Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Schopp: Klezmer-Ensemble „Naschuwa“ begeistert das Publikum mit jiddischer Seele

„Naschuwa“ in Schopp: Akkordeonist Rainer Ortner, Frontsänger und Geiger Matthias Helms, Gitarrist Thomas Damm, Kontrabassist Th
»Naschuwa« in Schopp: Akkordeonist Rainer Ortner, Frontsänger und Geiger Matthias Helms, Gitarrist Thomas Damm, Kontrabassist Thore Benz. Foto:Gillen

Hausherr Pfarrer Wolfgang Hust erlebt nicht oft einen solchen Besucherandrang in seiner Kirche in Schopp: „Naschuwa“ hieß das Zauberwort. Das Klezmer-Ensemble hatte am Freitag zu einem Konzert eingeladen.

Zwei Studienjahre in Jerusalem mit hebräischem Sprachkurs während des Theologiestudiums weckten bei Matthias Helms die Liebe zur jüdischen Musik und Lebenskultur. Zusammen mit seinem Studienkollegen Thomas Damm (Gitarre) gründete er vor gut 30 Jahren in Wuppertal „Naschuwa“. Zum Repertoire des Duos, das in Deutschland und Europa unterwegs war, gehörten neben Klezmer und jiddischen Liedern auch arabische Musik, israelische Volksmusik und jüdische liturgische Gesänge. Später schlossen sich Akkordeonist Rainer Ortner und Kontrabassist Knud Krautwig an und vervollständigten das Quartett.

Stippvisite in der alten Heimat

Presbyter Kurt Becker aus Linden hatte mit seiner Ehefrau während eines Besuchs in Leipzig „Naschuwa“ live erlebt und war begeistert. „Es kostete einige Mühe, das bekannte Quartett ins ,Holzland’ zu lotsen“, berichtet Becker lachend und ergänzt: „Da Matthias Helms einige Jahre Pfarrer in Rodalben war, wollte er sich doch mal wieder in der alten Heimat sehen lassen. Zum Glück für Schopp.“

Und Frontmann Helms, Meister an der Geige, enttäuschte mit seiner Truppe seine Pfälzer Fans nicht. Er sang in hebräisch und ließ diese hartkehlig fremdartig klingende Sprache zu einem einzigartigen Klangerlebnis werden. Schnell zauberten Geige und Akkordeonist Rainer Ortner, munter begleitet von Gitarrist Thomas Damm und dem jetzigen Bassisten Thore Benz, ein Lächeln in die Gesichter der Zuhörer, und die Fußspitzen begannen zu wippen. Bereits hier war zu spüren, dass ein Volk, das immer wieder verfolgt und oft im Elend leben musste, sich trotzig mit Musik und Lebensfreude dem Schicksal entgegenstellte.

Verschmitzter Witz und viel Herzblut

Helms scheint die hebräische Sprache schon in die Wiege gelegt worden zu sein; er verführte mit charmantem Lächeln und jiddisch verschmitztem Witz seine Zuhörer zum Mitsingen auf hebräisch. Mit dem Volkslied „abi gesunt“ – das beschreibt, was der Mensch zum Glücklichsein braucht – zeigte der Sänger Helms, mit wie viel Herzblut und Liebe er der hebräischen Sprache huldigt. Seine Schwäche für jiddischen Humor kam während des Konzerts immer wieder in kleinen Erzählungen zum Tragen. Jiddische Lieder wie „Main Shtetele Beltz“ , eine Ode an die Heimatstadt an der Moldau, oder „Dos Kelbl“, ein „Lidele in Jiddisch“, das hintergründig die Knechtschaft beschreibt, gaben dem Konzert eine besondere Note.

Dabei begeisterte immer wieder die Perfektion und Spielfreude des Quartetts. Das Akkordeonsolo von Ortner wurde zu einem Klangerlebnis der besonderen Art. Da sucht sich das Tastenspiel den Weg in das Innerste des Zuhörers – Gläubige nennen es Seele. Da kämpft „zu Tode betrübt“ mit überschwänglicher Lebensfreude und lässt einen sprachlosen Zuhörer zurück.

In dem über zweistündigen Programm wechselten sich israelische Chansons wie „Chewlej Maschiach“ von Naomi Schermer, dem Loblied auf die Geburt des Messias, oder „Jamai Binjamina“ von Folksänger Matti Kaspi mit Stücken wie „Ani Ma’amin“ aus der jüdischen Liturgie des zwölften Jahrhunderts ab. Die geforderte Zugabe, die das begeisterte Publikum stehend forderte, erfüllte das Quartett mit dem israelischen Volkslied „Baschana Haba’a“, das auf dem Pesachfest als Friedenshymne gesungen wird.

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