Kreis Kaiserslautern
Rote Bete: Ein „Superfood“, das oft noch verschmäht wird
Kurz vorm Frühling geht dem heimisch-regionalen Gemüse die Puste aus. Auf dem Markt gibt es kaum noch Auswahl. Noch aber liefert das eine oder andere Wintergemüse Nachschub für den Speiseplan: Dazu zählt die Rote Bete, die optisch mit einem unnachahmlichen Rot besticht, aber von vielen verschmäht wird. Warum nur?
Gut, die rote Farbe kann schon tückisch und hartnäckig sein, aber es gibt Handschuhe und es gibt Zubereitungsformen, die kein Schälen erfordern und so weder verfärbte Hände noch rötlich angehauchte Küchen nach sich ziehen. Dann ist da dieser erdig-säuerliche Geschmack, den die Rote Bete nun mal zu bieten hat. Der lässt sich, je nach Zubereitung, leicht für jeden Gaumen aromatisch anpassen. Bleibt das Innenleben der Bete. Das punktet nun wirklich auf ganzer Linie. Ist sie doch reich an Vitamin B, Kalium, Eisen und Folsäure, wirkt blutreinigend, entzündungshemmend und weiß das Immunsystem zu stärken. Also ein echtes Knallergemüse, bei dem selbst das Bundeszentrum für Ernährung von einem „heimischen Superfood“ spricht.
Vorzüge ein bisschen in Vergessenheit geraten
Den Ausdruck kannten unsere Vorfahren freilich noch nicht. Gleichwohl wussten sie, was sie an der Roten Bete haben. Von der Knolle, die je nach Ort auch als Rote Rübe bezeichnet wird, gab es viele alte Sorten, die perfekt an die jeweiligen Standortgegebenheiten angepasst waren. Vor allem als Wintergemüse war das rote Gemüse ziemlich präsent auf dem Teller, lässt es sich doch lange lagern. In der jüngeren Vergangenheit gerieten die Vorzüge der Knolle ein bisschen in Vergessenheit. Aber sie drängt zurück in unsere Küchen, ist selbst in den sogenannten Gourmetlokalen immer öfter anzutreffen.
Auch in der Westpfalz findet sich die Rote Bete durchaus wieder öfter in den Gärten der Selbstversorger, aber auch draußen auf dem Acker, etwa in Lambsborn. „Wir haben im vergangenen Jahr die Rote Bete zum ersten Mal angebaut“, berichtet Landwirt William Gortner von einem Versuch, der ihn trotz der vielen Handarbeit durchaus überzeugt hat. Die ersten Knollen wurden samt Blattwerk im Sommer im eigenen Hofladen verkauft. „Das Kraut gibt frisch einen würzigen Salat, die junge Knolle muss nicht einmal geschält werden“, sagt Gortner und gibt zu, dass am Anfang durchaus Überzeugungsarbeit bei den Kunden geleistet werden musste. Derzeit lagern im Kühlhaus der Gortners nur noch wenige Rote Bete, die im Laden verkauft werden können. Die Lagerfähigkeit des Gemüses hat den Landwirt aber schwer beeindruckt. „Die sehen aus wie frisch nach der Ernte!“ Auch deshalb wird er in diesem Jahr erneut ein Stück Acker mit Roter Bete bestellen, um im Winter regionales Gemüse anbieten zu können.
Mit der Zuckerrübe verwandt
In Olsbrücken auf dem Gemüseacker von Janne und Joshua Rieser wächst die Rote Bete ebenfalls. Ob rund, zylindrisch, ob gelb oder als Ringelbete: Die gesunde Knolle landet zur Erntezeit in der Gemüsekiste, die von den „Gemüslichen“ – so der Name des Ladens – zur Kundschaft gebracht wird. Mit in die Kiste werden Rezepte gepackt, um aufzuzeigen, welche leckere Vielfalt hinter der Roten Bete steckt. „Den erdigen Geschmack mag nicht jeder“, hat Janne Rieser erfahren, aber allein das Angebot und das Ausprobieren habe schon zu neuen Fans der Knolle und ihrem Kraut geführt.
Die Rote Bete ist eine Kulturform der Gemeinen Rübe und mit Mangold sowie mit der Zuckerrübe verwandt. Mit der Kultivierung haben sich unterschiedliche Sorten mit unterschiedlichen Farben ausgebildet. Das Purpurrot wird dabei durch den natürlichen Farbstoff Betanin ausgelöst. Er findet als Lebensmittelfarbstoff E162 für die Farbgebung im Erdbeereis, in Wurstwaren, im roten Martini und bei roten Gummibärchen Verwendung.
Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt hat die Rote Bete zum Gemüse der Jahre 2023 und 2024 gekürt, auch weil viele alte Sorten vom Aussterben bedroht sind. Die tolle Knolle sei meist nur noch als Sauerkonserve bekannt. Dabei habe sie kulinarische Qualitäten und in Bezug auf unsere Gesundheit viel zu bieten, heißt es zur Begründung.