Landstuhl
Sehenswürdigkeiten digital besser in Szene setzen
Kuladig, das steht für „Kultur. Landschaft. Digital“. Mit diesem Informationssystem, das es außer in Rheinland-Pfalz auch noch in Hessen und Schleswig-Holstein gibt, sollen Sehenswürdigkeiten ins rechte digitale Licht gerückt werden. Die Idee ist, wissenschaftlich fundierte Hintergründe so zu verpacken, dass sie viele Menschen neugierig machen und zu einem Besuch verlocken. Genau das ist es auch, was sich Peter Degenhardt, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Landstuhl und Vorsitzender des Zentrums Pfälzerwald-Touristik, von der Teilnahme verspricht. „Wir möchten diese Möglichkeit nutzen, um unser touristisches Angebot landesweit möglichst vielen Menschen zugänglich und Lust auf einen Besuch in unserer schönen Heimat zu machen.“ Er freut sich, dass die Bewerbung der VG erfolgreich war und Landstuhl als eines von elf rheinland-pfälzischen Projekten in diesem Jahr ausgewählt wurde.
Digitaler Burgführer
Zunächst sollen Burg Nanstein und Bismarckturm in Landstuhl sowie die Kindsbacher Heidenfelsen mit Quellheiligtum über Kuladig vorgestellt werden. Sie liegen alle am Premiumwanderweg „Burg Nanstein Weg“ und sind darüber miteinander verbunden und gut zu erreichen. Die vielfältige Literatur und vorhandene digitale Datenträger würden gerade von Mitarbeitern des Tourismusbüros gesichtet, um sie dann dem Projektteam um den Medienwissenschaftler Michael Klemm von der Uni Koblenz zur Verfügung zu stellen. Er und seine Studenten werden dann die relevanten historischen Fakten zusammentragen und in Texte umsetzen, berichtet der Bürgermeister.
„Konkret wird der erste digitale Burgführer erstellt, der den aktuellen Audioguide ablösen und es den Besuchern ermöglichen soll, über QR-Codes mit dem Smartphone oder Tablet auf die angebotenen Informationen zurückzugreifen“, erläutert Degenhardt. Er erhofft sich, durch die Zusammenarbeit mit dem Projektteam „von dem digitalen Know-how der Spezialisten profitieren und uns das ein oder andere für unsere tägliche Arbeit abschauen“ zu können. Funktioniere das gut, sei in der Folge geplant, in Eigenregie weitere touristische Ziele in der VG wie die Burg Wilenstein, das Trippstadter Schloss oder den neuen Premiumwanderweg Karlstal auf diese Art und Weise „sichtbar zu machen“, wie Degenhardt sagt.
Mit szenischen Darstellungen Wissen vermitteln
Was die Landstuhler Beiträge für das Informationssystem zu etwas ganz Besonderem machen soll, das sind szenische Darstellungen, mit denen spielerisch Wissenswertes über die geschichtsträchtigen Orte transportiert wird. Die Idee dafür hat Frank Zimmer, der Vorsitzende der Landstuhler Heimatfreunde und Burgspieler, der seit 2020 auch im Tourismusbüro der Sickingenstadt tätig ist, mitentwickelt. Dieses Konzept sei bei Professor Klemm und den Vertretern der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd bei der Begehung am 6. Mai gut angekommen, ist sein Eindruck.
Vorstellbar sei zum Beispiel ein Dialog zwischen dem Freiherrn von Stumm, dem Erbauer des Bismarckturms, und dem Mondforscher Philipp Fauth, der auf dem Kirchberg schon fünf Jahre zuvor eine Sternwarte errichtet hatte. „Das stelle ich mir interessant vor“, sagt Zimmer, der selbst die kleinen Drehbücher für die einzelnen Szenen schreiben wird. An den Heidenfelsen könnten keltische und römische Priester die Naturreligion und die Götter erklären, gibt Zimmer weitere Einblicke in die vielen Ideen, die er schon hat.
Mit Spielszenen auf der Burg Nanstein haben die Heimatfreunde ja bereits einige Erfahrung, sei es vom Sickingengedenken oder auch den Burgerlebnistagen. Allerdings soll sich für das Kuladig-Projekt längst nicht alles um den letzten Ritter Franz von Sickingen drehen. Beiträge zur Baugeschichte, zur Barbarossazeit oder auch zu historischen Kochgewohnheiten in der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burgküche seien geplant. Requisiten und Kostüme für all diese kleinen Sequenzen seien im Vereinsfundus ausreichend vorhanden.
Burgspieler im Internet
Ein Ersatz für die auch in diesem Jahr wieder ausfallenden Burgspiele sei das natürlich nicht, sagt Zimmer mit Bedauern. „Die Spieler leben ja vom Applaus und den vielen Zuschauern“, gibt er zu bedenken, dass dies bei dieser kleinen Spielform alles wegfalle. Ein klein wenig aber könnten die Burgspieler und unter ihnen vor allem die jungen Leute so bei Laune gehalten werden. Außerdem „macht man etwas Sinnvolles, etwas Bleibendes“ und helfe damit als Verein auch der Stadt und der Region.
Bis zu den Sommerferien will Zimmer die Szenen geschrieben und einmal mit der Burgspielgemeinde – selbstverständlich in corona-konformen Kleinstgruppen – geprobt haben. Denn in den Ferienwochen werden die Studenten erwartet, die dann auch ein professionelles Team einer Filmhochschule mitbringen. Dieses wird die Szenen filmen und für das Portal bearbeiten.
Ab wann genau Besucher die Inhalte anschauen, anhören und lesen können, steht noch nicht fest. Degenhardt hofft, dass die QR-Codes Anfang 2022 erstellt sind, da das Projekt auf ein Jahr angelegt sei.
Info
Wer mehr über Kuladig erfahren möchte, kann sich im Internet die Seiten www.kualdig.de anschauen.