Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Reichenbach-Steegen: Ortsteil feiert 750-jähriges Bestehen

Der Festplatz unterhalb der Alten Mühle in Reichenbachsteegen hat sich am Wochenende in ein Heimatmuseum verwandelt.  Foto: View
Der Festplatz unterhalb der Alten Mühle in Reichenbachsteegen hat sich am Wochenende in ein Heimatmuseum verwandelt.

„Liebe zu Steegen ist, Tradition zu bewahren und weiterzugeben“: Unter dem Motto hat Reichenbachsteegen, ein Ortsteil der Gemeinde Reichenbach-Steegen, am Sonntag sein 750-jähriges Bestehen gefeiert. Ausrichter war der Unterhaltungsverein Alte Mühle.

„Als ääfacher Mönsch“ begrüßte Pfarrer Oliver Böß schon am Morgen die Gäste in der proppenvollen „Alten Mühle“ zum „Middelaldermundartgoddesdienscht“. Wie es sich gehörte in Mönchskutte. Den „Lozo vun Steeje“ habe er schon im „Zischderzienserkloschder“ in Beaulieu kennengelernt, verriet er. „Der is kloar, eier Lozo, met dem konnschde Elwetritsche fonge.“ Seine Predigt stand unter dem Motto „Gehschd weit fort, gehschd weit hääm.“

Gedenkmünze aus Zinn als Andenken an den Heimatort

Eine lange Schlange bildete sich nach der Predigt an der Bon-Kasse, denn nach diesen Worten gab es gehörig Hunger und Durst. Der Musikverein Reichenbach unter Leitung von Jan Epp unterhielt währenddessen die Besucher schwungvoll mit Blasmusik. Auf dem Festplatz hatten sich mittlerweile immer mehr Gäste versammelt. Peng! Mit Wucht sauste der zentnerschwere Fallhammer am Münzprägestand auf die münzgroße Fläche des Rohlings, und schon war ein kleines Kunstwerk aus Zinn geprägt. Der gebürtige Reichenbachsteegener Werner Nicklas freute sich über diese Gedenkmünze als Andenken an seinen Heimatort.

Technikfreaks zeigten reges Interesse an den Oldtimern und Motorsägen des Schleppervereins aus Fockenberg-Limbach. „Hier, das ist eine Sägemaschine aus dem Jahr 1942“, erklärte Gerhard Helfenstein. Und Michael Hüther, der Vereinsvorsitzende, zeigte mit Stolz auf die Zwei-Mann-Säge KS 1943. „Das war die Einheitssäge der Deutschen Wehrmacht.“

„Ping, pong, ping, pong“, klang es laut an der alten Schmiede nebenan. Mit Wucht bearbeiteten Fabian Bach und Daniel Groß ein Stück glühendes Eisen, aus dem sie ein Hufeisen schmiedeten. Kräftig trat Fabian sodann auf den Blasebalg und leitete Luft unter die Esse, damit die Holzkohle schön am Glühen blieb. Aufsehen erregten unter den Besuchern zwei Traktoren, die ein dickes Seil in ihrer Mitte gespannt hatten und die in gegensätzliche Richtung fuhren. „Die machen einen Stabilitätstest. Sie probieren, ob das Seil, das der Seildreher hergestellt hat, auch fest genug ist“, erklärte Daniel Groß.

Alte Gegenstände erinnern an Urgroßmutters Zeiten

Im Zelt nebenan konnte man alte Gegenstände bewundern, die zum Teil bereits 150 bis 200 Jahre alt sind: eine Bibel aus dem Jahr 1839, eine Wabenschleuder von 1900, alte Kaffeemaschinen, 120 Jahre alte Pfaff-Nähmaschinen. „Diese alten Bügeleisen wurden mit glühender Kohle gefüllt“, erläuterte Irene Breitfeld.

Inzwischen hatte sich die Alte Mühle wieder bis auf den letzten Mann gefüllt. Den ältesten Bürger des Ortes, Lozo von Stegen, wollte keiner verpassen. In mittelalterlicher Kleidung, mit einem Lederpanzer vor der Brust und einer Gitarre in der Hand traf der 750 Jahre alte Barde (Peter Schäfer) auf zwei junge Bürger von heute (Frederik Späth und Fabian Bach). Interessantes hatte Lozo zu berichten, sodass die beiden nur so staunten. Nur wenige Einwohner habe das Dorf vor 750 Jahren gehabt. „Die lebten in ihren Hütten zusammen mit dem Vieh unter einem Dach“, erzählte er. „Und jeden Tag gab es nur Hirsebrei zu essen. Erwachsene schliefen auf Holzbrettern und die Kinder auf dem Boden im Stroh.“

Lange Schlangen bildeten sich auch in der Bar der Alten Mühle, wo ein Film über den Ort lief und alte Bilder zu bewundern waren. „Weißt du noch?“, fragten sich die Besucher und ließen sich davon zu Erinnerungen hinreißen.

Steffen Schäfer, Vorsitzender des Unterhaltungsvereins Alte Mühle, zeigte sich in seiner Dankesrede erfreut von dem Gemeinschaftssinn der Bürger.

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