seien erforderlich.

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