Queidersbach
Queidersbacher wehren sich: kein Rassistendorf
Sonntagmorgen: Pfarrer Patrick Asomugha hält seinen letzten Gottesdienst in der Queidersbacher Kirche. Wegen Corona vor leerem Haus. Als der katholische Geistliche hinaustritt, um den Ort zu segnen, gibt es doch plötzlich Publikum, wie unter anderem Ortsbürgermeister Ralph Simbgen berichtet. Die Menschen sind vor ihre Türen getreten, klatschen Asomugha zu, sie stehen einfach hinter ihm. Alles natürlich in dem zu Corona-Zeiten gebührenden Sicherheitsabstand. Es ist der Abschied. Heute verlässt Asomugha die Gemeinde. Ohne offizielle Verabschiedung. „Das ist sehr bedauerlich“, findet Simbgen, aber wegen des Virus’ eben nicht machbar.
Junge Frauen gegen rechts
Die Nacht von Samstag auf Sonntag: Aufgerüttelt durch die Nachricht von der Morddrohung gegen Asomugha stellen die Trippstadterinnen Jule Placzek, Elisa Heid und Naema Jochum (alle 21 Jahre alt) selbst gebastelte Plakate vor dem Queidersbacher Rathaus auf und schreiben mit Kreide Parolen gegen rechts auf den Vorplatz. „Liebe an die Welt“, nennen sie die stille Demonstration. Die jungen Frauen wollen damit zeigen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft noch viel Schaden anrichten kann und andere ermutigen, darüber nachzudenken, was sie dagegen tun können.
Die Drei betonen, dass Queidersbach als Dorf nicht in die rechte Ecke gestellt werden darf, nur weil einige wenige ihrem fremdenfeindlichen Hass freien Lauf gelassen haben. Und selbst wenn die Täter gefasst werden, plädieren die jungen Christinnen dafür, ihnen mit Nächstenliebe gegenüber zu treten. Sie eben nicht auszugrenzen, sondern mit gutem Beispiel auf den richtigen Pfad zu führen. „Man darf Hass nicht mit Hass begegnen“, betont Jule Placzek. Denn daraus entstehe nie etwas Gutes.
Die Feuerwehr stärkt dem Pfarrer den Rücken
Bei der ein oder anderen Übung der Freiwilligen Feuerwehr von Queidersbach war Asomugha dabei. Er habe sogar bei der Truppe mitmachen wollen, schreiben Vertreter der Feuerwehren in Queidersbach, Bann und Linden in einem Facebook-Post. Weiter heißt es darin: „Lieber Pfarrer Patrick, mit großer Bestürzung haben wir die aktuellen Nachrichten aufgenommen. Wir wollen Dir auf diesem Weg ,Auf Wiedersehen’ sagen! Wir haben Dich als weltoffenen und sympathischen Pfarrer kennengelernt. Deine offenherzige und freundliche Art hat uns als Feuerwehr begeistert.“ Mit Bedauern stellen die Wehrleute fest, dass „einige wenige hirnvernagelte Personen daran schuld sind, dass es so eskaliert ist“. Queidersbach dürfe jetzt nicht pauschal an den Pranger gestellt werden. Am schlimmsten sei der Vorwurf des Rassismus. Dazu heißt es: „Lieber Patrick, aus vielen Gesprächen mit Mitgliedern unserer Gemeinde können wir Dir sagen: 99,9 Prozent haben Dich geschätzt, gemocht und verurteilen diese Ereignisse aufs Äußerste. Leider haben sich die anderen 0,1 Prozent durchgesetzt.“
Der Bürgermeister ist „schockiert“
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landstuhl, Peter Degenhardt (CDU), zeigte sich „fassungslos und schockiert“ von den Vorgängen. Der Weggang von Pfarrer Asomugha sei für die Verbandsgemeinde ein kaum wieder gutzumachender Verlust. Der Pfarrer sei ein „von Herzen sympathischer, liebenswerter und darüber hinaus überaus engagierter“ Kirchenmann, der den Menschen herzlich zugetan sei. Es sei unfasslich, dass sich in der Verbandsgemeinde solch ein Hass und eine Gewalt gegen einen derartigen Menschen wie Pfarrer Asomugha richten könne. „Es bleibt zu hoffen, dass die Polizei die Urheber der feigen Taten gegen den Pfarrer ermitteln kann.“
Die Aufklärung lässt auf sich warten
Und da ist noch einiges offen. Die beiden Einbrüche in das Pfarrhaus aus dem vergangenen Jahr sind noch nicht aufgeklärt. Wer die Reifen am Wagen des Pfarrers im September zerstochen hat, ist ebenfalls unklar.