Weilerbach RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Ortsbürgermeister nicht mehr antritt

Ein Ortsbürgermeistertermin: Horst Bonhagen beim Weilerbacher Weindorf, das auf dem neuen Dorfplatz stattfindet.
Ein Ortsbürgermeistertermin: Horst Bonhagen beim Weilerbacher Weindorf, das auf dem neuen Dorfplatz stattfindet.

Nach drei Amtsperioden soll für ihn Schluss sein: SPD-Mann Horst Bonhagen bewirbt sich bei der Kommunalwahl nicht mehr um den Posten als Weilerbacher Ortsbürgermeister. Vor allem ein Grund ist dabei für ihn ausschlaggebend.

Seit 2009 ist Bonhagen schon Ortschef. Damals folgte er dem Christdemokraten Eberhard Schmitt nach, der 24 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde geleitet hatte. Das Gestalten habe ihm immer Spaß gemacht, sagt Bonhagen, der als Sparkassenbetriebswirt tätig war, über seine 15-jährige Amtszeit: „Wenn man vor Ort ist und sieht, was man alles gemacht hat.“ Die Fehler sehe man dann natürlich auch, fügt er hinzu. „Es war eine schöne Zeit.“ Dass er nicht mehr antritt, hat vor allem mit seinem Alter zu tun. „Wenn ich noch mal für fünf Jahre gewählt werden würde, dann wäre ich 73.“ In diesem Alter sollte man nichts mehr auf die lange Bank schieben und sein Leben genießen, solange das noch möglich sei. Befreit vom Termindruck wolle er künftig mehr Zeit haben für spontane Unternehmungen, für Reisen und für die Familie mit den beiden Enkelkindern.

Wie viele seiner Amtskollegen betont auch der SPD-Mann, dass der Posten eines ehrenamtlichen Ortsbürgermeisters sehr viel Arbeit mit sich bringe, vor allem, wenn man noch berufstätig sei. „Bis 23 Uhr habe ich zum Teil noch am PC gesessen“, blickt er auf die Zeit zurück, bevor er mit 61 Jahren in Rente ging. Für einen Ort wie Weilerbach mit seinen rund 5000 Einwohnern bräuchte es seiner Meinung einen hauptamtlichen Ortsbürgermeister. Bei einem Vorhaben wie der Erweiterung des Gewerbegebietes gebe es beispielsweise jede Woche Baustellentermine, die man wahrnehmen müsse.

Den Immel II zählt Bonhagen denn auch zu den größeren Vorhaben seiner Amtszeit. Da die Ortsgemeinde dort keine Grundstücke besessen habe, habe viel verhandelt werden müssen, um das Ganze hinzubekommen und um damit den Dübelproduzenten MKT im Ort zu halten. Dieser errichtet dort einen Erweiterungsbau. Rund 22.000 Quadrater sind im vorderen Bereich des Immel II noch frei – die Firma Pro Alpha benötige die Erweiterungsfläche nicht mehr, sagt Bonhagen. „Wir sind in der Vermarktung.“ Anfragen gebe es für dieses Areal. Nach wie vor wartet die Gemeinde zudem auf einen Zuschuss des Landes für die Erschließung des Gewerbegebietes.

In die Bürgermeisterzeit des 68-Jährigen fällt unter anderem auch der Bau des neuen Dorfplatzes mit den Wasserspielen, an den mit dem Bistro Stellwerk ein Inklusionsbetrieb angrenzt. Das einstige Bahnhofsareal hat damit völlig sein Gesicht verändert. „Eine Wahnsinnsgeschichte“, findet Bonhagen im Rückblick. Wenn er nunmehr immer wieder Kinder zwischen den Wasserfontänen spielen sieht, dann gehe ihm das Herz auf. Zudem wurden in den vergangenen Jahren in Weilerbach eine kommunale Kita neu gebaut und eine vergrößert. 165 Plätze gebe es dort zusammen. Trotz dieser Millionen-Projekte habe Weilerbach „keinen Euro Schulden“.

Generell seien ihm „gute und solide Finanzen“ wichtig gewesen, betont Bonhagen und weist darauf hin, dass der aktuelle Haushalt gerade ohne Auflagen genehmigt worden sei. Weitere Maßnahmen waren der Schönweiler mit seinen 90 Bauplätzen, die Einführung des Städtebauförderprogramms und der Allwetterplatz im Naherholungsgebiet, wo beispielsweise Fußball gespielt werden kann. Stolz ist Bonhagen zudem wegen des „funktionierenden eigenen Bauhofs“, der nicht zuletzt dafür sorgt, dass die Grünanlagen in Schuss sind. Sieben Mitarbeiter zählt dieser, im Sommer kommen noch zwei Saisonkräfte dazu. Falls es irgendwo etwas zu bemängeln gebe, schicke er dem Bauhof einfach Fotos, und der kümmere sich dann darum: „Toll!“

Nicht gut findet der scheidende Weilerbacher Ortsbürgermeister dagegen, dass es in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Auflagen des Landes gegeben habe, die die Möglichkeiten vor Ort einschränkten – beispielsweise in Hinblick auf die Finanzen. „Das führt dazu, dass die Orte nicht mehr gestalten können“, moniert er.

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