Landstuhl
Stadthalle weiter als Eigenbetrieb oder anderes Konzept? Das ist derzeit die Frage in Landstuhl
Mit dem Konzept, das die Leiterin der Stadthalle, Kornelia Bernheine, umsetzt, sei bereits der richtige Weg eingeschlagen, findet Stadtbürgermeister Ralf Hersina (SPD). Neue Veranstaltungsformate und die Ausweitung der Nutzung als Tagungszentrum, nennt er zwei Beispiele, die Erfolg versprächen. Auch würde inzwischen verstärkt angefragt für private Feiern wie Hochzeiten. All dies könne auf längere Sicht womöglich zu besseren Haushaltszahlen führen.
Eine Auflösung des Eigenbetriebs hält er für falsch. Vielmehr spricht er sich dafür aus, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und nach weiteren Möglichkeiten zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation zu suchen. „Es kann ja sein, dass es da noch Ideen gibt“, zeigt Hersina sich offen für Vorschläge.
Öffentliche Personaldebatte „stinkt“ Hersina
„Was mir am meisten stinkt, ist, dass man in der Öffentlichkeit über das Personal diskutiert“, ärgert sich Hersina. Gerade wenn Ratsmitglieder dies tun, sei das respektlos gegenüber den Angestellten und zeuge nicht gerade von Anstand. Denn die gewählten Vertreter hätten auch eine Verantwortung gegenüber den „sehr motivierten Mitarbeitern“, die wirklich mit vollem Einsatz zu Werke gingen. Die Ablehnung des Haushalts in der vergangenen Sitzung des Stadtrats sei für sie sicherlich eine Ohrfeige gewesen. Zumal bei einer Auflösung des Eigenbetriebs Stellen auf dem Spiel stünden.
„Die SPD steht für den Erhalt des Eigenbetriebs“, betont Fraktionsvorsitzender Jan Bütow. Unter anderem würden die Veranstaltungen ja auch Gewinne abwerfen. Beispielsweise durch Getränkeverkauf. Mit der Auflösung des Eigenbetriebs gebe es nur Ausgaben für die Stadt. Dabei spricht Bütow vor allem die Instandhaltung des Gebäudes an, die ja weiterhin auf Kosten der Stadt laufen müsste.
SPD für Eigenbetrieb
Natürlich seien die Personalkosten ein großer Bocken. Aber auch ohne Eigenbetrieb müsse die Stadthalle verwaltet werden. Dann womöglich mit Personal der Verbandsgemeinde. Und das koste auch Geld, das der Stadt in Rechnung gestellt würde. Mit dem von der Stadthallenleitung erarbeiteten Konzept sei man auf dem richtigen Weg und habe schon kleinere Einsparungen erreichen können. Es brauche aber Zeit, bis so ein Konzept komplett greift. Hier verweist Bütow auch auf eine Wirtschaftsprüfung. Mehr als 50.000 bis 80.000 Euro könnten laut dieser nicht eingespart werden. Wobei man da noch immer bei einem Jahresverlust von gut 800.000 Euro liege. Das sei allerdings für eine Kulturstätte wie die Stadthalle ganz normal, habe der Wirtschaftsprüfer bestätigt.
FWG steht für neues Konzept
Die Stadthalle nicht mehr weiter als städtischen Eigenbetrieb führen, dafür steht die FWG. Fraktionsvorsitzender Franz Wosnitza präsentiert den entsprechenden Gegenentwurf. Dieser sieht im Wesentlichen vor, die Stadthalle zukünftig durch Fremdveranstalter auf deren eigene Rechnung zu besonderen Konditionen zu betreiben. „Das Konzept fußt darauf, dass die Stadthalle an Menschen vermietet wird, die dort Veranstaltungen durchführen“, erläutert Wosnitza.
Im Kern der Überlegungen steht die Einsparung von Personalkosten. 435.000 Euro seien es. „Da muss ich doch wissen, dass jede Veranstaltung mit hohen Verwaltungskosten belastet ist“, betont Wosnitza. Mehr Geld für die Kulturschaffenden und weniger für die Verwaltung sei das Ziel der FWG. Die Ausgaben für Personal, das sich „mehr oder weniger selbst verwaltet“, wie Wosnitza mit Blick auf die lediglich etwas mehr als 80 Veranstaltungen im Jahr sagt, sollen mit der Auflösung des städtischen Eigenbetriebs eingespart werden.
Profis machen lassen
Dafür sollten Kulturschaffende besser unterstützt werden. Um gelungene Veranstaltungen in der Stadthalle durchführen zu können, brauche es die entsprechenden Profis. Also Veranstalter und Künstler, die direkt aus dem Kulturbereich kommen. Das sei bei der jetzigen Leiterin der Stadthalle nicht der Fall. Bernheine komme eben aus der Verwaltung und sei kein Kultur-Profi, meint Wosnitza.
Bei diesen Überlegungen stellt sich die Frage, was aus den Mitarbeitern werden soll. „Da habe ich bei einer so großen Verwaltung wie der Verbandsgemeinde Landstuhl doch Stellen frei“, zeigt sich Wosnitza optimistisch, dass diese dort gut untergebracht werden könnten. Es handele sich ja lediglich um drei Vollzeit- und vier Teilzeit-Stellen.
„Ich habe ein ganzes Netzwerk an Veranstaltern und Künstlern, die ich gut kenne“, sagt Wosnitza. Die hätten auch schon Interesse an in Eigenverantwortung organisierten Veranstaltungen in der Stadthalle gezeigt. Also eben genau so, wie es das Konzept der FWG vorsieht. Wosnitza ist sich dabei sicher: „Die Stadthalle wird nicht leer stehen. Das Angebot wird sogar besser.“
CDU für alles offen
„Die CDU will die Stadthalle nicht schließen, sondern zukunftsfähig machen“, betont Fraktionsvorsitzender Gerhard Malinowski. Wie das aussehen kann, sei derzeit noch völlig offen. Das am Dienstag in der Sitzung des Werksausschusses besprochene Konzept für den Eigenbetrieb Stadthalle verspreche nicht gerade eine finanzielle Besserung. Es müsse ergebnisoffen diskutiert werden, wie es mit der Stadthalle weitergeht. Konkret könne man da noch keine Aussagen treffen.
Dass die Kultureinrichtung nun unbedingt ein städtischer Eigenbetrieb bleiben muss, sieht Malinowski nicht. Da wären auch andere Strukturen denkbar, wenn sich dadurch Geld sparen lasse und die Qualität erhalten bleibe. Womöglich könne auch ein Verein die Stadthalle übernehmen, denkt Malinowski einfach mal ins Blaue. Eventuell könnten dadurch Steuern gespart werden und auch Personalkosten, vermutet er.
Wenn Personalabbau, dann sozialverträglich
Der CDU liege es fern, Personal abzubauen. Sie schätze die gute Arbeit der Angestellten und wolle keinesfalls, dass diese – falls ein neues Konzept denn überhaupt einen Stellenabbau erfordern sollte – letztendlich auf der Straße stehen. Einfach vor die Tür setzen, sei keine Option. Wenn am Ende tatsächlich weniger Personal benötigt werde, müsse man sehen, dass das alles sozialverträglich umgesetzt werde.
„Ich bin für die Beendigung des Eigenbetriebes“, sagt Sabine Schäfer (Die Linke). Die Stadthalle schreibe seit Jahrzehnten ein zu hohes Minus und sei nur zu 50 Prozent ausgelastet, begründet sie ihre Sichtweise. Außerdem sei der Besuch zu teuer. „Wer kann sich denn einen Stadthallenbesuch bei Preisen zwischen 28 und 43 Euro leisten“, fragt sie mit Blick auf finanziell schwächer gestellte Menschen. Da sieht sie eher im Konzept der FWG Möglichkeiten, gerade dieser Personengruppe bessere Angebote unterbreiten zu können. Auch für Jugendliche könne damit wohl eher das nach Schäfers Ansicht recht maue Angebot verbessert werden. Die Idee, die Vereine mehr einzubinden, befürwortet Schäfer.